Chorus ist ein Weltraum-Spiel für Story-Fans - aber reicht das?

Exklusiv: Chorus will sich über eine packende Dark-Fantasy-Geschichte von Weltraum-Sims und -Sandboxen abheben. Wir haben mit den Entwicklern gesprochen.

von Elena Schulz,
29.06.2020 17:32 Uhr

Genre: Weltraum-Action | Entwickler: Fishlabs | Plattform: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X, Stadia | Release: 2021

Chorus ist keine Weltraum-Simulation. Auch Sandbox oder Arcade wollen die deutschen Entwickler von Fishlabs sich nicht auf die Fahne schreiben. »Es gibt schon flotte Action«, verrät uns Studio Development Director Tobias Severin im Interview, »Aber es ist nicht wirklich Arcade. Wir wollen vor allem eine dichte Atmosphäre erschaffen«.

Arcade klinge für ihn zu sehr nach Bullet Hell im Weltall, Chorus soll aber auch abseits von Raumschlachten viel bieten: ruhige, intensive Story-Momente zum Verschnaufen für den Spieler und für Heldin Nara. Die steht im Mittelpunkt von Chorus - eine junge Pilotin und ihr empfindungsfähiges Raumschiff, die gemeinsam eine gefährliche und emotionale Reise antreten.

Deshalb ist Chorus für die Entwickler vor allem eine Weltraum-Geschichte. Aber reicht das, um sich von der Konkurrenz abzuheben? Wir haben exklusiv mit Fishlabsüber die Ideen hinter dem Action-Spiel gesprochen und darüber, wie und warum man jetzt noch ein neues Space Game auf den Markt bringen will.

Nara und ihr Schiff haben eine besondere Verbindung. Nara und ihr Schiff haben eine besondere Verbindung.

Was macht Chorus besonders?

Wer in Elite auch Probleme mit dem Einparken hatte, kann erleichtert aufatmen: Chorus stellt die Gesetze der Physik zugunsten von Spaß und Explosionen im Weltall zurück. Ihr dürft ungehindert eurem Entdeckerdrang nachgehen und fremde Welten erforschen seien es Asteroidenfelder, Schiffswracks, Raumbasen oder die endlosen Weiten zwischen den Sternen.

Die Story soll dabei aber mehr als ein grober Leitfaden sein. Denn im Fokus steht nicht der Weltraum, sondern Pilotin Nara mit all ihren persönlichen Gefühlen und Entwicklungen. Deshalb wird es auch keine männliche Variante oder einen Charaktereditor geben. Nara ist auf der Flucht, nachdem ein mysteriöser Kult, der sie einst erschuf, plötzlich Jagd auf sie macht. Mit ihrem lebendigen Schiff »Forsaken« muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen und in längst verlassenen Tempeln Antworten auf die Geheimnisse der Galaxie suchen.

Uralte Tempel und ein finsterer Kult lassen es schon erahnen: Chorus würzt sein SciFi-Setting mit einer kräftigen Prise Dark Fantasy. Auch über Mystery-Elemente wollen die Entwickler sich so von eher militärisch-realistischen Space Games abheben.

Einen ersten Eindruck vom düsteren SciFi-Szenario liefert der erste Trailer zum Spiel:

Chorus - Actionreicher Rachefeldzug im All der Galaxy on Fire-Macher angekündigt 1:28 Chorus - Actionreicher Rachefeldzug im All der Galaxy on Fire-Macher angekündigt

Das sind die wichtigsten Features von Chorus:

  • Eine packende Singleplayer-Geschichte: Chorus inszeniert seine Story über Zwischensequenzen. Auch wenn ihr nur das intelligente Schiff steuert und nicht Nara, sollt ihr so eine Bindung zu ihr aufbauen.
  • Actionreiche Raumschiffgefechte: Ihr kämpft in der Schwerelosigkeit gegen die Schergen des oben erwähnten Kultes. Chorus möchte dabei den Geist der klassischen Space-Shooter einfangen.
  • Bosskämpfe: Gewaltigen Kriegsschiffe und geheimnisvollen außerirdische Entitäten sollen euch in aufwändig inszenierten Schlachten vor besondere Herausforderungen stellen.
  • Neue Waffen und Fähigkeiten: Ihr schaltet mit der Zeit übernatürliche Kräfte für Nara frei und verbessert euer Schiff mit neuen Waffen und anderen Upgrades.
  • Nebenmissionen: Trotz recht linearer Geschichte steht euch das All zum Erkunden offen. Unterwegs lassen sich zusätzliche Infos zur Story, Beute und auch Nebenaktivitäten finden.

Hinweis:

Momentan gibt es nur Bilder aus dem Trailer zu Chorus und keine richtigen Screenshots zu sehen. Die Raumkämpfe und Weltraum-Umgebungen können wir euch deshalb noch nicht im Detail zeigen.

Für wen ist Chorus interessant?

Als Inspiration für Chorus diente den Entwicklern vor allem, was sie selbst schon lange vermissen: Space-Shooter wie Star Wars: Rogue Squadron, Freelancer oder auch Star Fox. Ein ähnlicher Pfad, wie ihn jetzt auch Star Wars: Squadrons beschreitet, nur eben mit Fokus auf die Singleplayer-Kampagne. Mochtet ihr die Klassiker von damals oder wollt wissen, warum sie die alten Fans heute noch hochhalten, könnte Chorus etwas für euch sein.

Mit Blick auf Komplexitätsmonster wie Elite Dangerous, Eve Online oder Star Citizen betonen die Entwickler auch, dass Chorus zugänglich für Weltraum-Neulinge sein soll. Ganz ähnlich wie Rockfish Games mit Everspace 2 will man mit einer (semi)offenen Welt, Rollenspiel-Systemen und einer intensiven Geschichte auch diejenigen fürs Weltall gewinnen, die bislang einen Bogen um das Genre machten.

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Stärken von Chorus

  • Die Atmosphäre: Blutrote geometrische Tempeln, explodierende Planeten und futuristisch wirkende Raumschiffe und -anzüge im Trailer machen schon mal Lust auf das düstere Zukunftszenario von Chorus. Genauso filmisch soll übrigens auch das fertige Spiel inszeniert werden.
  • Die Grafik: Die Steam-Seite von Chorus verspricht 4K-Optik und grandiose Weltall-Aussichten. Viel hat man noch nicht vom Spiel gesehen - vor allem kein Gameplay - Naras Gesicht und bisher gezeigte Umgebungen wie Asteriodenfelder oder Raumstationen wirken aber schön scharf und detailliert. Die Entwickler versprechen zudem ein immersives HUD, das nicht zu viel Raum einnimmt beim Fliegen.
  • Die Story: Die finale Qualität lässt sich noch nicht einschätzen. Der Fokus auf eine einzige Pilotin und ihr treues Gefährt klingt aber interessant, ebenso wie die Mystery-Elemente. Wer wissen möchte, wie eine solche Erzählung aussehen kann, sollte einen Blick auf den Roman »Skyward« von Brandon Sanderson werfen.
  • Der Weltraum: Weil visuelles Storytelling so wichtig für Chorus ist, haben die Entwickler die Umgebung komplett per Hand gebaut. Bis auf Zufallsbegegnungen befinden sich keine prozedural generierten Elemente im Spiel. Besondere Orte sollte es also reichlich zu entdecken geben.
  • Rollenspiel-Anleihen: Chorus verzichtet auf kleinteilige Anpassungsmöglichkeiten. Stattdessen darf Nara mächtige neue Fähigkeiten lernen und darüber hinaus ihr Schiff mit neuen Waffen und Ausrüstung upgraden.

Durch das geometrische Design und die grelle rote Farbe erinnert uns der Tempel an Remedys Shooter Control. Ob Chorus ähnlich mysteriös wird? Durch das geometrische Design und die grelle rote Farbe erinnert uns der Tempel an Remedys Shooter Control. Ob Chorus ähnlich mysteriös wird?

Schwächen von Chorus

  • Keine begehbaren Planeten: Ihr dürft in Chorus nicht auf Planeten landen oder in deren Atmosphäre fliegen. Es wird sich zeigen, ob die Entwickler allein im Weltraum genug Abwechslung bieten können.

Noch unklar

  • Noch kein Gameplay: In der Theorie klingen die Pläne von Fishlabs zweifellos interessant. Allerdings steht noch der Beweis aus, wie sich das Ganze in der Praxis wirklich spielt und anfühlt. Der erste Trailer lässt das nur ansatzweise erahnen, und gerade bei seinen rasanten Raumkämpfen muss Chorus überzeugen, wenn die Weltraum-Action dauerhaft Spaß machen soll.
Potenzial | Sehr gut

Elena Schulz
@Ellie_Libelle

Dass Weltraumspiele eine Geschichte erzählen wollen, ist an sich nicht neu. Aber bis Star Citizen und Squadron 42 dauert es eben noch eine Weile, Star Wars: Squadrons findet in einem schon lange etablierten Universum statt und andere Space-Shooter wie Everspace 2 stellen halt doch eher ihre Spielmechaniken in den Fokus. Konzentriert Chorus sich da ganz auf eine dichte und spektakulär inszenierte Handlung, könnte es sich von der Konkurrenz absetzen und die Herzen der Story-Fans erobern.

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