200.000 US-Dollar: Klemmbaustein-Laden bringt alten Mann um seine Altersvorsorge, doch dann schaltet sich ein YouTuber ein und deckt die Machenschaften auf

Eine Filiale des US-amerikanischen Klemmbausteinhändlers Bricks & Minifigs wollte einen alten Mann betrügen. Ein YouTuber hat den Fall aufgedeckt und zum Guten gewendet.

Von diesem Desaster wird sich Bricks + Minifigs nicht so schnell erholen. Bildquelle: YouTubeDrabu (rechts). Von diesem Desaster wird sich Bricks & Minifigs nicht so schnell erholen. Bildquelle: YouTube/Drabu (rechts).

Der US-amerikanische Gebrauchtwarenhändler Bricks & Minifigs hat sich den wohl größten Skandal der jüngeren Klemmbaustein-Geschichte geleistet. Ein Mann wollte das Lego seines Vaters verkaufen, der über die Jahre eine der größten Sammlungen der Welt angehäuft hat, und ist dafür zu einer B&M-Filiale in Keizer, Oregon, gegangen. Dort wurde er allerdings um haufenweise Geld betrogen.

Der Fall wurde jetzt von dem US-amerikanischen YouTuber Reckless Ben aufgedeckt und erreichte gigantische Aufmerksamkeit. Er hat sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel erhalten. Allein das Video von Ben erzielte über 5 Mio. Aufrufe. Wir fassen das Wichtigste für euch zusammen.

Eine wertvolle Altersvorsorge

Haufenweise Sets: Der US-Amerikaner Bryan Mansell wollte im September 2023 die gigantische Lego-Star-Wars-Sammlung seines schwerkranken Vaters Ed Mansell verkaufen. Insgesamt geht es um 780 versiegelte Lego-Sets sowie 1.200 Minifiguren mit einem Wert von schätzungsweise 100.000 bis 200.000 US-Dollar.

Bricks & Minifigs: Um die Sets zu verkaufen, wandte sich Bryan an die in den USA bekannte Gebrauchtwaren-Kette Bricks & Minifigs, die sich auf den Verkauf von gebrauchtem Lego und Sammlerstücken spezialisiert hat. Es ist wichtig zu beachten, dass der Händler unabhängig agiert und nicht mit Lego selbst in Verbindung steht.

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Ein besonderer Vertrag: Normalerweise kaufen die Franchise-Filialen von B&M Sets und Minifiguren an, um sie anschließend teurer weiterzuverkaufen. In diesem Fall entschieden sie sich jedoch für einen Konsignationsvertrag, bei dem die B&M-Filiale in Keizer im Auftrag von Bryan verkauft und dafür eine Provision erhält.

Eigentlich sind solche Verträge von der Zentrale nicht gewünscht, doch es wurde eine Ausnahme gemacht. In den ersten Monaten seit November 2023 wurden an Bryan 15.000 US-Dollar ausgezahlt.

Ein folgenschwerer Wechsel

Anfangs lief alles gut, doch dann wechselte im November 2024 der Franchise-Nehmer der Filiale. Der Nachfolger übernahm auch alle Konsignations-Haftungen. Bryan erfuhr von der neuen Leitung der Filiale und wollte den Vertrag kündigen, doch die verweigerte die Herausgabe der verbliebenen Sets.

Stattdessen bot die neue Leitung die Rückgabe von 25 markierten Sets an, die in einer Kammer entdeckt wurden. Über den Rest gab es angeblich keine verwertbare Liste. Bryan lehnte das Angebot ab und forderte erfolglos die vollständige Herausgabe der übrigen Sammlung oder einen entsprechenden Geldwert.

Der Weg in die Öffentlichkeit

Im April 2025 kam der Fall erstmals an die Öffentlichkeit, als Bryan davon in einem Podcast berichtete. Der große Aufschrei erfolgte aber erst deutlich später. Im März 2026 schaltete sich der YouTuber Reckless Ben ein und veröffentlichte am 21. Mai 2026 ein medienwirksames Video, in dem er den gesamten Fall investigativ aufrollte und haufenweise Beweise ans Licht brachte.

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Journalismus mit Folgen

Reckless Ben hat sich in die B&M-Filiale eingeschlichen, jedoch erteilte ihm die örtliche Polizei einen Platzverweis. Nachdem er weiter recherchiert hatte, folgten formelle Klagen wegen beharrlicher Nachstellung, Hausfriedensbruchs und gezielter Belagerung eines Wohnhauses. Außerdem wurde seine temporäre Unterkunft, ein Airbnb, durchsucht und er sowie einige seiner Teammitglieder wurden verhaftet.

Die Videoaufnahmen der Verhaftung deuten mutmaßlich darauf hin, dass der Franchise-Nehmer mit der Polizei zusammengearbeitet hat, um den ungebetenen YouTuber irgendwie in Gewahrsam nehmen zu können. Ihnen wird nun mutmaßliche Vetternwirtschaft vorgeworfen.

Gegenklage: Trotz der Widrigkeiten erschien im Mai das Video und sorgte weltweit für einen gigantischen Aufschrei. Als Gegenreaktion reichten B&M sowie der Franchise-Nehmer der Filiale eine Klage wegen Verleumdung und Verschwörung gegen Reckless Ben und sogar Bryan in Höhe von 300.000 US-Dollar ein. Dem Image schadete das jedoch nur noch mehr.

Abmahnung gegen Patreon: Zusätzlich zur Klage gegen Ben und Bryan sendete B&M eine Abmahnung an den Social-Payment-Service-Anbieter Patreon, über den die Crowdfunding-Kampagne läuft, um den Fall zu finanzieren. Das Unternehmen soll die Kampagne offline nehmen. Der Patreon-CEO antwortete darauf mit einem kurzen Video, in dem er zu verstehen gibt, dass sich B&M die Mahnung sonst wo hinstecken könne.

Der aktuelle Stand: Am 4. Juni 2026 wurde bekannt, dass sich B&M von dem Franchise-Nehmer in Keizer, Oregon, getrennt hat und die Filiale geschlossen wird.

Es ist fraglich, inwieweit wirklich ein Umdenken stattgefunden hat oder das Unternehmen nur Schadensbegrenzung betreiben will. Es ist wichtig zu beachten, dass die zivilrechtlichen Klagen gegen ihn sowie die strafrechtlichen und zivilrechtlichen Klagen gegen Ben aktuell weiter bestehen.

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