Inzwischen ist klar: Assassin's Creed Black Flag Resynced ist ein großer Erfolg (trotz diesem sperrigen Titel). Wie Ubisoft selbst meldete, wurde die Neuauflage schon am Releasetag zwei Millionen Mal verkauft. Nach einer Woche erreichte das Spiel drei Millionen verkaufte Einheiten. Die Bewertungen auf Metacritic und Steam fallen außerdem überwiegend positiv aus.
Gute Argumente also für Ubisoft, sich über weitere Remakes Gedanken zu machen. Schon vor dem Release von Black Flag Resynced gab es offenbar schon Pläne, laut dem bekannten Insider Tom Henderson nahm Ubisoft ältere Teile der Spielereihe ins Visier. Laut einem weiteren Insider ging es konkret um das erste Asssassin's Creed. Bestätigt ist zwar noch nichts, doch gerade nach dem Erfolg von Resynced wird das nächste Remake immer wahrscheinlicher.
Das sind für mich ersteinmal gute Nachrichten: Dass ich den ersten Teil der Reihe gespielt habe, ist nun wahrscheinlich schon 15 Jahre her und besonders gut gealtert ist Assassin's Creed (von 2007!) in dieser Zeit nicht. Gerne würde ich eine modernisierte Version davon sehen. Doch nachdem ich Black Flag Resynced gespielt habe, befürchte ich, dass Ubisoft beim Remake von Teil eins einen gravierenden Story-Fehler begeht.
Eine andere Welt
In Black Flag Resynced bleibt die Story von Edward Kenway weitgehend unangetastet. Ubisoft erlaubt sich lediglich hier und da einige Ergänzungen, neue Zwischensequenzen und Quests. Kein Wunder, Black Flag gilt schließlich bis heute als eines der besten Spiele der Reihe. Edwards Reise vom jungen, egoistischen Freibeuter zum Meisterassassinen war damals etwas erfrischend Neues nach den Vollblut-Assassinen Altair, Ezio und Connor. Kein Wunder, dass Black Flag auch in unserem Ranking sehr weit oben steht:
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Deutlich änderungsfreudiger war Ubisoft dann aber bei der Gegenwartsstory von Black Flag. In Resynced wurde die nämlich einfach komplett gestrichen: Keine Juno mehr, keine Gespräche mit Rebecca und Shaun, kein heimliches Herumschleichen in Abstergo-Büros. Stattdessen gibt es vier versteckte, traumartige Sequenzen, sowie Texte und Audioaufnahmen, die eine Art Gegenwartsgeschichte bilden. Ubisoft knüpft hier an Erzählstränge an, die schon in Assassin's Creed Shadows begonnen wurden.
Persönlich finde ich das schade, ich habe die Gegenwarts-Sequenzen im originalen Black Flag sehr gerne gespielt. Doch ich kann die Entscheidung der Entwickler auch verstehen, denn im Original endete deren Geschichte abrupt und wurde in den Spielen nie fertig erzählt. Erst in einem Comic gab es die Auflösung. Nach den vielen Neustarts für die Gegenwarts-Erzählung will Ubisoft jetzt vielleicht endlich mal bei einer Story bleiben und sie auch in den nächsten Remakes weiter erzählen.
Das funktioniert nicht nochmal
Für Black Flag Resynced war das Streichen der Gegenwarts-Passagen also eine passable Lösung, auch weil die ja längst nicht bei allen Fans beliebt waren. Sollte Ubisoft aber ein Remake des ersten Assassin's Creed wagen, lässt sich dieser Trick nicht wiederholen!
Die ersten Assassin's-Creed-Spiele erzählen nun mal die Geschichte von Altair, Ezio und Desmond. Auch der Barkeeper und Assassine wider Willen ist ein Protagonist der Serie. Gerade in Teil eins sind die Gegenwartsabschnitte untrennbar mit der ganzen Story verbunden, während sie in Black Flag vergleichsweise vernachlässigbar waren.
Und seien wir mal ehrlich: Die Erzählung rund um Altair, Maysaf und Al Mualim war im Vergleich zu den meisten anderen Spielen der Reihe nicht besonders aufregend, sondern beschränkte sich zu großen Teilen auf eine Liste von Attentatszielen. Ohne den Auftakt und das Finale der Gegenwart würde die Story gar nicht so viel hergeben.
Mein Wunsch ist daher klar: Ubisoft muss auf jeden Fall die Gegenwarts-Story behalten, wenn sie das erste Assassin's Creed neu auflegen. Eigentlich bräuchte das Remake aber noch mehr Liebe: Hier wäre erst recht Platz für eine schönere Story-Präsentation, neue und erweiterte Quests und vielleicht sogar ein neues Gegenwarts-Ende, dass sich nicht wie ein enttäuschender Cliffhanger anfühlt.
Eins ist klar: Bei einem Remake des ersten Assassin's Creed stehen die Entwickler vor einer viel schwierigeren Aufgabe als bei Black Flag, wo auch schon schicke neue Grafik und kleinere Verbesserungen gereicht hätten. Hier geht es um ein Spiel, das heute spielerisch, grafisch und erzählerisch nicht mehr mit seinen Nachfolgern mithalten kann.
Wenn Ubisoft nicht ungleich mehr Arbeit in ein solches Remake steckt, wird es mit Black Flag Resynced nicht mithalten können. Ich hoffe sehr, dass der altehrwürdige Urvater der Spielereihe ein würdiges zweites Leben bekommt.

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