Noch vor 10 Jahren wollte die Videospielindustrie mit beinahe jedem neuen AAA-Titel schöner, höher, weiter. Jedes neue Produkt sollte grafisch noch detailreicher und realistischer ausfallen als alles aus dem Vorjahr. Mittlerweile haben wir dank der konstanten Weiterentwicklung der Grafik-Engines einen fast fotorealistischen Stand erreicht.
Doch den Zielgruppen der finanziell erfolgreichsten Spiele ist Pracht-Grafik mittlerweile scheinbar egal. Zu diesem Schluss kommt zumindest der neue Jahres-Report des Marktforschungsunternehmens Newzoo. Denn die Spieler von Roblox und Minecraft machten ihre Spieleauswahl nicht an der Grafikqualität eines Titels fest.
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Nach 15 Jahren bekommt Minecraft ein großes, offizielles Grafik-Upgrade, das sich sehen lassen kann
Grafik verliert an Bedeutung
Ben Porter, einer der Analysten bei Newzoo, beschreibt diesen Umschwung im Interview mit GamesIndustry.biz folgendermaßen: In den letzten 10 Jahren hat eine Veränderung stattgefunden. Die Jagd nach der Grafik hat an Bedeutung verloren und nun sehen wir, dass die beliebtesten Spiele auf dem Planeten nicht die schönsten sind.
Vor allem Roblox verzeichnete zuletzt einen riesigen, über 50-prozentigen Zuwachs bei der Spielzeit und stieg damit im vergangenen Jahr zum meistgespielten Franchise auf. Optisch simple, aber populäre Community-Inhalte treiben die Zahlen in die Höhe. Realistische Texturen oder aufwendiges Raytracing interessieren diese Spielerschaft kaum.
Bei Minecraft beobachten die Marktforscher einen ähnlichen Trend; die Klötzchen-Sandbox landet auf Platz vier der meistgespielten Marken. Die Plätze zwei und drei belegen Fortnite und Call of Duty. Diese Entwicklung hat messbare Auswirkungen auf klassische AAA-Spiele. Der Newzoo-Report zeigt: Wer Roblox oder Minecraft spielt, rührt große Singleplayer-Blockbuster eher nicht an.
Ein Roblox-Fan spielt beispielsweise deutlich seltener Monster Hunter Wilds auf der Konsole als der Durchschnitts-Gamer. Auch um andere Singleplayer-Schwergewichte wie Assassin's Creed: Shadows, Ghost of Yōtei, Borderlands 4 oder Hogwarts Legacy machen die Klötzchen-Bauer meist einen Bogen. Sie leben in einer eigenen Spiele-Blase.
Live-Service schlägt Vollpreis
Stattdessen greifen diese Spieler lieber zu Live-Service-Spielen, die häufig kostenlos sind. Vor allem Fortnite verzeichnet hier eine massive Zielgruppen-Überschneidung: 55 Prozent der Roblox-Spieler und 46 Prozent der Minecraft-Fans tummeln sich auch im Epic-Shooter. GTA 5, Call of Duty und Rocket League stehen ebenfalls hoch im Kurs:
Die Ursachen für dieses Verhalten liegen auf der Hand: Die Zielgruppe von Roblox und Minecraft ist im Durchschnitt sehr jung. Diese Spieler haben oft viel Freizeit, aber wenig Geld. Ein teures AAA-Vollpreisspiel schreckt sie ab, während Free2Play-Modelle sie sofort abholen. Zudem prägen diese Sandbox-Titel ihre allerersten Gaming-Erfahrungen. Dass diese Service-Spiele meist bis oben hin mit Mikrotransaktionen zugekleistert sind, schreckt die junge Zielgruppe offenbar nicht.
Für die Zukunft der Branche stellt sich nun die Frage, ob diese heute jungen Spieler ihre Vorliebe für Service-Games auch beibehalten, wenn sie älter werden oder doch noch in den klassischen AAA-Markt hineinwachsen. Denn die AAA-Spieleentwicklung steckt aktuell ohnehin in der Krise und könnte jedes positive Entspannungssignal dringend brauchen.
Positive Signale gibt es laut der Marktforscher dagegen für den PC als Plattform. Nach einem pandemiebedingten Einbruch, der vor allem den Konsolen zugutekam, steigen die Umsätze mit Videospielen auf dem PC wieder deutlich an. 2028 sollen diese Umsätze die Konsolen dann voraussichtlich wieder überholen.

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