50% aufs erste Jahr – nur für kurze Zeit!

50% aufs erste Jahr – nur für kurze Zeit!

Bis zum vielleicht besten Sci-Fi-Twist aller Zeiten dauerte es in Westworld gerade mal sieben Folgen

Der Twist um Bernard in Episode 7 von Westworld Season 1 gilt bis heute als einer der effektivsten Momente der TV-Geschichte.

Der Twist um Bernard (Jeffrey Wright, rechts) sorgte in der ersten Staffel von Westworld für einen unglaublichen Twist. (Bild: HBO) Der Twist um Bernard (Jeffrey Wright, rechts) sorgte in der ersten Staffel von Westworld für einen unglaublichen Twist. (Bild: HBO)

Der Start von Westworld im Jahr 2016 war für HBO ein kalkulierter Versuch, die Lücke zu füllen, die das damals absehbare Ende von Game of Thrones hinterlassen würde. Die Zutaten stimmten: ein hohes Budget, ein herausragender Cast und eine komplexe Handlung um künstliche Intelligenz und Bewusstsein. Die erste Staffel lieferte ein fast perfektes Puzzle, das zum Mitdenken anregte.

Doch bei der Betrachtung des Gesamtwerks fällt auf, dass die Serie ihren Zenit erstaunlich früh erreichte. Weder die spektakulären Finalen späterer Staffeln noch die großen philosophischen Monologe konnten jene Wirkung erzielen, die Season 1 spätestens in Episode 7 namens »Trompe L'Oeil« entfaltete. Denn zu deren Ende hin gab es einen Moment, der das Publikum kalt erwischte.

Achtung: Es folgen Spoiler!

Der Anker der Vernunft

Die Wirkung dieses Twists beruht fast vollständig auf der Figur des Bernard Lowe, gespielt von Jeffrey Wright. In den ersten sechs Episoden etablierte die Serie ihn als die Stimme der Vernunft. Während die Parkleitung intrigierte und die Androiden, die sogenannten Hosts, immer unberechenbarer wurden, blieb Bernard die Konstante. Er war der Zuschauer-Ersatz, der Chefprogrammierer, der die Fehler suchte. Wir blickten durch seine Augen auf die Welt des Parks.

Genau diese Perspektive nutzten die Showrunner Jonathan Nolan und Lisa Joy gegen das Publikum. Als Bernard gemeinsam mit Theresa Cullen (Sidse Babett Knudsen) das versteckte Haus von Westworld-Erfinder Robert Ford (Anthony Hopkins) aufsucht, wiegen wir uns in Sicherheit. Wir erwarten eine Enthüllung über Fords Pläne, nicht über Bernard selbst.

Video starten 9:53 Westworld vs. Gaming - Jeder Spieler muss diese Serie sehen! Oder zumindest die erste Staffel

Der blinde Fleck

Der eigentliche Schockmoment ist subtil inszeniert. Die für die Qualitätssicherung im Park zuständige Theresa entdeckt eine Tür, die in ein unterirdisches Labor führt. Bernard starrt genau auf diese Stelle, doch sein Kommentar ist irritierend teilnahmslos: »Welche Tür?«

In diesem Augenblick greift eine Regel, die Westworld zuvor etabliert hatte: Hosts sind so programmiert, dass sie Dinge, die ihr konstruiertes Weltbild gefährden, buchstäblich nicht wahrnehmen können. Bernards Unfähigkeit, die Tür zu sehen, ist aber nur der erste Hinweis seine künstliche Natur, der beim ersten Schauen leicht untergeht, denn die Szene ist dunkel. Vielleicht hat Bernard die Tür ja wirklich einfach nicht gesehen?

Im Bunker treffen Host Bernard (Jeffrey Wright, links) und Theresa Cullen (Sidse Babett Knudsen, Mitte) den mysteriösen Robert Ford (Anthony Hopkins, rechts). (Bild: HBO) Im Bunker treffen Host Bernard (Jeffrey Wright, links) und Theresa Cullen (Sidse Babett Knudsen, Mitte) den mysteriösen Robert Ford (Anthony Hopkins, rechts). (Bild: HBO)

Doch spätestens im Labor wird alles klar. Eine schockierte Theresa zeigt Bernard Konstruktionspläne eines Hosts – seine eigenen. Bernards Reaktion darauf ist mechanisch und entlarvend. Der Satz »Das sieht nach nichts für mich aus«, im englischen Original »Doesn't look like anything to me«, jagt Zuschauern eine Gänsehaut über den Rücken - er ist das untrügliche Zeichen dafür, dass es sich beim Sprecher um einen Androidenhandelt.

Qualitativer Abfall nach dem Höhepunkt

So brillant dieser Twist in Trompe L'Oeil konstruiert war (und es gab später noch einen, der mindestens ebenso gut war), so sehr litt die Serie in den folgenden Jahren darunter, diesen Standard halten zu wollen.

  • Die erste Staffel funktionierte als geschlossenes System perfekt, das Finale in Episode 10 hat bis heute die höchste User-Wertung der gesamten Serie (9,7/10 bei IMDb).
  • Die zweite Staffel verlor sich hingegen in unnötig verschachtelten Zeitebenen, die oft wirkten, als wären sie nur kompliziert, um Reddit-Theorien zu erschweren, statt eine schlüssige Geschichte zu erzählen.
  • Mit Staffel 3 verließ die Serie den Park und versuchte sich an einer generischen Cyberpunk-Dystopie, der es an der dichten Atmosphäre der Anfangstage fehlte. Die Western-Elemente und das Kammerspiel-artige Mysterium wichen Action-Sequenzen.
  • Auch wenn Staffel 4 versuchte, zu den Wurzeln zurückzukehren, war das Interesse des breiten Publikums bereits geschwunden. Die Absetzung durch HBO noch vor dem geplanten Finale bestätigte den Abwärtstrend.

So pompös Westworld auch zuweilen war, so schockierend brutal ihre Action-Szenen, so wunderschön ihre Landschaftsaufnahmen: Am Ende dürfte vielen Zuschauern auch drei Jahre nach dem Ende der Serie ein Dialog in einem Keller deutlich mehr präsent sein als fast alles, was danach kam.

zu den Kommentaren (19)

Kommentare(19)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.