Wir wissen, das passiert selten. Aber falls eure Performance in einem Multiplayer-Shooter mal zu wünschen übrig lässt, verzagt nicht.
Ihr müsst nicht, wie alle anderen, dem schlechten Ping eurer Kontrahenten oder dem fehlenden Support eures Teams die Schuld geben. Wir haben eine viel originellere Ausrede für euer Portfolio: Es lag am Sound der Waffe!
Dass das nämlich überhaupt nicht abwegig ist, bewies bereits vor 22 Jahren ein Shooter, der vielen von euch ein Begriff sein dürfte: Wolfenstein. Genauer gesagt, das Multiplayer-Spiel Wolfenstein: Enemy Territory. Denn hier gab es eine Waffe, die die Performance der Spielerinnen und Spieler in die Höhe trieb, und das nur aufgrund ihres Sounds.
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Warum der Sound der Thommy Gun in Wolfenstein generft werden musste
Wolfenstein: Enemy Territory ist ein kostenloser Multiplayer-Shooter aus dem altbekannten Wolfenstein-Universum, der seit 2003 gespielt werden kann. Zwei Teams, die Allies und die Axis, streifen durch verschiedene Karten und erfüllen Missionsziele.
Dafür steht Spielerinnen und Spielern natürlich ein pralles Waffenarsenal zur Verfügung. Die Auswahl ist hierbei dual angelegt. Das bedeutet, dass jeder Waffentyp zwei Ausführungen hat, jeweils eine für die Allies und eine für die Axis. Diese sind in ihren Stats komplett identisch, sie unterscheiden sich lediglich in Aussehen und Sound.
So auch die Submachine-Gun-Variationen Thompson und MP40. Beide Waffen machen 18 Punkte Schaden bei einem Körpertreffer, 40 bei einem Kopfschuss mit Helm und 50 ohne Helm. Doch die Spieler griffen lieber zur Thompson, weil sie das Gefühl hatten, dass diese einfach stärker ist.
In einem Interview mit dem Youtube-Kanal People Make Games spricht Gamedesigner Ed Stern über die Ursachen dieser Diskrepanz. Zunächst glaubte man, dass das Feedback der Spielerinnen und Spieler zu diesen Waffen schlichtweg falsch war. Doch ein Blick auf die Serverdaten bewies das Gegenteil: Tatsächlich bekamen Spielerinnen und Spieler mehr Kills, wenn sie mit der Thompson kämpften.
Die Entwickler führten dieses Phänomen auf den Sound der Thompson zurück. Sie hatte damals einen Klang mit mehr Bass als die MP40 und fühlte sich dadurch schlichtweg stärker an.
Die Spieler fühlten sich stärker. Sie wurden dadurch selbstbewusster. Sie versuchten sich häufiger an Kopfschüssen und trafen auch öfter. Sie machten mehr Kills, die Spieler hatten also recht. Die Lösung bestand darin, den Sound zu ändern, nicht die Waffe.
Der Thompson wurde schließlich der schallende Bass entzogen, sodass sich beide Waffen ähnlicher anfühlten und siehe da: Es funktionierte.
Was Spielsound mit uns macht
Der Sound spielt also mit. Das Phänomen ist sogar ziemlich verbreitet, es ist eine Art des Placebo-Effekts. Wenn ein basslastiger Sound unsere inneren Machtfantasien kitzelt, fühlen wir uns dem Spielgeschehen deutlich näher. Das kommt dem Spielfluss zugute und damit auch unserer Performance.
Wir haben aufgrund des Sounddesigns die Erwartung, dass wir stärker sind und verhalten uns auch dementsprechend. Das funktioniert übrigens nicht nur mit Klängen, sondern auch mit Skins. Ein cooler, auffälliger Skin oder eine imposante Animation kann uns das Gefühl geben, dass wir mächtiger sind, obwohl sich unsere Werte nicht geändert haben.
Wir reagieren in Spielen also auf das Gesamterlebnis – Klang, Optik, Animation – nicht nur auf nackte Zahlen wie Schadenswerte oder Feuerrate. Falls ihr also demnächst mal eine Pechsträhne habt, wechselt doch einfach mal die Klamotten.
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