Tiefes Grollen, gefolgt von schrillem Pfeifen, das ungebremst durch die Gänge schallt … Gabe Newell ist in der Gaming-Welt für viele Eigenheiten bekannt: für die Erschaffung von Steam, seine Vorliebe für extravagante Jachten – und dafür, dass Fans seit bald zwei Jahrzehnten vergeblich auf Half-Life 3 hoffen. Eine ganz besonders kuriose Episode brachte jetzt allerdings Counter-Strike-Miterfinder Minh »Gooseman« Le ans Tageslicht.
In einem Interview mit dem YouTube-Kanal Indie Game Joe plauderte Le aus dem Nähkästchen. Demnach verfiel Newell vor etlichen Jahren einer ganz speziellen Leidenschaft: traditionellem mongolischen Kehlgesang. Das eigentliche Problem für das Team war dabei weniger das Hobby an sich, sondern Newells Angewohnheit, seine Stimmübungen direkt auf den Bürofluren abzuhalten.
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Fünf Monate Dauerschall auf den Bürofluren
Auslöser war laut Le eine Fernsehdokumentation über mongolische Sänger. Newell zeigte sich von der Gesangstechnik derart fasziniert, dass er beschloss, sie sich im Alleingang beizubringen. Und wer Gabe Newell kennt, weiß: Halbe Sachen macht der Valve-Chef selten.
Le erinnert sich auch heute noch an die damalige Geräuschkulisse: Newell sei damals täglich durch die Gänge spaziert und habe ungeniert vor sich hin gesungen. Für die Belegschaft, die eigentlich konzentriert an Spielen feilen wollte, entwickelte sich das Ganze rasch zur akustischen Zerreißprobe. Die Darbietungen waren schließlich alles andere als leise.
Um dem Dröhnen auf dem Flur zu entkommen, zogen die Mitarbeiter nach und nach ihre Bürotüren zu. Aus dem für seine offene Firmenkultur bekannten Valve-Hauptquartier wurde für knapp fünf Monate eine Festung geschlossener Türen, bis Newells Gesangsphase allmählich wieder abebbte.
Für Minh Le passte die Aktion perfekt ins Bild. Newell neige dazu, sich Hals über Kopf in neue Themen zu verbeißen, jedes Detail aufzusaugen und danach zum nächsten Projekt weiterzuziehen. Genau dieselbe Besessenheit habe Newell später an den Tag gelegt, als er mit dem Messerschmieden begann und einen ganzen Büroraum mit Schwertern und Klingen vollstellte.
»Genau so klingt es auch«
Die Geschichte klingt fast zu absurd, um wahr zu sein. Ein Fan namens Bas wollte es deshalb genau wissen und schickte kurzerhand eine E-Mail an Newells bekannte Adresse. Der Valve-Chef antwortet bekanntlich immer wieder überraschend auf Fan-Post, und er ließ sich auch diesmal nicht zweimal bitten.
Newell bestätigte die Anekdote und bewies dabei eine gesunde Dosis Selbstironie: »Ich bin komplett autodidaktisch unterwegs, und genau so klingt es auch«.
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Ganz ohne Expertenrat blieb Newell damals aber nicht: Er tauschte sich mit dem US-Bluesmusiker Paul Pena aus. Pena galt auf dem Gebiet als absolute Ausnahmeerscheinung: Der blinde Musiker hatte sich den tuwinischen Kehlgesang über Kurzwellen-Aufnahmen selbst beigebracht, reiste 1995 zu einem Gesangswettbewerb nach Tuwa und wurde durch die Oscar-nominierte Dokumentation »Genghis Blues« weltberühmt.
Newell trainierte laut eigener Aussage zwei extrem anspruchsvolle Gesangsstile: Sygyt, bei dem über einem tiefen Basston flötenartige Pfeiftöne mitschwingen, und Kargyraa, eine tiefe, knurrende Gesangsform aus dem Kehlkopf. Sein rückblickendes Urteil über die Belastungsprobe für sein Umfeld: Er sei an den Punkt gekommen, an dem er für die Menschen um ihn herum »wirklich ... nervig« geworden sei.
Ganz an den Nagel gehängt hat er das Gesangstraining übrigens bis heute nicht. Alle paar Jahre packe ihn wieder die Lust darauf, verriet Newell in der Mail. Um seine Stimme wieder in Form zu bringen, brauche er allerdings gut zwei Wochen Vorlauf. Kargyraa falle ihm dabei leicht, für Sygyt brauche es dagegen spürbar mehr Arbeit.
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