Ashes of Creation war Anfang des Jahres das große Aufregerthema in der MMO-Community. Denn das Online-Rollenspiel vom amerikanischen Entwickler Intrepid Studio wurde Ende Januar unter ziemlich spektakulären Umständen eingestellt.
Kurz nachdem das bereits seit zehn Jahren in Entwicklung befindliche Spiel Ende 2025 endlich in den Early Access gestartet war, trat im Januar plötzlich Studiochef Steven Sharif von seinem Posten zurück. Die gesamte Belegschaft des Studios wurde kurze Zeit später entlassen, ohne ihr letztes Gehalt erhalten zu haben; das Spiel wurde mittlerweile von Steam entfernt.
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So brutal ist ein Spiel noch nie gestorben: der Fall Ashes of Creation.
Aufgrund anhaltender rechtlicher Auseinandersetzungen gibt es bisher nur wenige gesicherte Informationen rund um das Ende von Ashes of Creation. Fakt ist aber wohl, dass die Entwicklung des Spiels entgegen früherer Versprechen Sharifs nicht nur mit dem Geld der Kickstarter-Unterstützer, sondern auch privater Investoren finanziert wurde.
Und genau die fühlten sich nach dem holprigen Early-Access-Start des Spiels offenbar von Sharif getäuscht und waren nicht mehr willens, weiterhin in Ashes of Creation zu investieren. Ein Gläubiger-Konsortium wollte dem Intrepid-Gründer die Kontrolle über das Studio entziehen und die Arbeiten an dem MMO auf die preisgünstigeren Philippinen auslagern.
Nun streiten sich beide Parteien um die Rechte an dem Spiel; mehrere Mitarbeiter klagen zudem auf ausstehende Gehälter. Einer der Investoren, Jason Caramanis, wirft Ex-CEO Sharif zudem vor, sich mit den für die Entwicklung von Ashes of Creation bestimmten Geldern selbst bereichert zu haben.
YouTuber erhebt schwere Vorwürfe
Der bekannte MMO-Analyst und YouTuber NefasQS will nun neue Beweise für ein Fehlverhalten Sharifs gefunden haben. In einem rund 22-minütigen Video berichtet der YouTuber, Einblick in die gesamte Buchhaltung von Intrepid Studios aus den Jahren von 2015 bis 2026 erhalten zu haben.
Daraus gehe angeblich hervor, dass der ehemalige Intrepid-Chef Firmengelder zum eigenen Vorteil veruntreut habe - unter anderem für einen Privatkoch, Zigarren und Sammelkarten. Insgesamt kommt NefasQS bei seiner Analyse der Buchhaltungsdaten auf eine Summe von über 12 Millionen Dollar, die mutmaßlich von den Konten von Intrepid Studios abgezogen wurde und nicht vollständig belegt sei.
Darunter seien unter anderem über 700 Dollar, die für Fortnite ausgegeben wurden, rund 42.000 Dollar für Auktionen von historischen Kuriositäten, sowie Zahlungen in Höhe von mehreren Zehntausend Dollar an verschiedene Sammelkarten- und Figuren-Shops. Außerdem auffällig sei eine Zahlung von über 80.000 Dollar an die Eigentümer der Villa, in der Firmengründer Sharif und sein Ehemann John Moore lebten.
Link zum YouTube-Inhalt
Für Aufsehen sorgt auch die Verpflichtung eines angeblichen Privatkochs, die NefasQS mit den Berichten ehemaliger Intrepid-Angestellter zu belegen versucht: Laut verschiedenen Mitarbeitern wurde ein Privatkoch für das Unternehmen engagiert, aber sie haben den Koch nie am Arbeitsplatz gesehen; der Koch kochte nur für John und Steven in deren Haus. Den Mitarbeitern wurde stattdessen versprochen, dass der Koch in Zukunft für sie kochen würde, oder dass der Koch aufgrund eines Genehmigungsproblems mit der gewerblichen Küche nicht am Arbeitsplatz kochen könne.
Zwar hat NefasQS online eine Google-Tabelle mit den angeblichen Ausgaben des Studios zur Verfügung gestellt und seine Recherche eigenen Aussagen zufolge von ehemaligen Mitarbeitern verifizieren lassen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Authentizität des Dokuments und der generelle Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen von NefasQS und Investor Jason Caramanis zum aktuellen Zeitpunkt allerdings nicht.
Ehemaliger Studiochef bestreitet die Vorwürfe
Gegenüber dem amerikanischen Gamingportal Kotaku hat sich der ehemalige Intrepid-Chef mittlerweile selbst zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen geäußert und diese als verleumderisch kritisiert. Sharif schreibt:
NefasQS wurden von Personen mit eigenen Interessen falsche und diffamierende Informationen zugespielt, um diesen Streit neben unserer bereits vor einem Bundesgericht anhängigen Klage auch in der Öffentlichkeit auszutragen. Anstatt diese Behauptungen zu überprüfen, hat er sich dafür entschieden, sie zu wiederholen, und fungiert damit als Sprachrohr für eine Darstellung, die Klicks und Aufrufe generiert.
[...] Zu den allgemeineren Behauptungen:
- Es gab keinerlei Veruntreuung von Kickstarter-Geldern.
- Das Projekt wurde über viele Jahre hinweg durch eine Kombination verschiedener Quellen finanziert, darunter auch erhebliches persönliches Kapital.
- Behauptungen bezüglich eines „aufwendigen Lebensstils“ oder der persönlichen Veruntreuung von Unternehmensgeldern sind kategorisch falsch.
Eine Prüfung der Fakten im Rahmen des Gerichtsverfahrens hat bereits ergeben, dass die hinter diesen Behauptungen stehenden Parteien eine rechtswidrige Zwangsvollstreckung inszeniert haben, um den Entwicklern von Ashes of Creation die Kontrolle über die Vermögenswerte von Intrepid zu entziehen, mit der Absicht, diese Vermögenswerte zu ihrem eigenen Vorteil auszubeuten.
Dabei wurden Hunderte von Entwicklern ohne Vorankündigung, ohne Lohn und ohne Sozialleistungen entlassen, was gegen geltendes Recht verstößt. Diese Angelegenheiten werden im Rahmen des Gerichtsverfahrens geklärt. Wir werden demnächst vor Gericht weitere Unterlagen einreichen, die die Beweislage darlegen und die Art und Absicht des Verhaltens, das zur Zerstörung von Intrepid geführt hat, weiter untermauern.
Auch der Wahrheitsgehalt von Sharifs Aussagen lässt sich aktuell nicht unabhängig prüfen. Da die meisten der ehemaligen Intrepid-Beschäftigten einer Verschwiegenheitserklärung unterliegen und im Zusammenhang mit der Studioschließung noch mehrere Gerichtsverfahren anhängig sind, dürfte es noch eine Weile dauern, bis die Umstände der Einstellung von Ashes of Creation abschließend geklärt sind. In der obigen Linkbox findet ihr derweil alle weiteren Infos zum unrühmlichen Ende des Spiels.
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