Aufbauspiele müssen 2021 endlich wieder mutig werden

Die Aufbaustrategie ist an einem guten Punkt. Doch genau das ist der Zeitpunkt, an dem sich das Genre weiterentwickeln muss und wieder denselben Mut wie Banished beweisen kann.

von Fabiano Uslenghi,
26.11.2020 11:00 Uhr

  • GameStar-Redakteur Fabiano Uslenghi freut sich auf all die neuen Aufbauspiele, die 2021 höchstwahrscheinlich auf uns zu kommen. Doch etwas fehlt ihm.
  • In seiner Kolumne wirft Fabiano einen Blick auf den aktuellen Stand der Aufbaustrategie. War 2020 ein gutes Jahr? Und was erwartet uns 2021 eigentlich genau?
  • Letztlich spricht Fabiano über seine Hoffnung auf ein neues Banished. Ein Aufbauspiel, das dem Genre den Weg in eine noch unbekannte Richtung weißt.

Wir sind Deutsche. Wir lieben Aufbauspiele. Daran hat sich seit 30 Jahren nichts geändert. Die Aufbaustrategie bleibt für uns weiterhin eines der wichtigsten Genres überhaupt. Und das schöne dabei ist: Die Aufbaustrategie musste nie eine wirkliche Krise durchlaufen.

Sicherlich hatte sie mit ein paar Identitätsproblemen zu ringen. Die Siedler dachte etwa zwischendurch, man sei ein RTS wie Age of Empires oder Warcraft. Mittlerweile konnte sich das Genre jedoch wieder sehr gut fangen und ist in einer guten Position angelangt.

Aber die Aufbaustrategie ist eben auch ein Genre, das sich selten im Repertoire eines großen Publishers findet. Branchen-Giganten wie 2K oder Microsoft haben praktisch keine Aufbauspiele in ihrem Sortiment. EA hat bekannterweise Dungeon Keeper nahezu fahrlässig gegen die Mobile-Wand brettern lassen und über SimCity reden wir besser auch nicht.

Lediglich Ubisoft investiert noch groß in umfangreiche Aufbauspiele. Die Siedler und Anno liegen beide beim französischen Publisher. Davon abgesehen finden sich Aufbauspiele häufiger in der Obhut kleinerer Entwickler oder auf Strategie spezialisierte Publisher wie Paradox und Frontier wieder.

Doch obwohl es dem Genre so gut geht und so viel Verantwortung bei den experimentierfreudigen Indie-Studios liegt, treten Aufbauspiele seit einigen Jahren auf der Stelle. Das ist keineswegs abwertend gemeint. Doch es wird mal wieder Zeit, mit mehr Innovation und mutigen Ideen für eine strahlende Zukunft zu sorgen. Dem letzten Spiel, dem das gelang, war Banished, dessen Früchte wir jetzt erst anfangen zu ernten.

Der Autor
Fabiano kann sich seit früher Kindheit für Aufbauspiele faszinieren. Auch wenn sein erster Ausflug in dieses Genre mit Stronghold eher eine Mischung aus RTS und Aufbau war. Doch schon damals kam er nicht mehr davon los, seine Burg zu vergrößern. Dabei hat er mehr über Warenkreisläufe und eine sinnvolle Infrastruktur gelernt als irgendwo sonst. Später erweiterte er sein Repertoire um Klassiker wie Anno 1404 und Pharaoh. Seitdem ist er immer auf der Suche nach neuen Aufbauspiele und wurde 2020 ziemlich oft fündig. Denn in diesem Jahr bekamen wir so viele neue Projekte zu Gesicht wie schon lange nicht mehr.

Wo steht Aufbaustrategie Ende 2020?

2020 war für Aufbaufans ein zweischneidiges Schwert. Denn wenn wir uns ganz objektiv ansehen, was in diesem Jahr alles neu rauskam, dann fällt die Ausbeute sehr ernüchternd aus. Neue Spiele müssen wir mit der Lupe suchen. Finden dann ein paar ganze nette Spielchen wie Before We Leave oder den etwas minimalistischeren und recht albernen Jurassic-Park-Konkurrenten Parkasaurus. Im Dezember erscheint bei Epic außerdem noch Airborne Kingdom.

Dass sich dieses Jahr trotzdem nicht komplett fruchtlos angefühlt hat, ist aber einem anderen Spiel zu verdanken: Anno 1800. Der neuste Teil der traditionsreichen Aufbauserie erschien zwar bereits 2019, aber wurde das ganze Jahr über kontinuierlich mit neuen Inhalten bestückt. Und das gelang Ubisoft sogar durch die Bank weg besser als in dem Jahr davor.

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