Schneller Stufenaufstieg, anspruchslose Gegner und Makro-Systeme prägen viele moderne Online-Rollenspiele, gerade sogenannte Asia-Grinder. Auch bei Aion 2 sorgt die vereinfachte Levelphase für Kritik.
Im Format GameStar Talk diskutierte Streamer Entenburg mit Moderatorin Lea und Redakteur Karsten Scholz von unserer Partnerseite Mein-MMO über Aion 2. Entenburg warnte dabei: Durch fehlenden Anspruch verlieren neue MMORPGs genau jene Faszination, die das Genre einst auszeichnete.
Der Trend zum automatisierten Spielen
Aion 2 sieht schick aus, bietet einen einfachen Einstieg und lässt sich sehr gut in kleinen Happen spielen. Damit einher geht der Umstand, dass die Leveling-Phase und der Story-Teil des Online-Rollenspiels eher anspruchslos gehalten ist. Dahinter steckt Methode: Spieler sollen rasch ins Endgame geführt werden, wo sie tägliche Aufgaben (Dailys) grinden und im Idealfall schließlich im Ingame-Shop Geld ausgeben.
Karsten Scholz: »Es ist darauf ausgelegt, dass du sehr viel Zeit reinsteckst, [...] aber in kurzen Zeitfenstern.« Das Problem daran: Wer sich nicht mehr mit seinen Fähigkeiten auseinandersetzen muss, erlebt das Geschehen rein passiv.
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Hier gibt's den kompletten Talk zu Aion 2 und weiteren aktuellen MMOs
Wie Entenburg zu Bedenken gibt, war das jedoch nicht immer so. Ihm zufolge wurde der Schwierigkeitsgrad von Aion 2 vor dem westlichen Release deutlich gesenkt. Die zuvor in Taiwan und Südkorea veröffentlichte Version verlangte den Spielenden ihm zufolge noch wesentlich mehr ab. Durch Makro-Systeme und einfache Kämpfe verläuft der Einstieg aber nun »wie auf Autopilot«, so Entenburg.
Der Twitch-Streamer sieht darin Mutlosigkeit der Entwickler und verweist auf Ähnlichkeiten zum kommenden Chrono Odyssey. Auch hier hätten die Entwickler nach dem jüngsten Playtest bereits den Schwierigkeitsgrad generft. Zuvor habe einer von Entenburgs Bekannten auf Stufe 1 bis 3 rund vier Stunden damit verbracht, einen frühen Bossgegner zu besiegen.
Der hart erkämpfte Erfolg schuf ihm zufolge eine sofortige Faszination mit dem Spiel. Entenburg plädiert daher für mehr Entwicklermut: »Das ist so schade, als würde man den Spielern nicht zutrauen, sich da reinzubeißen. So ist es wirklich belanglos.« Er hält das für den entscheidenden Punkt, der seiner Meinung nach auch bei Aion 2 verhindern würde, dass man sich »in das Franchise verliebt« und langfristig dranbleibt.
»Bitte, bitte mehr Mut dazu, Spielern etwas zuzutrauen! Das würde ich mir sehr wünschen«
Entenburg
Lohnt es sich, Aion 2 für die Story durchzuspielen?
Auch Talk-Moderatorin Lea Herfurtner vermisst beim Spielen von Aion 2 genau jene Schlüsselmomente, an die man sich noch Jahre später erinnert:
»Das ist super schade, weil auch die Story ein bisschen belanglos ist. Es ist alles gut gemacht, es sieht gut aus, es macht auch Spaß. Ich weiß nicht, ob es noch besser wird, aber es war bisher so, dass [...] ich mir am Ende dachte: ›Ja, war nett - und jetzt weiter.«
Das Fazit der drei ist klar: Man spiele Aion 2 nicht für die Story. Wenn Aufgaben keine Gefahr bergen, leidet auch das soziale Fundament des Genres, so Mein-MMO-Kollege Karsten Scholz: Schwere Gegner bilden demnach die größte Stärke von Online-Rollenspielen. Sie zwingen Spieler dazu, sich in Gruppen zusammenzufinden. Ohne echte Hürden schwinde der Anreiz für gemeinsames Spielen nahezu vollständig.
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