Auch wenn es niemand hört, wird im Weltall nach über 40 Jahren noch immer geschrien. Mit Romulus startete am 15. August 2024 der siebte Film der Alien-Reihe in den deutschen Kinos und dafür hat Kult-Regisseur Ridley Scott sogar jemand anderen ans Steuer gelassen.
In Ridley Scotts Fußstapfen tritt nun Fede Alvarez, der mit Filmen wie Don’t Breathe oder dem Evil-Dead-Reboot von 2013 bereits zahlreiche Horror-Fans für sich begeistern konnte. Doch mittlerweile lässt sich guten Gewissens sagen: Es gibt mehr Alien-Filme, die zu wünschen übrig lassen, als Alien-Filme, die rundum begeistern.
Während also Alien und Aliens über jeglichen Zweifel erhaben sind, fangen spätestens bei Alien 3 die Diskussionen an, die Prometheus oder Covenant definitiv nicht verstummen lassen. Romulus nimmt sich aber nicht nur an den besten Teilen des Franchises ein Beispiel, sondern gleich an allen!
Das klappt sogar überraschend gut, allerdings ist Romulus trotzdem kein perfekter Alien-Film. Denn dafür traut sich Fede Alvarez letztendlich doch zu wenig.
Um was geht es in Alien: Romulus?
Die Story: In der verregneten Minenkolonie Jackson fristet Rain (Cailee Spaeny) ein tristes Dasein. Für die Weyland Yutani Corporation haben sich bereits ihre Eltern zu Tode geschuftet und ihr blüht mit großer Wahrscheinlichkeit ein ähnliches Schicksal.
Trost spendet ihr lediglich Andy (David Jonsson) - ein Android, der von Weyland Yutani eigentlich verschrottet werden sollte. Andy wurde jedoch von Rains Vater dazu programmiert, sie zu schützen und mit schlechten Witzen bei Laune zu halten. Die beiden pflegen eine geschwisterliche Beziehung zueinander, die in ihrem Umfeld auf Misstrauen und Unbehagen stößt.
Doch ausgerechnet Andy könnte der Gruppe aus Rains (ehemaligen) Freunden die Gelegenheit bieten, ihrem Schicksal zu entkommen. Über dem Minenplaneten treibt eine zurückgelassene Forschungsstation der Weyland Yutani. An Bord: das Ticket auf einem Planeten, wo tatsächlich die Sonne scheint.
Schon der Titel des Films lässt keinen Zweifel daran, warum die besagte Forschungsstation zurückgelassen im All treibt. Hier hat (mindestens) ein Xenomorph gewütet. Wie genau es dort aussieht, zeigt euch der offizielle Trailer zu Alien: Romulus:
2:07
Der neue Trailer zu Alien: Romulus ist da und wirklich nichts für schwache Nerven
Für wen ist Alien: Romulus interessant?
Alien: Romulus ist eigentlich gleich für eine ganze Palette an Filmfans spannend. Wer Fede Alvarez kennt und für seine bisherige Arbeit schätzt, kommt um sein neuestes Werk definitiv nicht herum und damit auch auf seine Kosten.
Der Regisseur vereint den klaustrophobischen Horror aus Don’t Breathe mit der kompromisslosen Gewalt seines Evil-Dead-Reboots. Damit ist Romulus definitiv nichts für schwache Nerven, denn Alvarez kann gerade im allerletzten Akt all seine Stärken ausspielen.
Natürlich dürfen auch Alien-Fans guten Gewissens einen Blick riskieren. Immerhin will es schon etwas heißen, wenn Ridley Scott sein Xenomorph-Baby einem anderen Filmemacher überlässt. Romulus füllt dabei eine Lücke, von der Alien-Fans vielleicht gar nicht wussten, dass es sie gibt.
Die Story ist zwischen Alien und Aliens angesiedelt, während sogar Kniffe und Konzepte aufgegriffen und weitergeführt werden, die erst in den späteren Filmen eine Rolle spielten. Ja, auch Ideen aus den weniger beliebten Teilen und das wird unter Fans definitiv für Diskussionen sorgen.
Wer mit dem unheimlichen Wesen aus einer fremden Welt bisher gar nichts am Hut hatte, sollte es sich wiederum zweimal überlegen, ausgerechnet mit Romulus einzusteigen. Denn der Film strotzt geradezu vor Querverweisen aus der gesamten Reihe, die für aufploppende Fragezeichen über den Köpfen von Laien sorgen dürften.
Außerdem bedient sich Romulus so sehr an Konzepten aus den sechs vorangegangenen Teilen des Franchises, dass damit sogar Überraschungen daraus vorweggenommen werden. Damit lässt sich Romulus interessierten Alien-Noobs jedoch nur bedingt empfehlen.
Stärken und Schwächen von Alien: Romulus
Was uns an Alien: Romulus gefallen hat
- Effekte, Action und das Setdesign: Wie viel Romulus gekostet hat, ist aktuell nicht bekannt. Entweder war der Film verdammt teuer oder Fede Alvarez weiß einfach, wie er sein Budget einzusetzen hat. Von der Inszenierung fremder Welten, verlassener Raumstationen und wunderschön-widerlichen Kreaturen können sich neue Star-Wars-Produktionen eine ordentliche Scheibe abschneiden. Romulus versprüht von Anfang bis Ende das Gefühl eines AAA-Blockbusters (mit ein paar wenigen Ausnahmen) und ist allein für seine Schauwerte einen Kinobesuch wert.
- Andy, der Android: Obwohl Andy gar kein echter Mensch ist, ist er eigentlich die menschlichste und damit interessanteste Figur des gesamten Films. Seine Charakterentwicklung ist gerade in Anbetracht der aktuellen KI-Entwicklung faszinierend, die dank David Jonssons starker Performance auch über den Kinobesuch hinaus einen bleibenden Eindruck hinterlässt. (Da hat sich offenbar jemand Ridley Scotts Ratschlag zu Herzen genommen.) Dabei gehen schlechte Wortwitze Hand in Hand mit der Gretchenfrage, was es überhaupt bedeutet, menschlich zu sein und inwiefern ein Android wirklich zur Familie zählen kann.
Was uns an Alien: Romulus nicht gefallen hat
- Die
Freunde
: Romulus beschränkt sich auf eine kleine Gruppe von Protagonisten, die den Xenomorphs zum Fraß vorgeworfen werden. Man könnte meinen, dass die überschaubare Anzahl an Figuren deren Charakterisierung zugutekommt - doch falsch gedacht. Alien lässt nicht nur Rains Freunde zu kurz kommen, sondern sogar die Heldin des Films höchstpersönlich. Damit fällt es schwer, mit so richtig mit den Jugendlichen mitzufiebern, deren Namen bereits vor dem Verlassen des Kinos wieder vergessen sind. Das hat Fede Alvarez in vorangegangenen Filmen wesentlich besser hinbekommen und über den Umstand kann das starke Schauspiel nicht hinwegtrösten. - Zu viel, zu sicher: Romulus wirkt wie ein Neuaufguss des allerersten Alien von 1979 gesprenkelt mit Ideen und Kniffen aus Aliens, Alien 3, Alien 4 und Alien: Covenant. Das dürften Veteranen und Liebhaber des Franchises durchaus zu schätzen wissen, doch uns hat der Film damit teilweise sogar gelangweilt. Richtige Spannung kommt trotz der grandiosen Atmosphäre erst im atemberaubenden dritten Akt auf, auch wenn hier nur bedingt etwas wirklich Neues erzählt wird. Zumindest visuell und inszenatorisch tastet sich Romulus dort in neue Richtungen, aber insgesamt wandelt der Film viel zu sehr auf altbekannten,
sicheren
Pfaden.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.