Für uns Rollenspielfans führt wohl kein Weg an Baldur’s Gate 3 vorbei – schließlich haben wir es jüngst auf Platz 1 der besten Rollenspiele aller Zeiten gewählt. Auch ich kann mir diesen Rollenspielkracher natürlich nicht entgehen lassen und habe zum Vollpreis zugegriffen – etwas, das ich mir seit dem Release von The Witcher 3 nicht mehr gegönnt habe. Nur musste ich mir leider nach den ersten Spielstunden eingestehen:
So richtig gezündet hat Baldur's Gate 3 bei mir nicht.
Aber wie konnte es sein, dass gefühlt alle in meiner Steam-Community diesen Rollenspiel-Meilenstein fröhlich rauf und runter zockten, während ich mich motivieren musste, das Spiel überhaupt zu starten? Nun, die Lösung lag sprichwörtlich auf der Hand.
Denn die Rettung kam in Form eines Controllers und verwandelte meine größte Spieleenttäuschung des Jahres in mein Rollenspiel-Highlight. Und vielleicht hilft dieser Artikel auch euch, eine neue Perspektive auf Baldur's Gate 3 zu bekommen.
Hauptverantwortliche: Kamera und Maus
Denn ich habe das Problem identifiziert, das mich partout nicht in die Spielwelt hat eintauchen lassen: Die Steuerung!
Nachdem ich in geduldiger Kleinarbeit eine Heldin nach meinen Vorstellungen erschaffen habe, mit der ich versuche, die Schwertküste zu retten (oder ins Verderben zu stürzen), taucht sie zwar prominent in den Dialogen auf, jedoch nicht in der Erkundung der Spielwelt. Meine Heldin wurde von der Kamera und dem Mauszeiger in den Ruhestand geschickt.
Die Entdeckung der Spielwelt lief also so ab: Ich blicke mit der Kamera voraus und halte nach interessanten Orten und Gegenständen Ausschau, während ich meine Truppe per Mausklick hinterherschicke.
Habe ich etwas Interessantes entdeckt, warte ich (un-)geduldig, bis sich meine Figürchen den Weg dorthin durchgeschlagen haben. Sobald ich alles abgesucht habe, wandere ich mit der Kamera weiter und wiederhole den Ablauf.
Unterbrochen wird das nur, wenn ich mal auf einen Charakter mit Dialog treffe. Dann stelle ich wieder fest: Stimmt ja, ich habe ja eine Heldin, die hier das ganze Abenteuer erleben soll.
Doch nicht nur sie wurde von der Kamera und Maus degradiert, sondern auch die tolle Spielwelt selbst. Durch die Perspektive von oben wirkt sie auf mich immer weniger wie eine stimmig zusammenhängende Welt.
Viel mehr gibt sie mir das Gefühl, eine extra für mich geschaffene Abenteuerlandschaft zu sein, weil mir dann auffällt, wie dicht die Points of Interests aneinander liegen. Klar, eine Spielwelt ist nie super realistisch – aber ich möchte mich schließlich von ihr verzaubern lassen können. Stichwort: Immersion.
Die Iso-Perspektive schafft bei mir aber unweigerlich Distanz, die ich hier einfach nicht überwinden kann.
Eine neue Perspektive dank Gamepad
Hätte ich das Video von Kollege Fritz früher entdeckt, wäre ich wohl eher darauf gekommen, mal den Controller in die Hand zu nehmen! Ich wollte jedoch ohne Vorwissen in das Spiel starten, damit ich mir nichts von dem bevorstehenden Epos verderbe.
Stattdessen war es eher ein letzter verzweifelter Akt, der mich zum eingestaubten Eingabegerät greifen ließ. Der Wechsel von Tastatur zu Gamepad war unkompliziert, da das Spiel den Input automatisch erkennt und die Steuerung und das Interface entsprechend anpasst.
Und da sah ich sie endlich vor mir: die Spielwelt. Eine, die ich nicht mehr analytisch von oben betrachte, sondern über die Schultern meiner Heldin hinweg.
Statt Kamera und Maus wird nun meine Heldin zur Protagonistin meiner Erkundungen. Ich gehe mit ihr die Wege entlang und bleibe stehen, wenn mir etwas Interessantes auffällt. Ich lasse den Blick in die Ferne schweifen, gehe dank Analogstick auch mal langsamer an auffälligen Szenerien entlang und lasse die Atmosphäre endlich so richtig auf mich wirken.
Ich nehme nicht nur die weite Ferne ganz anders wahr, sondern auch die Innenräume. Die Kamera bohrt kein Loch mehr in die Architektur, damit meine Figuren im Blickfeld bleiben – so können die Räume ihre Wirkung nun ganz anders entfalten.
Höhlen wirken verzweigt, dunkel und einengend, während ich in den gemütlichen Häusern auch mal verweilen möchte. Ich fühle mich richtig in der Welt verankert.
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