Update vom 29. September:
Der gigantische Deal ist nun offiziell: EA wird verkauft. Für die Summe von rund 55 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 47 Milliarden Euro) soll der Videospielkonzern zu 100 Prozent in den Besitz eines Investorenkonsortiums übergehen - und verschwindet dann von der Börse. EA hat einem entsprechenden Angebot zugestimmt.
Aus Unternehmenskreisen heißt es, der Deal werde »EA in die Lage versetzen, Wachstum und Innovation schneller voranzutreiben und die Zukunft der Unterhaltungsindustrie zu gestalten.« EA-Chef Andrew Wilson soll seinen Posten behalten.
GameStar-Redakteur Jesko Buchs hat die ganze Transaktion samt Hintergründen für euch aufgeschlüsselt:
Bis der Verkauf endgültig ist, müssen aber noch einige Hürden überwunden werden, wie eine behördliche Prüfung (Stichwort Kartellrecht). Der wirkliche Abschluss wird sich also noch bis voraussichtlich Mitte 2026 hinziehen.
Die neuen EA-Besitzer werden:
- PIF: Staatsfonds Saudi-Arabiens mit Hauptsitz in Riad unter Kronprinz Mohammed bin Salman
- Affinty Partners: Die Investmentfirma von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner
- Silver Lake: US-Kapitalgesellschaft mit Sitz in Kalifornien mit Fokus auf Private-Equity-Strategie
Was bedeutet das? Der Journalist und Branchenexperte Jason Schreier glaubt, dass die Übernahme vor allem mit drastischen Einsparmaßnahmen einher gehen wird:
Höchstwahrscheinlich stehen EA höchst aggressive Sparmaßnahmen in den kommenden Monaten und Jahren bevor.
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Durch die Art der Übernahme (ein sogenannter »Leveraged Buyout«) steigt EA demnach mit einer Neuverschuldung von rund 20 Milliarden Dollar in das neue Besitzverhältnis ein.
Schreier ist sich sicher: Das bedeutet Kündigungen, aufdringlichere Monetarisierung und massive Einsparungen, die auch User zu spüren bekommen werden.
Ein derartiger Schuldenberg werde sich »kaum ohne massive Einsparungen, Umstrukturierungen und Zusatzerlöse abschichten lassen«, analysiert GamesWirtschaft den Verkauf.
Original-Meldung:
Es wäre der zweitgrößte Gaming-Deal der Geschichte. Nur bei der Übernahme von Activision-Blizzard durch Microsoft ist noch mehr Geld geflossen. Zumindest, wenn die Zahlen wirklich stimmen, die derzeit durch die Medien geistern. Aktuell ist die angebliche Privatisierung von Electronic Arts durch eine Investorengruppe nämlich noch nicht bestätigt.
Allerdings kommt die Behauptung vom Wall Street Journal und damit aus recht zuverlässiger Quelle. Demnach wird gerade ein Deal ausgehandelt, bei dem für angeblich 50 Milliarden Dollar sämtliche Aktien zurückgekauft werden. EA wäre damit kein börsenorientiertes Unternehmen mehr, sondern gehört dann ausschließlich einer Gruppe an Investoren.
Zu dieser Gruppe zählen laut aktueller Berichte vor allem drei große Geldgeber: Das US-amerikanische Investment-Unternehmen Silver Lake, das US-amerikanische Investment-Unternehmen Affinity Partners und der saudi-arabische Public Investment Fund (PIF).
Noch wurde von keinem der drei genannten Investoren die Übernahme bestätigt, laut aktueller Berichte soll es aber bereits am Montag so weit sein.
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AAA-pokalypse: Die Industrie fährt gegen die Wand
Was bedeutet das genau?
Würde dieser Deal sich tatsächlich als wahr herausstellen, wäre das ein gewaltiger Umbruch bei Electronic Arts. Das Unternehmen ist seit 1989 börsenorientiert und würde jetzt wieder vollständig in private Hände gelangen. Die 50 Milliarden Dollar müssten vor allem aufgewendet werden, um die derzeitigen Aktieninhaber auszuzahlen.
Kein Wunder also, dass der Aktienwert von EA gehörig gestiegen ist, seit dem die Übernahme-Berichte die Runde machen. Am Freitag, dem 26. September stieg der Börsenwert des Unternehmens um satte 15 Prozent und kletterte damit auf einen Rekordwert.
Als privates Unternehmen wäre EA nicht so oft im Zugzwang, quartalsmäßig öffentliche Erfolge zu verbuchen, sondern könnte sich theoretisch langfristiger aufstellen. Allerdings entstehen durch die Übernahme ganz andere finanzielle Herausforderungen.
Bei der Übernahme handelt es sich laut der Berichte um einen sogenannten »Leveraged Buyout«. Die Investoren zahlen die veranschlagten 50 Milliarden Dollar also nicht komplett aus eigener Tasche. Stattdessen finanzieren sie einen Teil davon, während der Rest über Schulden zusammenkommt, die EA selbst trägt.
EA stünde also selbst in der Verantwortung, die gemachten Schulden wieder abzubezahlen. So etwas kann durchaus zu Kosteneinsparungen, Umstrukturierungen und ja, auch Entlassungen im Unternehmen führen. Es gibt gar Beispiele, in denen ein derartiger Buyout das Unternehmen ruiniert hat – da EA aber ein großes und zuverlässig rentables Unternehmen ist, halten wir die Chance dafür für sehr gering.
Wer sind die neuen Eigentümer?
Sollte der Deal über die Bühne gehen, ist EA nicht nur abermals ein privates Unternehmen, es hätte völlig neue Eigentümer. Allerdings handelt es sich bei den angeblichen Investoren eben vor allem um rein wirtschaftliche Partner, die wohl keine kreativen oder Verwaltungs-technischen Verantwortungen übernehmen. Den Investoren geht es dabei vor allem um Wertsteigerung und Gewinn.
Trotzdem besteht gerade aufgrund der Beteiligung von Saudi-Arabien einiges an Skepsis. Das Land steht aufgrund zahlreicher Menschenrechtsverletzungen immer wieder in der Kritik und versucht gezielt durch Investitionen in Sport, Unterhaltung oder eben auch Gaming seinen Ruf aufzubessern – viele Kritiker sehen hier aber vor allem eine Strategie, um von den Notständen in dem Land abzulenken.
Wie die saudischen Expansionen in den Gaming-Bereich zu betrachten sind, könnt ihr unserer Reportage entnehmen, die wir oben verlinkt haben. Bereits jetzt hält Saudi-Arabien übrigens etwa zehn Prozent der Aktien von Electronic Arts.
Ebenfalls kritisch beäugt wird bei der Investmentgruppe die Beteiligung des Unternehmens Affinity Partners, das Jared Kushner gehört – dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.
Wie groß der Einfluss der Investoren letztendlich wäre, hängt davon ab, wie die Anteile an EA verteilt werden sollten. Falls es denn wirklich dazu kommt.
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