Seit Videospiele grafisch imstande sind, die reale Welt einigermaßen realitätsgetreu nachzubilden, versuchen Entwickler, virtuelle Ebenbilder echter Orte zu schaffen. Auch die Assassin's-Creed-Reihe mit ihrem Fokus auf historischen Szenarien hat sich immer wieder an realen Schauplätzen versucht.
Mit einem wohligen Schauer erinnern wir uns etwa an unsere ersten Ausflüge nach Florenz in Assassin's Creed 2, den Blick auf die Pyramiden von Gizeh in Assassin's Creed Origins oder den ersten Todessprung von der Kathedrale Notre Dame in AC Unity.
1:55
Assassin's Creed Shadows nimmt euch im neuen Trailer mit ins malerische alte Japan
In Assassin's Creed Shadows, dem neuesten Serien-Ableger, verschlägt es uns ins feudale Japan der Sengoku-Zeit. Im Jahr 1580 ist das Land vom Bürgerkrieg gezeichnet. Mächtige Feldherren kämpfen gegeneinander um Macht und Einfluss; überall sprießen deswegen Burgen und Festungen förmlich aus dem Boden. Viele Tempel werden dagegen niedergebrannt.
Unser Autor Jesko hat während des Studiums in Japan gelebt und kann euch berichten, wie es heute um die historischen Stätten bestellt ist, die ihr in Shadows zu sehen bekommt. Er stellt euch zwölf Orte aus dem Spiel vor und zeigt euch, wie es dort aktuell aussieht.
Schnellnavigation
- Burg Osaka
- Sakai: Daisenryo-Kofun
- Kyoto: Kinkaku-ji
- Kyoto: Ginkaku-ji
- Kyoto: Kiyomizu-dera
- Uji: Byodo-in
- Die Pagode des Kumano-Nachi-Schreins
- Burg Azuchi
- Burg Himeji
- Nara: Der Todai-Tempel
- Nara: Kasuga-Schrein
- Der Friedhof auf dem Koya-san
Wo spielt Shadows überhaupt?
Die Karte von Assassin's Creed Shadows bildet das Kansai-Gebiet in Zentraljapan ab. Sie umfasst die mittelalterlichen Provinzen Tamba, Harima, Wakasa, Omi, Yamashiro, Settsu, Iga, Yamato und Kii. Da diese Gegend die Keimzelle des japanischen Staatswesens und seines Kaiserhofs darstellt, wird das Kansai-Gebiet auch als die Wiege der japanischen Kultur bezeichnet.
Zur Zeit von Assassin's Creed Shadows spielten sich beinahe alle wichtigen politischen Ereignisse in dieser Region ab. Tokyo wurde erst im Jahr 1869 zur japanischen Hauptstadt.
Burg Osaka
Die Burg von Osaka ist eine der zentralen Sehenswürdigkeiten Japans und fehlt in keinem Reiseführer. Entsprechend lang sind auch die Touristenschlangen dort. Erbaut wurde die Burg auf den Ruinen des ehemaligen Klosters Ishiyama Hongan-ji, dessen Mönche dem Feldherren Oda Nobunaga lästig geworden waren.
Nachdem er die Mönche 1580 bezwungen hatten, wurde der Tempel niedergebrannt und Odas treuer General Toyotomi Hideyoshi errichtete am selben Standort eine prächtige Festung. Entsprechend erleben wir die Festung in Assassin's Creed Shadows mitten im Bau. Zudem erstrahlt die Burg im Spiel in ihrem ursprünglichen, hölzernen Glanz. Die heutige Stahlbeton-Variante stammt aus dem Jahr 1931.
Sakai: Daisenryo Kofun
Das schlüssellochförmige Daisenryo-Kofun ist ein gigantisches Hügelgrab in der Nähe von Osaka. Im japanischen Altertum war es üblich, verstorbene Kaiser in solchen Tumuli zu bestatten, die von einem oder mehreren breiten Wassergräben umgeben wurden. Auf den Hängen und Plattformen wurden Haniwa genannte Tonfiguren platziert, die Soldaten, Pferde oder andere zeitgenössische Objekte darstellten.
Die Epoche von 300 bis 530 n. Chr wird in der japanischen Geschichte nach diesen Hügelgräbern auch Kofun-Zeit genannt. Mit der Einführung des Buddhismus in Japan verschwanden sie.
Im größten dieser Hügelgräber, das wir auch in Assassin's Creed Shadows besichtigen können, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit der 16. japanische Kaiser Nintoku (313–399 n. Chr.) begraben. Betreten ist in der Realität entsprechend strengstens verboten.
Kyoto: Tempel des Goldenen Pavillons
Über 1.000 Jahre lang, nämlich von 794 bis 1868, diente Kyoto als Sitz des kaiserlichen Hofes und war somit Mittelpunkt des japanischen Reiches. Zwar hatten die Kaiser nur im Altertum tatsächlich weltliche Macht, doch die Anwesenheit des Hofstaats machte Kyoto zu einem Zentrum von Kunst und Kultur. Im Gegensatz zu den modernen Metropolen Tokyo oder Osaka haben sich dort viele traditionelle Gebäude erhalten.
Der Kinkaku-ji (Tempel des Goldenen Pavillons) ist eines der markantesten Gebäude der altehrwürdigen Kaiserstadt. Erbaut im Jahr 1397 als Ausdruck der Pracht des Ashikaga-Shogunats wurde das ehemalige Palastgelände bald in einen Zen-Tempel umgewandelt.
Heute zählt der mit Blattgold verkleidete Pavillon zu den zentralen Sehenswürdigkeiten Kyotos und wird in jedem Reiseführer erwähnt; entsprechend voll ist es dort. Busladungen von Schulklassen und Touristen ergießen sich über die schmalen Pfade des Gartens und machen es schwer, die Schönheit des Pavillons angemessen zu würdigen - geschweige denn ein vernünftiges Foto zu machen.
Kyoto: Tempel des Silbernen Pavillons
Im Gegensatz zum Goldenen Pavillon ist sein Namensvetter nicht wirklich versilbert. Der Ginkaku-ji, beziehungsweise Tempel des Silbernen Pavillons wurde 1482 von Shogun Ashikaga Yoshimasa erbaut, um ihm als Altersruhesitz zu dienen.
Aus den Regierungsgeschäften hielt sich Yoshimasa weitestgehend heraus - sein Interesse galt den schönen Künsten. Allerdings schwächte sein Desinteresse an der Politik die Macht der Zentralregierung. Während Yoshimasas Regentschaft brach 1467 der Ōnin-Krieg aus; ein Bürgerkrieg, der über 100 Jahre andauern sollte und schließlich in die Ereignisse von Assassin's Creed Shadows mündete.
Kyoto: Kiyomizu-dera
Der Tempel des reinen Wassers (japanisch: Kiyomizu-dera) wurde im Jahr 778 gegründet und schmiegt sich an die Hänge der Higashiyama-Hügel im Osten von Kyoto. Am bekanntesten ist der Tempel für seine mächtige Haupthalle, deren ausladender Balkon eine gute Aussicht über Kyoto bietet. Die auf Stützen ruhende Halle gilt als Meisterwerk traditioneller japanischer Architektur. Bei ihrem Bau wurde kein einziger Nagel verwendet.
Der Name des Tempels bezieht sich auf den unterhalb der Haupthalle gelegenen Otowa Wasserfall, der sich hier in drei separate Wasserläufe teilt. Jedem wird eine andere Bedeutung zugesprochen: Ein Wasserfall verspricht Erfolg, ein anderer die große Liebe, der dritte wiederum ein langes Leben. Allerdings sollte man nur aus einem der Wasserfälle trinken; alles andere gilt als gierig.
Uji: Byodo-in
Das Städtchen Uji in der Nähe von Kyoto ist nicht nur bekannt für seinen hervorragenden Matcha-Tee, sondern auch für seine vielen historischen Gebäude. Das wohl bekannteste unter ihnen ist die prächtige Phönix-Halle des Tempels Byodo-in.
Die Halle hat eine schaurige Vergangenheit: Der Legende nach soll hier der erste aufgezeichnete rituelle Selbstmord (seppuku) eines Samurai stattgefunden haben. Im Jahr 1180 soll der Feldherr Minamoto no Yorimasa dort sein Leben beendet haben, um im Angesicht einer verlorenen Schlacht seine Ehre zu wahren.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.