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Seite 4: Anno 117 hat eine praktische Stempel-Funktion – und die alten Römer haben sie beim Städtebau fast genauso genutzt

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Festina lente

Solch eine Entwicklung nahmen Siedlungen gleichwohl nicht über Nacht. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut und uns erfahrenen Anno-Imperatoren macht da sowieso keiner was vor. Wir wissen nämlich: So große Bauvorhaben brauchen viel Geduld, eine große Geldbörse und jede Menge Ressourcen. Meistens wertvolle, von ganz weit weg und mit maximal komplizierter Wertschöpfungskette.

Schon ein mittelgroßes Amphitheater verschlang während des Baus zehntausende Tonnen an Stein. Andere Bauwerke benötigten haufenweise Marmor, der erstmal aus allen Ecken des Reichs herangekarrt und dann prä­zise zugeschnitten werden musste.

Timgad im heutigen Algerien gilt als Musterbeispiel einer Stadt nach Castra-Bauplan. Viel steht heute nicht mehr, das zentrale Forum und das rechtwinklige Straßennetz sind aber noch gut zu erkennen. (Bild: Adobe Stock) Timgad im heutigen Algerien gilt als Musterbeispiel einer Stadt nach Castra-Bauplan. Viel steht heute nicht mehr, das zentrale Forum und das rechtwinklige Straßennetz sind aber noch gut zu erkennen. (Bild: Adobe Stock)

Deshalb halten wir es wie Kaiser Augustus: »Festina lente«. Eile mit Weile. Historisch gesehen entstanden solche Prestigeprojekte, genau wie im Spiel, eben auch erst dann, wenn eine Stadt genug Wohlstand, politischen Rang und gut gesicherten Zugang zu den benötigten Ressourcen hatte. Man wollte schließlich nicht, dass eine frisch eingerichtete Transportroute für dringend benötigte Waren bei nächster Gelegenheit von irgendwelchen Wilden geplündert wird.

Das Amphitheater in Pompeji bot gerade einmal Platz für 5.000 Zuschauer. Zum Vergleich: In das Kolosseum in Rom passten wohl ca. 65.000 Menschen. (Foto: Wdwdbot, Wikipedia) Das Amphitheater in Pompeji bot gerade einmal Platz für 5.000 Zuschauer. Zum Vergleich: In das Kolosseum in Rom passten wohl ca. 65.000 Menschen. (Foto: Wdwdbot, Wikipedia)

Selbst das große Rom konnte sein gewaltiges Pantheon beispielsweise erst errichten, als das Imperium stabil und wohlhabend genug war. Der riesige Kuppelbau erforderte enorme Mengen an Beton, Marmor und Know-how. Und auch Trier bekam seine berühmten Kaiserthermen erst im späten 2. Jahrhundert.

Es ist also durchaus realistisch, dass es auch in Anno 117 etwas dauert, bis aus eurer bescheidenen Colonia eine Vorzeigestadt mit imperialen Ambitionen wird. Typisch römisch ist euer kleines Fleckchen Latium aber dank vieler historisch korrekter Details von Anfang an. In diesem Sinne: Festina lente und Finger weg von unserem Marmor!

Woher kam das weiße Gold?

Marmor war das weiße Gold Roms. Doch hinter den weißen Tempeln, den makellosen Säulen und den glatt polierten Böden steckte ein logistischer Kraftakt. Denn wie wir im Spiel, fanden auch römische Statthalter das, was sie für ihre Prachtbauten am dringendsten brauchten, selten direkt vor der Haustür. Woher kam also der ganze Marmor?

Wenn wir heute »Ui schau, Marmor« sagen, meinen wir höchstwahrscheinlich den aus Carrara. Ein strahlend weißer Stein aus der Toskana, der von den Römern passenderweise »Luna« (Mond) genannt wurde und zur Verzierung der meisten öffentlichen Gebäude zum Einsatz kam. Beispielsweise sind viele Innenverkleidungen, Säulenbasen und dekorative Elemente des Pantheons in Rom mit Luna-Marmor gebaut.

Carrara-Marmor aus der Toskana: bleiebter Baustoff für öffentliche Gebäude. (Foto: Imehling, Wikipedia) Carrara-Marmor aus der Toskana: bleiebter Baustoff für öffentliche Gebäude. (Foto: Imehling, Wikipedia)

Für etwas Abwechslung in der Farbpalette sorgte gelber Numidischer Marmor aus Nordafrika, grüner Thessalischer und violett geäderter Pavonazzetto Marmor aus Kleinasien (in der heutigen Türkei). Roter Porphyr wurde ausschließlich im Mons Porphyrites abgebaut, einem Steinbruch in der östlichen Wüstenregion Ägyptens, und war wegen seiner Seltenheit kaiser­lichen Bauten vorbehalten, etwa dem Forum des Trajan.

Waren die riesigen Steinblöcke erst einmal aus dem Fels geschlagen, wurden sie mit Schiffen über das Mittelmeer transportiert, ehe sie auf Flöße verladen und den Tiber hinauf zu speziellen Marmorhäfen gebracht wurden. Von dort zogen Ochsenkarren die tonnenschweren Brocken zu Baustellen in der gesamten Provinz, wo sie von Handwerkern in Form gebracht wurden.

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