Guten Tag, mein Name ist Ann-Kathrin Kuhls und mich dürstet es nach Chaos. Wenn ich ein rundes, fluffiges Tier sehe, will ich es anstupsen und gucken, was passiert (auch, wenn es ein Bär ist). Wenn ich über eine Brücke laufe, will ich Sachen in den Fluss darunter werfen. Und wenn ich ernste, düstere, edgy Space Marines sehe … dann will ich ihnen das aufzwingen, wovor sie am meisten Angst haben: Drolligkeit. Pink. Glitzer. Und deswegen pfeife ich auf die Farben und Normen, wie Space Marines auszusehen haben, und bemale die grummeligen Minis in Pastell. Weil es der perfekte Kontrast ist.
Warhammer 40k spielte bis vor ein paar Jahren bei mir noch keine große Rolle. Ich werde ein Fantasy Setting mit Bäumen, Drachen und Windmühlen immer einem düsteren Sci-Fi-Szenbario vorziehen. Dann kam Rogue Trader, und die Welt und die Story waren so spannend, dass ich mich entgegen meiner Vorlieben kopfüber ins 40k-Universum gestürzt habe. Dabei bin ich dann natürlich irgendwann auch auf die Minis gestoßen, die zur Tabletop-Version der Marke gehören, so richtig gehookt hat mich das Ganze da jedoch noch nicht.
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»Alles klar, zeit für einen neuen Run« - Warhammer 40k: Rogue Trader wurde mit einem neuen Update noch besser
Willkommen bei den Space Cuties
Aber als ich dann eine ganze Zeit später auf der Suche nach einem kreativen Hobby war, bei dem ich nicht die ganze Zeit vorm PC hocke, tauchten die Minis wieder auf. Allerdings nicht über Games Workshop, sondern über bubblegum_angels auf Instagram. Megan, die Künstlerin hinter dem Profil, hat ein “Homebrew Successor Chapter” der Dark Angels erdacht, die für ihre Sünden büßen, indem sie Regenbögen und Feenstaub verbreiten, anstatt die Gefallenen zu foltern. In pastellrosa, -blau und -lila. Quasi Space Cuties.
Und damit hat sie mich sofort gekriegt.
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Stellt sich heraus, dass die riesigen Rüstungsteile der Space Marines mit ihren glatten Oberflächen sich nicht nur wirklich gut eignen, um das Bemalen zu lernen, weil sie einfach zu treffen sind und viele Fehler verzeihen. Sie sind auch die perfekte Basis für Experimente. Was ironisch ist, weil innerhalb von 40k an den Marines schon mehr als genug herumexperimentiert wurde. Aber hier geht’s nicht darum, noch mehr Herzen in den Marine zu pressen - sondern auf ihn. Und das wollte ich auch.
An diesem Punkt hätte ich einfach in den nächsten Warhammer-Laden gehen, mir einen Satz Pinsel, Farbe und Figuren besorgen und loslegen können. Hätte hätte, Fahrradkette. Stattdessen bin ich in ein YouTube-Loch gefallen und habe 100 Videos übers Minis-Bemalen geguckt, wie sich das gehört. Was meinem Enthusiasmus erstmal einen Dämpfer verpasst hat, weil die mit Airbrushpistolen und Lupe und dreizehn Kamerawinkeln so professionell unterwegs sind, dass man sich fragt, ob man überhaupt anfangen sollte.
Mach einfach
Allerdings hat mir da ein Satz sehr geholfen, der in absolut jedem Einsteigervideo fällt: »Mach einfach.« Mein erster Mini muss nicht direkt den Golden Demon gewinnen. Er kann auch einfach … existieren. Ist ja auch ein Hobby für mich und nicht für andere.
Ein Starterkit später ging es ran an die Marines. Die ersten vier Figuren waren nur zum Üben. Wie viel Farbe brauche ich? Wie viel Wasser? Wie dick muss ich die auftragen? Wie fällt Licht auf Schulterplatten und wo müssen die Glanzpunkte auf den kleinen Rucksäcken hin? Jetzt kann man sich darüber streiten, ob ich mein Ziel, vom Bildschirm weg zu bleiben, nicht damit torpediert habe, mich in Tutorials über Lichteinfall auf geometrische Formen zu vertiefen. Aber das sind Details! Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?
Schon nach ein paar Sitzungen wurde mir klar: Die Farben waren nicht genug. Lila, blau, braun, knochenweiß sind zwar schön und gut, aber meine kaugummipinken Space Cutie-Fantasien konnte das nicht erfüllen. Ich wollte schließlich sowas hier:
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Also bin ich zurück zum Laden: Doomfire Magenta, Baharroth Blue, Screamer und Fulgrim Pink klingen vielleicht nicht besonders freundlich, sind aber wirklich sehr hübsch. Spätestens da habe ich gemerkt: Mein Portmonnaie würde mir mein neues Hobby nicht so leicht verzeihen.
Gerettet hat meinen Geldbeutel und mich ein Griff in meine Nageldesignkiste. Denn es muss nicht immer der Hobbyshop sein. Im Nagelbedarf gibt es oft die gleichen Produkte, aber halb so teuer und oft in hübscheren Farben.
Frisch aufgestockt ging es dann an meine ersten beiden Custom Marines, der eine hellblau mit Leopardenflecken-Stickern, der andere rosa und blau mit Hello Kitty-Rucksack. Ich habe einfach wild alles draufgeklebt, was mein Herz erfreut - wenn es auf den Nagel kann, kann es auch auf meinen Marine. Die beiden stehen immer noch auf meinem Schreibtisch und jedes Mal, wenn ich sie sehe, bin ich stolz.
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