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Seite 2: Civilization 5 im Test - Neue Regeln für ein schlankeres Civ

Neue Regeln (und ihre Auswirkungen)

Firaxis hat die Civilization-Serie für den fünften Teil verschlankt. Die Spielregeln sind in vieler Hinsicht vereinfacht, was in manchen Fällen bedeutet: eingekürzt. Religion zum Beispiel, die in Civilization 3Einzug hielt, gibt es nicht mehr, eben sowenig wie die Gesundheit der Bevölkerung oder Umweltverschmutzung. Im Vergleich zu Civ 4hat Firaxis zwölf Technologien, acht Weltwunder und sieben Ressourcentypen eingespart.

Zwei grundlegende Spielkonzepte funktionieren nun anders als gewohnt: Finanzen und die Zufriedenheit der Bevölkerung. Vor allem beim Geldfluss werden Veteranen verwundert feststellen, dass ihnen bewährte Funktionen zum Ausgleich der Staatskasse fehlen. Der Steuersatz ist gestrichen, Städte können keine Gebäude mehr verkaufen. Dazu frisst jeder Geländeausbau, von Farmen bis Straßen, Unterhalt. Wer ins Minus rutscht, dem streicht das Spiel erst seine Forschungsausgaben zusammen, dann löst es Militäreinheiten auf. Das hat den interessanten Effekt, dass Bauvorhaben mit Blick aufs Staatssäckel vorausschauender geplant werden müssen.

Die Abwägungen entlang der Einnahmengrenze sind hochspannend. Braucht Athen wirklich noch eine Mine im Umland? Korinth würde sehr von einem Theater profitieren, aber ist das die Kosten wert? Was ist wichtiger, ein zusätzlicher Armbrustschütze an der Front oder ein Arbeitstrupp im Hinterland? In Krisenzeiten führt die verzweifelte Suche nach Geld zu sittenwidrigen Deals mit anderen Nationen, um nur irgendwie noch 20 Gold zusammenzukratzen und durchzuhalten, bis Sparta die rettende Bank baut.

Noch dramatischere Auswirkungen hat die Unzufriedenheit der Bevölkerung, die gleichzeitig zeigt, wie sinnvoll Vereinfachungen sein können. Ihre Bürger stören sich nur noch an einer einzigen Sache: der Größe des Reichs. Je mehr Städte und Einwohner, desto lauter der Unmut. Wer nach gelernter Civ-Strategie rapide expandiert, der steht in kürzester Zeit vor einem Scherbenhaufen, denn das Volk murrt schnell. Zwar kann man mit Unzufriedenheit genau wie mit Finanznot durchaus weiterspielen, aber dann stagniert das Wachstum, die Konkurrenznationen ziehen davon.

Civilization 5 - Die Weltwunder im Bild ansehen

Sie müssen deshalb auf vielfältige Art für Ausgleich sorgen, Unterhaltungsgebäude errichten, Luxusressourcen erschließen, Handelswege errichten, passende Sozialpolitik einführen. Dazu kommt die Interaktion mit den neuen neutralen Stadtstaaten, deren Freundschaft Sie sich teuer erkaufen oder durch Erfüllung konkreter Aufgaben (»Vernichte Stadt X«, »Baue Weltwunder Y«, »Erschaffe die Große Persönlichkeit Z«) erarbeiten. Im Gegenzug profitieren Sie von wichtigen Bonusressourcen oder Einheiten, die ein so gewonnener Freund bereitstellt.

Angst vor der Abwärtsspirale

Diese Anpassungen verändern die Art, wie man Civilization spielt, und das macht den fünften Teil zu einer überraschend frischen Erfahrung, ähnlich wie es der Ableger Call to Power1999 schon einmal geschafft hat. Althergebrachte Strategien funktionieren nicht mehr zwangsläufig, sich neue auszudenken motiviert beträchtlich, zumal die Entscheidungsbreite trotz aller Schnitte unverändert groß ist. An manchen Stellen hat Civilization 5 sogar zugelegt, statt der 25 Regierungsformen gibt es nun zum Beispiel 60 (!) durchweg nützliche Formen der Sozialpolitik, die Sie mit Kulturpunkten einkaufen.

Der Zwang zu stärker vorausschauender Planung führt aber Einsteiger schneller in eine Abwärtsspirale. Wer rettungslos verschuldet ist, vom halben Volk gehasst oder an einer ungesicherten Grenze vom Feind überrascht wird, für den gibt es keine schnellen Problemlösungen. Verbissene Strategen können zwar versuchen, ihr Reich wieder zurechtzubiegen, sinnvoller ist aber oft der Neustart.

Profis wird es zu hören freuen, dass die Bautrupps in der Automatik längst nicht mehr so perfekt arbeiten wie in Civilization 4 und von klugen Strategen deshalb besser selbst gesteuert werden, zumal man sehr viel weniger von ihnen benötigt. Für Einsteiger bedeutet das zusätzlichen Lernaufwand. Ärgerlich dabei, dass die Zusammenhänge im Spiel nur unzureichend erklärt werden; die Zivilopädie bleibt an vielen Stellen ernüchternd dünn, die Tutorials funktionierten in unserer Testversion nicht.

Sid Meier's Civilization 5 - Screenshots ansehen

Für das traditionell größte Problem der Serie findet auch Civ 5 keine Lösung: Im Endspiel, wenn die Karte vollständig aufgedeckt ist, die Bautrupps auf Automatik stehen und die Städte ihre Auftragslisten abarbeiten, bleibt kaum noch etwas zu tun. Es sei denn, Sie führen Krieg.

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