Der Trailer zu Black Ops 7 als großes Finale des Xbox Showcase im Juni 2025 war ein gigantischer Fehler. Denn was das Video zeigt, sieht ganz und gar nicht aus wie Call of Duty.
Im Livestream weckte die vielsagende Sci-Fi-Bildsprache mit mysteriösen Hologrammen, sich verbiegenden Städten und spannender Horror-Stimmung sofort die Neugier vieler Fans.
Ist es ein neues Quantum Break? Trifft hier Inception auf The Matrix? Oder überrascht man uns mit einer neuen Marke? Was ist denn nun diese spannende »One more thing« aus dem Hause Microsoft?
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Der ungewöhnlichste CoD-Trailer aller Zeiten: Black Ops 7 wurde erstmals enthüllt
»Release von Black Ops 27 nächste Woche«
Man konnte das kollektive Aufstöhnen der Show-Zuschauer fast spüren, als klar wurde: Nein, das hier ist einfach nur das nächste Call of Duty.
Tags darauf waren soziale Kanäle wie Tiktok geflutet von enttäuschten Reaktionen. Es war Anti-Marketing.
Dass das neue CoD auch numerisch direkt an Black Ops 6 aus dem Vorjahr anschließt, sorgt ebenfalls nicht gerade für Begeisterung: »Quantität über Qualität«, schreibt ein User unter den Trailer auf YouTube, ein anderer fügt hinzu: »Kann den Release von Black Ops 27 nächste Woche kaum abwarten.«
Viele andere Fans schließen sich offenbar dieser Meinung an: Über 76.000 Daumen nach unten kassiert der Teaser bisher. Die Sequel-Müdigkeit zündet in die letzte Zynismus-Stufe.
CoD als Beyonce-Album?
Noch viel besorgniserregender wird der ganze Reveal aber aus meiner Sicht vor dem Hintergrund der Aussagen von Tyler Bahl, Marketing-Boss für CoD bei Activision.
Anfang Juni habe man normalerweise alles zum neuen CoD-Teil enthüllt, für Black Ops 7 wolle man aber einen überraschenden »Beyonce-Effekt« erzielen und bewusst mit der Erwartungshaltung der Fans spielen:
In vielerlei Hinsicht ziehen wir das Ganze auf wie den Launch eines Beyonce-Albums; niemand sieht es kommen, niemand weiß davon […]. Wir wollten es anders angehen, Leute überraschen. Eine Lösung ist es, fast keine Promotion vorab zu machen und es den Leuten dann zu zeigen, wenn sie es nicht erwarten.
Das Problem: Leute werden Call of Duty immer erwarten. Wirklich immer. Call of Duty ist der Shooter, der seit Jahren pünktlich wie ein Uhrwerk zum Weihnachtsgeschäft wieder neu im Ladenregal steht. Neues Jahr, neues CoD – für die Spieler und die Branche ist das fast schon ein Naturgesetz.
Keine Promo zu machen, wird an diesem Wissen rein gar nichts ändern. Und den Leuten vorzugaukeln, es wäre etwas völlig anderes, wenn sie am Ende des Trailers ja doch rausfinden, dass es ein neuen CoD ist, hat ganz offensichtlich überhaupt nicht funktioniert.
Ein fatales Signal
Wozu also dieses völlig bizarre Guerilla-Marketing für ein Produkt, das Jahr für Jahr die Bestseller-Listen der Industrie anführt? Warum hätte CoD, eines der größten Entertainment-Produkte des Planeten, diesen ominösen »Beyonce-Drop« nötig?
Für mich kann es dafür nur zwei Gründe geben:
- Entweder konnten die Entwickler einfach noch kein brauchbares Gameplay-Material für einen traditionellen, vollumfänglichen CoD-Reveal liefern.
- Oder Microsoft gibt bisher das entsprechende Marketing-Budget nicht frei, um die übliche und millionenschwere PR-Trommel zu rühren.
Beides wären fatale Signale: Entweder reicht die Entwicklungszeit nicht aus (was wenig überraschend wäre, wenn Treyarch zwei CoD-Spiele direkt hintereinander abliefern muss) oder das Vertrauen des Publishers in das Produkt ist (noch) nicht da, um die Promo-Schleusentore zu öffnen. Und das in einem Jahr, in dem Call of Duty mit Battlefield 6 zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten mal wieder ernsthafte Konkurrenz hat. Ein schlechteres Zeichen konnte die Shooter-Serie mit so einem Reveal definitiv nicht senden.
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