Auf Highrise City wartet viel Arbeit, bevor es Cities: Skylines an den Kragen geht

Viele Elemente aus der Anno-Serie sollen den Städtebauer Highrise City unverwechselbar machen. Doch in der Demo stottert der Wirtschaftsmotor noch.

von Peter Bathge,
27.08.2021 16:30 Uhr

Genre: Aufbaustrategie | Entwickler: Four Exo Entertainment | Plattform: PC | Release: 2022

Es gibt Spiele, die sind einfach zu gut. Sie setzen neue Maßstäbe und reizen ein Genre bis zur Perfektion aus. Aber sie schrecken andere Entwickler auch auf Jahre hinaus ab, in Konkurrenz mit ihnen zu treten. Cities: Skylines ist so ein Spiel. Seit dem Release im Jahr 2015 gab's kaum ein anderes ernstzunehmendes Aufbau-Spiel, das euch den aus Sim City bekannten Job als Bürgermeister einer modernen Stadt verleiht. Bis jetzt!

Mit Highrise City versucht sich ein deutscher Indie-Entwickler daran, dem Genre neue Seiten abzugewinnen. Und wie? Indem er eine kräftige Dosis Anno ins bekannte Spielprinzip injiziert. Zur gamescom 2021 könnt ihr euch anhand einer Steam-Demo zu Highrise City einen Eindruck davon verschaffen, ob das geklappt hat. Oder ihr lest unseren Artikel. Zuerst aber schaut ihr euch aber besser mal unsere Screenshot-Galerie an. Wenn das mal nicht nach Cities: Skylines aussieht!

Highrise City - Screenshots zum Städtebauer ansehen

Worum geht es in Highrise City?

Als gottgleicher Bürgermeister stampft ihr eine Stadt aus dem Boden und kümmert euch um alle Aspekte von der Versorgung mit Wasser und Strom über die Müllabfuhr bis hin zu Gesundheitswesen und Straßenbau. Eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Städtebau-Spielen: Ihr kümmert euch auch sehr intensiv um die Wirtschaft.

In Highrise City jongliert ihr mit rund 50 Waren, viele davon Baustoffe. Ihr müsst beispielsweise nicht nur Geld ausgeben, um Wohnzonen oder Büroräume auszuweisen, sondern auch im Wald produziertes Holz dafür einsetzen. Später kommen Ressourcen wie Lehm, Stahl oder Glas hinzu, die allesamt von Transport-Lkw aus den Produktionsgebäuden abgeholt und zu Lagern gebracht werden. Geld verdient ihr mit dem Verkauf der Rohstoffe an andere Städte im Hafen oder später durch Steuereinnahmen.

Eure Einwohner steigen im Spielverlauf auf und verlangen wie in der Anno-Serie nach höherwertigen Waren. Dadurch soll der bekannte Optimisierungs-Sog entstehen: Wir bauen immer effizientere Warenkreisläufe, damit wir immer mehr Steuergelder einstreichen und immer größere Teile der riesigen Spielwelt besiedeln können. Am Ende soll Highrise City bis zu eine Million virtuelle Bürger gleichzeitig darstellen können.

Warum sich der Erfinder von Highrise City diese ungewöhnliche Mischung entschieden hat, erfahrt ihr im Video-Interview mit vielen Gameplay-Szenen:

Highrise City: Beim Aufbauspiel hat jetzt die Grafik höchste Priorität PLUS 18:30 Highrise City: Beim Aufbauspiel hat jetzt die Grafik höchste Priorität

Für wen ist das spannend?

Aufbau-Fans, die gerne große, moderne Städte bauen, sollten Highrise City unbedingt im Auge behalten. Der Look und besonders der Anfang einer Partie ähneln sehr stark Cities: Skylines, aber durch die Warenkreisläufe und den Fokus auf die Wirtschaft soll sich das Spielgefühl im weiteren Verlauf mehr Richtung Anno 1800 verlagern. Ihr mögt Tropico? Dann könnte Highrise City auch was für euch sein.

Was gefällt uns bisher? Und was nicht?

Wir haben während der gamescom die über 30 Gigabyte schwere Demo von Highrise City gespielt. Dabei darf man maximal 30 Minuten in einer Partie verbringen. Allerdings lassen sich daraus bereits viele Erkenntnisse zum Gameplay ziehen. Wer mehr erfahren will, dem lege ich meine ausführliche Titelstory mit Interview und exklusiven Infos ans Herz:

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Highrise City sieht aus wie Cities: Skylines, ist aber Anno

Was gefällt uns bisher?

  • Der Gameplay-Mix aus Sim City und Anno macht neugierig. Es ist ungewohnt, aber auch motivierend, sich zusätzlich zum Bürgermeister-Job um Produktionsgebäude zu kümmern, statt lediglich Zonen auszuweisen.
  • Es gibt immer was zu tun: Hier braucht es neue Wohnungen, da werden die Transport-Lkw knapp, ein neues Windrad muss her und und und ...
  • Der Straßenbau erlaubt viele Freiheiten, wir können geschwungene Wege anlegen und heimelige Stadtviertel gestalten.
  • Die Städte besitzen Schauwert, es gibt schicke Wolkenkratzer, hübsches Wasser und auf Knopfdruck setzt ihr euch ans Lenkrad eines Trucks und könnt aus der Perspektive eines Autofahrers durch eure Metropole gondeln. Außerdem gibt's viele optionale Deko-Objekte.

Mit Druck auf die F-Taste spawnt ihr ein Fahrzeug und könnt per WASD-Steuerung selbst in der Stadt herumfahren. Mit Druck auf die F-Taste spawnt ihr ein Fahrzeug und könnt per WASD-Steuerung selbst in der Stadt herumfahren.

Was gefällt uns nicht?

  • Das Wirtschaftssystem erscheint uns noch undurchsichtig und schlecht ausbalanciert. In der Demo war es ungewöhnlich schwer, die Finanzen im Plus zu halten, weil ihr erst ab einer bestimmten Stadtgröße Steuereinnahmen erhaltet und der Handel bislang zu wenig Geld liefert, um die horrenden laufenden Kosten eurer Gebäude zu bezahlen.
  • Die Balance ist noch sehr einseitig. In unserem Probespiel waren die Bürger unzufrieden, weil sie keinen Zugang zu einer Arztpraxis hatten. Die war allerdings bereits gebaut, nur gab es keine freien Arbeiter mehr, welche sie hätten besetzen können. Und neue Einwohner wollten nicht in unsere Stadt, weil die Unzufriedenheit zu hoch war - wegen der fehlenden Arztpraxis. Das Ergebnis war eine lästige Sackgasse.
  • Interface und Grafik könnten noch Feinschliff vertragen. Genau das haben die Entwickler aber bereits angekündigt.

Highrise City erscheint nicht vor 2022, anhand von Entwickleraussagen rechnen wir mit einem Release Mitte des Jahres. Einen Early Access schließt das Studio Four Exo Entertainment aus.

Peter Bathge
@GameStar_de

Man könnte Highrise City »zusammengeklaut« nennen: In diesem Aufbauspiel stecken so viele Elemente aus Tropico, Anno und Sim City beziehungsweise Cities: Skylines, dass es sich eigentlich verbietet, von Innovation zu sprechen. Und doch ist die Zusammensetzung all dieser Puzzleteile neu und aufregend. Nur muss Four Exo Entertainment, das zur Zeit aus weniger als einem halben Dutzend Mitarbeiter besteht, erst noch zeigen, dass die Kombination auch ähnlich viel Spaß macht wie die Inspirationsquellen. Nach der Demo zu urteilen, steht dem Projekt noch ein langer Weg bevor. Am Ende könnte aber etwas ganz Besonderes dabei herauskommen.

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