Die hochwertigen Komponenten: Mit regulär rund 75 Euro kostet The Witcher: Die Alte Welt zwar weniger als viele andere große Miniaturenspiele, dennoch liegt es damit im Brettspielumfeld natürlich nach wie vor im Premiumsegment. Aber es fühlt sich auch so an.
Das gigantische Spielbrett sieht klasse aus, ist logisch strukturiert und bietet Platz für viele Spielkomponenten. Die extra großen Karten liegen klasse in der Hand und sind gut lesbar. Mein Highlight sind aber die doppellagigen Charaktertableaus mit Aussparungen für Holzwürfel und Karten, so dass nichts verrutscht.
Einziger Wermutstropfen sind die in der Standardversion fehlenden Monster-Miniaturen, stattdessen legt ihr für Ghul, Mantikor oder Strygga lediglich Pappmarker auf die Ortschaften. Normalerweise stört mich das wenig, aber hier werten die Miniaturen das Spiel tatsächlich stark auf, weil sie verhältnismäßig lange auf dem Tisch bleiben.
Auf der anderen Seite rechtfertigen 28 Monster-Miniaturen für mich keine 70 bis 100 Euro Aufpreis für die Deluxe Edition, so ihr sie überhaupt noch bekommt, weil sie nahezu überall vergriffen ist.
Was stört mich?
Das formelhafte Monsterverhalten: Sämtliche Monster bringen in der Standard Edition nur eine einzige und selten wirklich spannende Sonderfähigkeit mit, die automatisch auslöst. Ansonsten setzen sie exakt das gleiche Kartendeck ein, wodurch sich die Feinde größtenteils gleich anfühlen.
Das Spiel ist sich dieses Problems offenbar bewusst und hat es mit der Erweiterung »Monsterjagd« sogar gelöst. Mit rund 45 Euro lässt sich der Hersteller die abwechslungsreicheren und spannenderen Kämpfe allerdings sehr teuer bezahlen.
Im November 2025 hat Entwickler Go On Board außerdem eine kostenlose App veröffentlicht, die den Monstern mit jeweils vier Spezialfähigkeiten (eine weniger als »Monsterjagd«) ebenfalls mehr Leben einhaucht und vor allem solo durch die automatische Monsterberechnung etwas Zeit spart, so ihr keine Aversion gegen Handys am Tisch habt. Allerdings setzt die App zwingend eine Registrierung voraus. außerdem ist sie bis dato nur in englischer und polnischer Sprache verfügbar.
In der Standardversion verwenden alle Monster das gleiche Deck. Nur Besitzer der »Monsterjagd«-Erweiterung dürfen interessantere und abwechslungsreichere Duelle ausfechten.
Das generische Storytelling: Es liegt ein wenig in der Natur des Systems, dass Die Alte Welt bei den Quests kaum erinnerungswürdige Geschichten erzählt. Denn durch das Zufallsprinzip beim Questkarten-Ziehen müssen sie zu jeder Spielsituation funktionieren.
Dennoch finde ich es ein wenig schade, dass es ausgerechnet in einem Witcher-Spiel kaum interessante Charaktere gibt, sondern größtenteils nur namenlose Zwerge, Hexen, Bettler und Elfen, die zudem ziemlich generische und erwartbare Dinge tun.
Der eingeschränkte Umfang: Mein Hauptkritikpunkt an The Witcher: Die Alte Welt ist eng verknüpft mit seiner Crowdfunfing-Finanzierung. Über 6,8 Millionen Euro hat das Brettspiel anno 2021 auf Kickstarter eingenommen und seine Kampagne entsprechend vollgepumpt mit Bonuszielen.
Mein Problem liegt darin, wie diese Bonusziele auf im Laden käufliche Erweiterungen verteilt wurden. Zusätzlich erhältlich sind das aus meiner Sicht verzichtbare Charakter-Addon »Zauberinnen und Magier«, »Skellige« als nette Spielwelt-Erweiterung und »Legendäre Monster« als sehr spaßiger zusätzlicher Spielmodus. Kostenpunkt: jeweils sportliche 45 bis 55 Euro.
Am meisten wertet das Addon »Monsterjagd« für rund 45 Euro euer Spielerlebnis auf, das jedem Monster mittels erweiterter Karten mehre individuelle Spezialfähigkeiten und herausfindbare Schwächen verpasst. Ebenfalls empfehlenswert ist das »Abenteuerpaket« für circa 30 Euro, das die Quests um 200 Karten erweitert und so deutlich abwechslungsreicher macht.
Der eingeschränkte Umfang macht die Standard-Ladenversion von The Witcher: Die alte Welt jetzt nicht zu einem schlechten Spiel, dennoch schätze ich, dass sich nach spätestens zehn Partien erste Wiederholungen und Ermüdungserscheinungen einschleichen. Und das wäre mit zusätzlichen Monster- und Quest-Karten verhältnismäßig günstig zu verhindern gewesen, ohne dass es gleich kostspielige Addons gebraucht hätte.
Wem empfehle ich es?
Nein, The Witcher: Die alte Welt wird nie eine vergleichbare Ausnahmestellung erreichen wie die Videospielvorlage. Und trotzdem kann ich es vielen von euch wärmstens ans Herz legen. Nämlich dann, wenn ihr eure Freunde für nerdige, toll aussehende Brettspiele begeistern wollt, ohne sie gleich mit Kampagnenkloppern der Marke Gloomhaven oder Miniaturen-Massakern im Stil von Zombicide zu verschrecken.
Allerdings würde ich es maximal zu dritt spielen, mit vier oder fünf Leuten am Tisch zieht es sich für meinen Geschmack doch zu sehr in die Länge, zumal es nur zwischen zwei Personen zu echter Interaktion kommt, nämlich bei Kämpfen und Würfelpoker.
Dafür habt ihr die alte Welt in wenigen Minuten auf den Tisch gebracht und erklärt. Die folgenden zwei bis drei Stunden werden wie im Flug vergehen und euren Freunden einen richtig schönen Abend bescheren, der einen runden Abschluss hat und sie mit einem guten Gefühl nach Hause gehen lässt.
Wer weiß: Vielleicht braucht es ja nur ein, zwei Abende mit The Witcher: Die alte Welt, bis eure Freunde fragen, was bei euch sonst noch so im Regal steht. Und dann habt ihr sie am Haken!

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