Ich nehme euch mal mit hinter den Kulissen, denn falls ihr denkt, hier in der Redaktion herrscht Frieden, dann weit gefehlt! Letztens stehe ich an meinem Lieblingsort - der Kaffeemaschine - und bereite mich auf einen Livestream vor. Thema: Kann Ubisoft einen Weg aus der Krise finden? Es geht um Assassin's Creed, die Zukunft der Open Worlds, um künftige Service Games und jahrelanges Fehlmanagement.
Da stehe ich also ganz unschuldig an der Kaffeemaschine, meine Gesprächspartner Micha und Annika studieren derweil ein paar Meter abseits ihre Tablets mit Notizen, wie wir Profis es eben machen, wenn wir unser iPad nicht zuhause vergessen haben. Ähem. Wir kommen ins Gespräch, es fängt ganz harmlos und nett an, doch dann ...!
Ich sage: Assassin's Creed Mirage zurück zu den Wurzeln? Schön und gut, aber warum zeigen mir die Trailer denn kein echtes Parkour-Gameplay, nur dieses geskriptete Rumhüpfen an Balken und Brettern und Trittsteinen? Hm?
Und die beiden zucken mit den Schultern und entgegen: Tun sie doch.
Tun sie doch. Eine Entgegnung wie Donnerhall, mein Gesicht war stundenlang vor Zorn gerötet, könnt ihr hier sehen:
1:23:02
Können Star Wars und Avatar Ubisoft noch retten?
Okay, vielleicht hat es gar keinen Konflikt gegeben, weil Annika und Micha eh super sind und vielleicht ist mein Gesicht bloß wegen der Hitze rot, aber: Der Dialog hat wirklich stattgefunden. Und er führt mir vor Augen, dass ich mir wieder mehr Mühe geben muss, mein Plädoyer für das perfekte Assassin's Creed auf den Punkt zu bringen.
Denn ich weiß, was die beiden meinen. Wenn ihr euch den Trailer von Assassin's Creed Mirage anschaut, dann seht ihr bei Minute 5:12, wie Assassine Basim einen Turm erklimmt - und generell schwingt er sich von Balken zu Balken wie ein echter Akrobat:
7:51
Assassin's Creed Mirage zeigt euch im neuen Trailer satte acht Minuten reines Gameplay
Das sieht alles aus wie früher, aber Aussehen ist nicht alles! Parkour war früher in Assassin's Creed weit mehr als Jo, dann kletter ich halt da rauf
, Parkour war ein echter Ausdruck meiner Kreativität als Spieler! Natürlich gab's auch früher schon günstig platzierte Bretter und Trittstufen, um mich schnell über Balkon und Querbalken an Häuserfassaden hochzubewegen, aber früher waren die bloß ein Eröffnungsmoment für das eigentliche Parkour-Gameplay. In diesem kleinen Video hier seht ihr genau, was ich meine:
Link zum YouTube-Inhalt
Natürlich wirkt Assassin's Creed 2 nach 15 Jahren nicht mehr so beeindruckend wie damals - gerade die Animationen stinken gegen Assassin's Creed Unity ab -, aber was ich damals schon so klasse fand: Parkour hatte Tiefe. Ich muss eben nicht vom Balkon an den Blumentopf und vom Blumentopf um die Ecke auf den Querbalken schwingen, wie die Entwickler es mir als idealen Pfad ebnen, sondern kann per Wandlauf und Absprung die normalen
Routen aufbrechen. Um dieses Parkour-System hat sich sogar eine eigene Hardcore-Szene an Enthusiasten gebildet, die in Assassin's Creed erstaunliche Manöver hinlegen.
Die eigentliche Philosophie von Parkour
Es hat so einen Spaß gemacht, in älteren Assassin's Creeds Routen so clever zu wählen, dass ich möglichst wenig Zeit mit Hängen an Vorsprüngen oder Wänden verschwende und stattdessen wirklich an Häusern hochlaufe. Mechaniken wie das manuelle Greifen oder der Wandsprung sind über die Jahre verschwunden, dabei entsprach Assassin's Creed früher punktgenau der eigentlichen Parkour-Philosophie!
David Belle und Co. haben die Sportart ja nicht erfunden, damit ich einen vorgefertigten Pfad von A nach B entlanglaufe, selbst wenn der über eine Häuserschlucht führt. Parkour heißt: Einen eigenen, unkonventionellen, möglichst schnellen Weg finden, der auf das pfeift, was Städtebauer mir als Idealpfad geben. Ich nehme also nicht die Treppe aus dem Büro, sondern lasse mich Stockwerk für Stockwerk die Fenstersimse runterfallen - nur als Beispiel von meinem täglichen Nachhauseweg.
Ich will auch in Assassin's Creed auf das pfeifen, was mir die Entwickler als Idealweg vorgeben. Aber je weniger Werkzeuge ich habe, desto seltener klappt das. Natürlich werde ich in Mirage noch immer auf Häuser kraxeln und mich auf Wachen runterfallen lassen können. Aber mit dem restriktiven Technikgerüst eines Valhalla sehe ich hier keine echte kreative Freiheit in der Bewegung. Parkour heißt nicht Ich laufe über Dächer
, Parkour heißt Ich finde meine eigenen Regeln fürs Manövrieren
.
Seit Asssassin's Creed Origins von 2017 hopsen Bayek, Kassandra und Eivor schwerfällig von Dach zu Dach, können ohnehin an jeder Oberfläche hochklettern, es fehlt jeder kreative Ausdruck meinerseits. In diesen Assassin's Creeds ist das noch verständlich, weil es eben um weite, ausufernde Landschaften geht und nicht um urbanes Dächerklettern, doch in Mirage wünsche ich mir das so sehr zurück.
Ihr auch?
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