Momentum mal, Tabernae?
Im antiken Rom stand der Begriff noch für so ziemlich alles, was aus einem kleinen Büdchen heraus betrieben werden konnte. Von Lagerräumen, kleinen Krämerläden, Werkstätten oder eben kleinen Imbissbuden, aus denen sich später die »Taverne« als Synonym für ein schnuckeliges Gasthaus entwickelte.
Damit Besucher dort immer genug zu bummeln und zu knuspern hatten, schufteten Bauern vor den Stadtgrenzen auf Feldern und Weiden und stellten die Grundversorgung in der Region sicher. An sie sind auch die unteren Bevölkerungsschichten in Anno 117 angelehnt, die für unsere Stadt genau wie in der echten Antike fleißig Hafer, Oliven und Kleidung produzieren.
Die knuffigen kleinen Steinhäuschen, in denen unsere Liberti wohnen, sind allerdings eine kreative Freiheit der Entwickler. Die gab es zwar wirklich, allerdings vor allem in ländlichen Regionen, außerhalb der Städte.
Ein Stadtbild der Gegensätze
Über die Jahrzehnte entwickelten sich die anfangs einfachen Siedlungen schließlich dank des wachsenden Wohlstands Roms und dem damit einhergehenden Zugang zu neuen Baumaterialien und Wirtschaftsgütern immer weiter. Im Anno-Sprech würde man sagen, eine neue Bevölkerungsstufe wurde freigeschaltet.
Selbstverständlich inklusive anspruchsvoller Wünsche nach mehr Wohnraum, neuen öffentlichen Gebäuden, für die eigentlich gar kein Platz ist (aarrgh!) und dem Zugang zu seltenen Luxuswaren. Und so erging es den Statthaltern der echten Antike auch nicht anders als uns beim Anno-Spielen.
Die engen Straßenschluchten mit ihren hochgebauten Ziegeldächern wurden nach und nach mit imposanten Kalkstein- und Marmorbauten aufgebrochen. Für den einfachen Römer müssen diese mächtigen Bauwerke mit ihren hohen Gewölben, kunstvollen Arkaden und grellweiß strahlenden Steinfassaden wie Paläste ausgesehen haben.
Kleinere Bäder und Basiliken mit Kuppeln und Portiken, die geschwungenen Bogenbrücken der Aquädukte und die ringförmigen Amphitheater am Stadtrand vollendeten über die Jahrzehnte ein Stadtbild der Gegensätze, das zwar von ständiger Veränderung geprägt war, im Kern aber immer noch unübersehbar auf der klassischen Castra-Struktur basierte.
Antike Special Effects
Römische Architektur war immer auch ein Akt der Selbstinszenierung, besonders bei öffentlichen Großbauten mit ihren aufwendigen Dekorationen aus Marmor, Stuck und Gold. Die super subtile Botschaft? Rom ist mächtig, Rom ist wohlhabend und Rom baut sich die Welt, wie sie Rom gefällt. Doch Prunk kostet. Und wo Geld, Platz oder Material fehlten, halfen clevere Tricks aus Farbe, Licht und Perspektive.
In den Villen von Pompeji beispielsweise täuschten Wandmalereien ganze Gebäudeteile und Panoramen vor, die es gar nicht gab. Hinter Säulenhallen lagen gemalte Gärten, hinter Fensterrahmen blickte man auf falsche Meere und erfundene Treppenaufgänge. Die Architekten spielten dabei so geschickt mit Licht und Schatten und ließen gemalte Kanten millimetergenau mit echten Mauern zusammenfallen, dass die Gebäude auf den ersten Blick tatsächlich viel größer wirkten, als sie eigentlich waren.
Auch in Rom selbst gibt es zahlreiche Beispiele für diese sogenannte Scheinarchitektur. In den Palästen auf dem Palatin etwa wurden am Ende eines Ganges etwas schmalere Säulen und dunklere Wandfarbe verwendet, um zusätzliche Tiefe vorzutäuschen und Korridore länger wirken zu lassen. In Kuppelräumen spielten geometrische Muster und Schatteneffekte mit unserem Auge, sodass die Wölbung des Daches tiefer und die Decke höher wirkte. Die einen nennen es Verarsche, andere Special Effects.
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