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Seite 2: The Red Strings Club im Test - Getöpferte Dystopie

Kein Schwarz-Weiß-Denken

Bei der Story nimmt uns The Red Strings Club weit weniger an die Hand. Der Titel hält sich nicht mit Exposition und Erklärungen auf, sondern wirft uns einfach in eine Welt voller Implantat-Junkies, Widerstandsgruppen und Kryptowährungen.

Anfangs kann das etwas verwirrend sein, macht die Figuren und ihre Interaktion aber glaubwürdiger. Alles Wichtige finden wir dann ohnehin im Spielverlauf heraus. Gerade die Charaktere sind fantastisch umgesetzt. Selbst unsere Feinde wirken wie reflektierte Persönlichkeiten, die nachvollziehbare Ziele verfolgen, Sorgen und Ängste haben. Ein klares Schwarz-Weiß-Schema existiert nicht. Zudem schaffen es die Entwickler, Themen wie Homosexualität oder ethnisch vielseitige Charaktere einzubringen, ohne dass es plump wirkt.

Alle Dialoge sind auf Deutsch und Englisch großartig geschriebenen. Eine Vertonung vermissen wir zwar ein wenig, dafür können wir beim Lesen aber besser dem Soundtrack lauschen. Die Musik wechselt zwischen melancholischen Stücken und futuristischen Elektroklängen und untermalt damit perfekt die gewünschte Stimmung.

Seine Dialoge und Figuren inszeniert das Adventure meisterhaft. Seine Dialoge und Figuren inszeniert das Adventure meisterhaft.

Was macht uns aus?

Innerhalb der Gespräche müssen wir die richtigen Fragen stellen, um Hinweise zu erhalten. Unsere Entscheidungen ändern oft nur die Dialoge etwas. Manchmal nehmen sie aber größeren Einfluss: Da wir auch mal in andere Rollen schlüpfen dürfen, können wir als Akara zum Beispiel auswählen, welches Gefühlsimplantat wir einem Führungsmitglied von Supercontinent einbauen. Je nachdem entwickelt sich Figur in eine andere Richtung.

Ein Diagramm mit einem roten Faden hält die unterschiedlichen Abzweigungsmöglichkeiten der Story fest. Bei der Gesamthandlung fällt der Einfluss zwar gering aus, man ändert im Kleinen aber so viel, dass sich mehrmals Spielen lohnt.

Die wohl größte Entscheidung betrifft aber die zentrale Frage des Spiels. Schließlich geht es um Technologie, die uns künstlich glücklich machen soll. Also: Was ist Glück? Und darf man es uns einfach aufzwingen? Jede Figur hat ihre eigene Meinung und plausible Argumente. Diese und viele andere philosophische Fragen greift der Titel sehr sachlich und erwachsen auf.

Uns wird dabei auch klar, dass wir uns manchmal eher auf ein Gefühl verlassen, als auf Logik. So wurden wir im Spiel gefragt, ob wir das Projekt der Firma gutheißen. Wir haben mit nein geantwortet, weil es unnatürlich wäre. Später fragt man uns aber, ob wir Dinge wie Mord oder Kriege verhindern würden und stimmen am Ende fast allen Punkten zu, die mit den Implantaten verbessert werden sollten - obwohl wir doch eigentlich dagegen sind. Das zeigt wie komplex und vielschichtig diese Themen sind und wie wichtig es ist, darüber nachzudenken.

The Red Strings Club ist damit vielleicht kein herausragendes Spiel, aber eine interaktive philosophische Erfahrung, die ihresgleichen sucht.

The Red Strings Club - Launch-Trailer zum Cyberpunk-Adventure 1:22 The Red Strings Club - Launch-Trailer zum Cyberpunk-Adventure

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