Bioware reagiert auf große Kritik an Anthem-Entwicklung - Update: Mitarbeiter sollen angeblich nicht mit Journalisten reden

Nachdem ein Anthem-Report von Kotaku große Probleme bei der Entwicklung des Loot-Shooters aufgezeigt hat, reagiert Bioware mit einem Blogpost und verkündet: »Wir glauben nicht, dass solche Berichte der Videospielindustrie irgend etwas bringen.«

von Michael Herold,
04.04.2019 13:15 Uhr

Anthem gegen den Rest der Welt? Momentan kriselt es ein wenig zwischen dem Entwicklerstudio, der Presse und den Fans.Anthem gegen den Rest der Welt? Momentan kriselt es ein wenig zwischen dem Entwicklerstudio, der Presse und den Fans.

Update vom 4.4.: Der große Kotaku-Report zu Anthem sorgt weiterhin für neue Entwicklungen. Via Twitter erklärt der Autor des Enthüllungsberichts, Jason Schreier, dass er inzwischen mit Bioware-Mitarbeitern gesprochen hat und die hatten offenbar erneut etwas Spannendes zu erzählen.

Laut Schreier hätten die Studiochefs bislang noch nicht mit ihren Angestellten über den Report gesprochen, sondern nur eine E-Mail an alle Mitarbeiter geschickt. Der Inhalt der Mail würde sich in einer einfachen Anweisung zusammenfassen lassen: »Sprecht nicht mit der Presse.«

Außerdem soll Casey Hudson, der General Manager von Bioware, in einer langen E-Mail an das gesamte Studio mitgeteilt haben, dass man die aktuellen Diskussionen sehr wohl wahrnimmt. Jason Schreier hat einen Ausschnitt dieser Mail gepostet, in dem es unter anderem heißt: »Diese Probleme sind real und es ist unsere Top-Priorität, weiterhin daran zu arbeiten, sie zu lösen.«

Originalmeldung vom 3.4.: Bei der Entwicklung von Anthem ging ganz offensichtlich einiges schief. Die jahrelange Entwicklung von Biowares Loot-Shooter wurde immer wieder von grundlegenden Änderungen aus der Bahn geworfen, zum Beispiel wurde erst kurz vor der offiziellen Ankündigung des Spiels der Name von »Beyond« in »Anthem« geändert.

Zumindest berichten darüber die Kollegen von Kotaku in einem umfangreichen Anthem-Report, der auf Insider-Quellen bei Bioware basiert. Und genau auf diesen Bericht haben die Entwickler von Bioware nun geantwortet.

Was sagt Bioware zur Kritik? In einem offiziellen Blogpost stellen sie zunächst klar, dass sie trotz aller Schwierigkeiten und trotz der Kritik an Anthem nach Release auch weiterhin hinter ihrem Spiel stehen. Anschließend gehen sie auf einige gesonderte Punkte des Berichts ein (dazu gleich mehr), besonders spannend ist aber der der dritte von vier Absätzen des Postings.

Darin erklärt Bioware nämlich, was sie von Berichten wie dem von Kotaku und besonders kritischer Berichterstattung halten. Wenn ein Artikel nur die Arbeit von anderen niedermacht, dann bringe er niemandem etwas:

"Als Studio und Team akzeptieren wir alle Kritik an unseren Spielen, ganz besonders von den Spielern. [...] Die Menschen in dieser Industrie investieren so viel Leidenschaft und Energie, um etwas Spaßiges zu entwickeln. Wir sehen keinen Sinn darin, sich gegenseitig oder die Arbeit eines anderen niederzumachen. Wir glauben nicht, dass Artikel, die so etwas tun, unsere Industrie oder unser Handwerk besser machen."

Auch das zog bereits eine Reaktion nach sich: Jason Schreier, der Autor des besagten Kotaku-Reports schrieb via Twitter, dass er inzwischen mit weiteren ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern von Bioware gesprochen habe und die meisten von ihnen seien enttäuscht von dem Statement des Entwicklerstudios. Schreier selbst sei auf der Seite von allen, die EAs beziehungsweise Biowares »Rührseligkeit« für »fucking Bullshit« halten.

Bioware möchte »Crunch Time« bekämpfen

In dem Blogpost machten die Entwickler außerdem deutlich, dass sie selbst nichts mit dem Kotaku-Report zu tun hatten und ihn auch nicht direkt kommentieren möchten. Denn in dem Bericht würden laut Bioware viele Teammitglieder und Führungskräfte in ein unfaires Rampenlicht gestellt. Das Studio wolle sich nicht an so etwas beteiligen, sondern respektiere all seine Mitarbeiter.

So kann Bioware Anthem noch retten - Video: Ausblick auf Roadmap & Patches 16:25 So kann Bioware Anthem noch retten - Video: Ausblick auf Roadmap & Patches

Auch das Thema Arbeitszeiten beziehungsweise »Crunch Time« spielt im Report eine große Rolle. Laut zahlreichen internen Quellen bei Bioware litten Mitarbeiter immer wieder unter gesundheitlichen und psychischen Problemen, weil die Arbeitslast einfach zu groß war. Gerade wegen häufigen Crunch-Phasen, also Zeiten, in denen übermäßig viele Überstunden nötig waren, fielen manche Mitarbeiter über Monate hinweg krankheitsbedingt aus.

Bioware entgegnet im eigenen Statement, dass die Gesundheit der Mitarbeiter ihnen sehr am Herzen liege. Die hohe Arbeitsbelastung sei bislang kein großes Problem für das Studio gewesen, aber man wolle trotzdem versuchen, sich in diesem Feld zu verbessern:

"Wir hören die Kritik, die einige in dem Artikel geäußert haben. Und wir schauen uns das genauso an wie das Feedback, das unsere internen Team-Umfragen zusammentragen. Wir bemühen uns sehr, so zu planen, dass wir Crunch Time möglichst vermeiden, und es war auch bislang kein großes Thema bei unserem nachträglichen, internen Feedback. Spiel zu entwickeln, und besonders neue IPs ins Leben zu rufen, wird immer eine der härtesten Herausforderungen der Unterhaltungsindustrie sein. Wir geben alles, um es stressfrei und nicht gesundheitsschädigend zu gestalten, aber wir wissen auch, dass es immer noch Potenzial zur Verbesserung gibt."

Mehr dazu: Stress, Crunch & psychische Belastung bei Bioware

Fans sind enttäuscht von Biowares Antwort

Den Anthem-Spielern scheint die Reaktion von den Entwicklern nicht sonderlich zu gefallen. Allein unter dem offiziellen Tweet zum Blogpost von Bioware finden sich viele negative Stimmen.

Der Twitter-User @_JohnHamilton schreibt zum Beispiel, dass sich die Bioware-Aussagen so lesen, als sollten sie andere aktuelle und ehemalige Mitarbeiter einschüchtern, bloß nicht noch einmal mit der Presse über die Entwicklung von Spielen zu reden.

Auch auf im Anthem-Subreddit finden sich nur wenige User, die Biowares Statement verteidigen. Stattdessen fordert einer der aktuellen Top-Posts, dass die Führungsetage des Anthem-Entwicklerstudios den Fans eine ordentliche Erklärung schuldet:

"Der Fakt, dass die ernsthafte Entwicklung an Anthem erst nach der E3 2017 begonnen hat, wird als eine der größten Lügen in die Geschichte des modernen Gaming eingehen. Ihr habt uns ein Fake-Produkt verkauft und hattet nie die Absicht, uns irgendwann mal etwas zu liefern, das auch nur ansatzweise so aussieht, wie das Spiel, das ihr einstmals angekündigt habt. Und vor allem wart ihr euch dessen zu 100 Prozent bewusst."

Die Entwickler haben vor Kurzem angekündigt, Anthem auf jeden Fall fixen zu wollen. In unserem Test zu Anthem erfahrt ihr, was dafür in unseren Augen getan werden muss.

Anthem - Test-Video zum Koop-Shooter von Bioware 11:04 Anthem - Test-Video zum Koop-Shooter von Bioware


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