Das schwedische Studio Wayfinder hat auf der PAX East in Boston seinen ersten Titel vorgestellt: Wyldheart. Dahinter verbirgt sich ein Action-Rollenspiel mit großem Fokus auf Koop und Dungeon-Crawling.
Obwohl Wayfinder ein neues Studio ist, besteht das 10-köpfige Team aus erfahrenen Entwicklern, darunter einigen ehemaligen DICE-Mitarbeitenden. Einer der Studio-Gründer ist Dennis Brännvall, Ex-Design-Director von Star Wars Battlefront 2.
In einer Preview-Session durfte ich Wyldheart gemeinsam mit ihm und Marketing Director Erin Bower für knapp 40 Minuten anspielen und was dabei rauskam, will ich euch natürlich nicht vorenthalten.
Drei Helden und eine Menge Untote
Ich starte unser gemeinsames Abenteuer in der Spiellobby an einem heimeligen Lagerfeuer. Bis zu vier Freunde können sich hier versammeln, unser Trupp besteht heute aber aus drei Abenteurern.
Zunächst wählt jeder von uns einen Hintergrund für seinen Charakter aus. Als Rassen stehen aktuell Mensch, Halbling und Oger zur Verfügung, denen ich zusätzlich einen Beruf aufdrücken kann. Diese reichen von verschiedenen Handwerksberufen über Adelige bis hin zu »freieren« Lebenskonzepten, wie etwa dem eines Betrunkenen.
Jeder der Berufe kommt mit einer eigenen Startausrüstung daher. Wähle ich den Metzger, trage ich etwa ein Fleischermesser und eine Portion Rippchen in den Taschen mit mir rum. Letztere können im Abenteuer später zu Mahlzeiten verarbeitet werden, die beispielsweise die Gesundheit verbessern.
Aber bevor meine Begleiter und ich schon über die Mittagspause nachdenken, müssen wir uns erst einmal die Hände schmutzig machen. Wobei »schmutzig« nicht der passendste Ausdruck ist, denn unsere erste Quest trägt den Titel »Prüfung des Schleimlords«.
1:20
Wyldheart: Ex-Battlefield-Entwickler haben ein gemütliches Koop-Rollenspiel gebaut
Wir finden uns in einer unterirdischen Gruft wieder, in der die Wände grünen Schleim absondern. Indem ich mich hinhocke, offenbaren sich mir außerdem instabile Wände und Böden, die ich mit meinen Mitreisenden aufbuddele und mir alles schnappe, was ich tragen kann. Neben Ausrüstung und Verbrauchsgegenständen finden wir verschiedenfarbige Klumpen versteinerten Schleims - Wer weiß, wofür das noch gut sein kann.
Eine Rollenspiel-Gruft ist allerdings keine Rollenspiel-Gruft, wenn nicht auch ein paar Untote hier ihr Unwesen treiben. Um gegen diese anzukommen, zücke ich nur zu gerne mein Fleischerbeil, während die Gärtnerin die Sichel schwingt und die Fallenstellerin den Bogen spannt. Im Dungeon selbst finden sich aber auch reichlich weitere Waffen, ich bin nicht durch meine Jobwahl eingeschränkt.
Das Kampfsystem von Wyldheart verläuft in Echtzeit. Per Mausklick blocke ich und greife meine Gegner an, werde durch ihre Attacken aber auch hin und wieder unterbrochen. Ein gutes Gefühl für Timing und Ausdauermanagement ist also von Vorteil. Über Talentbäume kann ich später neue Moves lernen und meine Stats aufleveln.
So kämpfen wir uns durch große und kleine Gegner-Mengen, erlegen einen korrumpierten Oger, treten verschlossene Türen auf und looten alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Im letzten Raum stoßen wir auf drei Säulen aus menschlichen Gebeinen, die praktischerweise genau in jenen Farben leuchten, die auch die drei Schleimklumpen in unserem Inventar zieren - Na, zum Glück haben wir die eingesammelt.
Damit öffnen wir die Pforte zum Bossraum, wo ein gigantischer, lebendiger Berg aus Schleim und Knochen auf uns wartet. Wir bringen ihn mittels herumstehender Feuertonnen rasch zu Fall - und dann geht’s auch schon wieder an die Oberfläche.
Die Welt von Wyldheart
Nach getaner Arbeit ruhen meine Freunde und ich uns am Lagerfeuer aus. Hier kann gekocht, gegessen und gecraftet werden. Gefundener Loot und zubereitete Mahlzeiten werden geteilt, wir sollten uns also möglichst absprechen, bevor wir uns den Wanst vollhauen.
Nach der Rast machen wir uns auf die Reise zum nächstgelegenen Ort. Dafür hat Wayfinder eine Oberwelt gebaut, die sich aus sechseckigen Feldern zusammensetzt. Beim Reisen können wir darüber hinweglatschen oder in die einzelnen Gebiete hineinspringen, um Monster zu jagen und Ressourcen zu sammeln. Insgesamt soll es 250 verschiedene Felder für die erste Kampagne geben.
Dennis erzählt mir, dass er auf diese Oberwelt besonders stolz ist. Wenn man hier in ein Feld hineinspringt, sieht man im Hintergrund die Landschaft und markante Wegmarken der anderen Felder am Horizont. »Ich habe noch kein Spiel gesehen, das das so macht. [...] Dadurch fühlt sich die Welt sehr real an, obwohl sie auf einer Overworld-Karte basiert.«
Anstelle eines nahtlosen Teleports haben sich die Entwickler ganz bewusst für eine kurze Verzögerung beim Reisen von Feld zu Feld entschieden - es dauert einige Sekunden, bis mein Miniatur-Ich am Ziel angekommen ist. Und diese Entschleunigung funktioniert. Dennis, Erin und ich nutzen die Zeit, um über Tabletop-Rollenspiele und Herr der Ringe zu quatschen. Nach dem eher düsteren Geplänkel in der Gruft ist das eine willkommene Abwechslung.
Schließlich kommen wir im kleinen Städtchen Elderlight an, wo wir Vorräte auffüllen und nach neuen Quests Ausschau halten. Wenn wir beispielsweise ein Gerücht aufschnappen, können wir Wachen und Händler darauf ansprechen, um weitere Infos zu sammeln und in ein neues Abenteuer zu springen.
Von »Diablo trifft Sims« zum »Multiplayer-Skyrim«
Im Gespräch verraten mir Erin und Dennis, dass sie Wyldheart als eine Art Multiplayer-Skyrim sehen, das stark von Dungeons & Dragons inspiriert ist. Diese Vision stand aber nicht von Anfang an fest.
Als das Spiel vor vier Jahren konzipiert wurde, schwebte den Entwicklern ein Mix aus gefährlichen Diablo-Dungeons und gemütlichen Life-Sim-Aspekten aus Die Sims vor. Auch wenn davon heute noch Details wie das Action-Gameplay und das gemeinsame Kochen übrig sind, sind die beiden Pfeiler von Wyldheart inzwischen näher zusammengerückt.
5:10
Wir spielen Whyldheart: Das Koop-Rollenspiel lässt sich auch im Alleingang erleben
Die Dungeons sind jetzt zwar immer noch sehr dunkel, aber wirken deutlich verspielter, während Mechaniken wie das Essen nicht mehr vordergründig dazu da sind, Bedürfnisse zu stillen, sondern Charaktere zu stärken.
Was Wyldheart letzten Endes zu einem Koop-Skyrim macht, ist die Freiheit mit der Welt zu interagieren: Schauplätze in eigenem Tempo zu erkunden, mit NPCs zu schwatzen, die einer eigenen Routine folgen, den eigenen Charakter frei zu entwickeln - nur eben gemeinsam mit Freunden.
Passend zu diesem Fokus auf die Gemeinschaft können sich bis zu vier Spieler für die Kampagnen zusammenfinden. Dafür muss man die richtigen Leute allerdings selbst mitbringen, denn ein klassisches Online-Matchmaking wird es nicht geben.
Wenn gerade keine Mitstreiter verfügbar sind, kann die Welt aber auch als Solo-Abenteurer erkundet werden. In diesem Fall passt sich der Schwierigkeitsgrad durch eine geringere Gegnerdichte an. Und wer sich weder auf Gruppenstärke noch auf Gruppenzusammensetzung festlegen will, hat die Möglichkeit, sich für jedes Abenteuer in neuer Konstellation zusammenzufinden. Auch der eigene Charakter kann beliebig neu erstellt werden.
Zum Start in den Early Access später in 2026 wird erst einmal eine große Kampagne mit rund zehn Stunden Story-Spielzeit verfügbar sein, die nach und nach durch weitere, kleinere Kampagnen erweitert werden soll.
Für diese Phase plant Wayfinder, neue Features basierend auf Spieler-Feedback einzubauen und am Balancing zu schrauben, ohne das Spiel mit Millionen unnötiger Dinge aufzublähen. Denn allzu lange möchte man nicht im Early Access verweilen, der 1.0-Launch ist für 2027 angesetzt.
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