Blut und Leichen in Spielen verboten - China verabschiedet harte Videospiel-Vorschriften

In China können wieder Computerspiele lizenziert werden. Gleichzeitig treten aber neue Regeln in Kraft, die viele Entwickler vor Probleme stellen könnten.

von Christian Just,
23.04.2019 15:28 Uhr

Nicht nur Playerunknown's Battlegrounds musste bereits die harte Hand der chinesischen Regierung spüren.Nicht nur Playerunknown's Battlegrounds musste bereits die harte Hand der chinesischen Regierung spüren.

Das chinesische »Staatliche Amt für Presse, Veröffentlichung, Radio, Film und Fernsehen« schiebt Gewaltdarstellung in Videospielen einen Riegel vor. Künftig werden Spiele in der Volksrepublik nicht mehr zugelassen, wenn sie Blutlachen oder Leichen darstellen. Das Blut-Verbot galt zwar auch zuvor, bislang halfen sich Entwickler aber damit, einfach die Farbe des Blutes zu ändern. Dies ist laut der neuen Vorschriften aber ebenfalls nicht mehr erlaubt - Lachen von Blut in jeglicher Form führen demnach zur Verweigerung einer Verkaufs-Lizenz.

Ferner müssen Entwickler Maßnahmen und Systeme gegen Spiele-Sucht implementieren. Die chinesische Regierung fürchte Abhängigkeit unter Jugendlichen, wie das auf Chinas Spiele-Markt spezialisierte Marktforschungsunternehmen Niko Partners in einer Analyse der neuen Vorschriften erklärt. Vor kurzem wurde bekannt, dass in China zur Suchtprävention etwa die maximale Spielzeit von Jugendlichen beschränkt wird.

Ein im Jahr 2018 gegründetes chinesisches Ethik-Komitee für Online-Spiele arbeitet mit dem »Staatlichen Amt für Presse, Veröffentlichung, Radio, Film und Fernsehen« zusammen, um festzulegen, welche Medien »gesund und nützlich« seien sowie »angemessen auf soziale Belange« eingingen. Die Regeln umfassen weitere Einschränkungen für Entwickler und Publisher, die etwa obszöne und teilweise auch politische Inhalte betreffen.

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Zu den Hintergründen

Dass China nicht eben zimperlich mit Computerspielen verfährt, deren Inhalte nicht mit der politischen Agenda konform gehen, zeigte sich bereits in der Vergangenheit. So musste die Desktop-Version von Playerunknown's Battlegrounds erst geändert werden, um »den sozialistischen Grundwerten« zu entsprechen und anschließend in Partnerschaft mit dem chinesischen Publisher Tencent erneut veröffentlicht werden zu dürfen.

Zuletzt ruhte das Lizenzierungsverfahren neuer Computerspiele in China vollständig. Mit dem »Staatlichen Amt für Presse, Veröffentlichung, Radio, Film und Fernsehen« installierte die Volksrepublik eine neue Behörde, die sich künftig auch mit der Frage nach erwünschten und unerwünschten Inhalten in Computerspielen auseinandersetzt.

Zum einen die gute Nachricht für Entwickler: China lizenziert wieder Videospiele. Das große Aber: Wer künftig ein Spiel auf dem chinesischen Markt veröffentlichen will, muss nicht nur die recht umfangreichen Lizenzierungsbedingungen beachten. Bestimmte Inhalte sind nun, wie eingangs beschrieben, von vornherein verboten. Dazu zählen auch Glücksspiele wie Poker und das Knobelspiel Mahjong, was vor allem einen herben Schlag für Mobile-Entwickler darstellen dürfte. Über ein Drittel aller im Jahr 2017 in China veröffentlichten Spiele fielen unter diese Kategorie.

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Kleine Entwickler eher benachteiligt

Während manche der Vorschriften womöglich mit kleineren Anpassungen umzusetzen sind, sieht es für einige Genres in China künftig düsterer aus. Wie etwa kommt ein Shooter ohne Leichen und Blut aus? Eine denkbare Option wäre unter Umständen, auf Blut zu verzichten und Leichen sofort verschwinden zu lassen.

Während größere Publisher mit viel Kapital durchaus Ressourcen hätten, auch größere Änderungen an Spielen vorzunehmen, könnten vor allem kleinere Indies an dieser Stelle Probleme bekommen.

Der chinesische (Computerspiele-) Markt ist immerhin einer der größten der Welt und kann einen erheblichen Unterschied bei den Verkaufszahlen eines Produkts bedeuten. Kleine Entwickler, die nicht über die Ressourcen verfügen, eine zweite Version speziell für China zu entwickeln, wären hier im Nachteil.

Weltweite Auswirkungen?

Dass auch größere Entwickler und Publisher sich unter Umständen nicht die Mühe machen (können oder wollen), zwei Versionen ihrer Spiele zu entwickeln, um zum einen in China und zum anderen im Rest der Welt zu veröffentlichen, könnte womöglich unangenehme Folgen für die hiesige Spielerschaft nach sich ziehen.

Man sah es etwa am Beispiel Rainbow Six: Siege. Ubisoft kündigte an, mit den neuen chinesischen Regulierungen konform zu gehen und sämtliche Totenköpfe und erotisierte Darstellungen aus dem Spiel zu entfernen - und zwar global. Im nachfolgenden Shitstorm ruderte der Publisher dann aber zurück und versprach dem Rest der Welt, weiterhin eine unzensierte Version von Rainbow Six: Siege spielen zu dürfen.

Hier könnt ihr euch die chinesischen Lizenzbedingungen im Original anschauen. Die automatische Übersetzung eures Browsers sollte euch zumindest einen groben Überblick ermöglichen.

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