Das größte Problem der neuen Star-Wars-Spiele

Meinung: Obwohl Star Wars Jedi: Fallen Order ein wirklich gutes Spiel war, sorgt Disneys Star-Wars-Strategie dafür, dass wir bestimmte Star-Wars-Spiele nie wieder sehen werden.

von Dimitry Halley,
19.02.2020 14:54 Uhr

Unter der EA-Ägide entstanden Star Wars: Battlefront (2015 & 2017) sowie Star Wars Jedi: Fallen Order. Unter der EA-Ägide entstanden Star Wars: Battlefront (2015 & 2017) sowie Star Wars Jedi: Fallen Order.

Damals dachte ich, Disney hätte eine gute Idee. 2012 bis 2015 begann eine frische Ära für den Krieg der Sterne, neue Filme wurden angekündigt, George Lucas schied aus, Micky Maus stieg ein - und für die Gaming-Branche am wichtigsten: Die neue Führungsriege drückte den Reset-Knopf.

All die bisherigen Star-Wars-Geschichten aus Büchern, Comics und Spielen wurden zu den Akten gelegt, ein Neustart erfolgte, der uns so (!) eine (!) coole (!) Zukunft in Aussicht stellte! Denn alle neuen Star-Wars-Spiele würden Geschichten erzählen, die offiziell in den Krieg-der-Sterne-Kanon eingehen.

Heißt konkret: Wenn ihr beispielsweise als Luke Skywalker in einem Star-Wars-Spiel einen Sith vermöbelt, dann handhaben kommende Filme diese Prügelei so, als hätte sie tatsächlich stattgefunden. Was für eine Chance! Star-Wars-Spiele könnten in Zukunft sogar für das ganz große Kino relevant werden! Da schlackert Watto vor Freude das Doppelkinn.

Doch in der Realität geschah das genaue Gegenteil. Die neue Regelung verdammt Star-Wars-Spiele zur Belanglosigkeit. Und mehr noch: Ausgefallene Ideen wie ein The Force Unleashed 3 werden dadurch nahezu unmöglich. Dröseln wir das Problem mal auf.

Neu ist nicht immer schlecht

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin kein blinder Fanboy des alten Expanded Universe. Ja, die Star-Wars-Bücher, -Comics und -Spiele von einst bescherten uns unvergesslich coole Figuren wie Mara Jade, Kyle Katarn oder Jaina Solo, die seit 2015 offiziell nicht mehr existieren. Doch für fast jede gute Geschichte findet sich ein schlechtes Gegenstück.

Der Autor: Dimi durchlebt seit den 90ern alle Hochs und Tiefs des Star-Wars-Universums. Das alte Expanded Universe hat er über so ziemlich jedes Medium verschlungen. Und auch wenn er der guten alten Zeit ab und an hinterher trauert, bemüht er sich um Fairness gegenüber dem Sequel-Kosmos. Denn auch hier finden sich echte Perlen (Bloodline, Master & Apprentice) in einem Haufen aus sehr viel Meh. Doch wer weiß, wie die Zukunft aussieht. Jetzt wo die Kinofilme erstmal durch sind, könnte der Krieg der Sterne kreativ wieder an Fahrt gewinnen.

Über die letzten Jahrzehnte musste Lucasfilm einen immer größer werdenden Ballast an absurder Star-Wars-Lore mit sich schleppen, die eigentlich niemand braucht. Etwa Jaxxon, das Star-Wars-Häschen aus den trashigen Marvel-Comics der 80er. Oder die Raumstation Eye of Palpatine, auf der sich sprechende Pflanzen für Sturmtruppler halten, weil sie von einer KI gehirngewaschen wurden. Und wusstet ihr, dass es auf Endor einen weinenden Berg namens Mount Sorrow gibt, dessen Tränen alles heilen? Eben.

Mount Sorrow stammt aus den Ewok-Comics, die Lucasfilm wahrscheinlich lieber vergessen würde. Mount Sorrow stammt aus den Ewok-Comics, die Lucasfilm wahrscheinlich lieber vergessen würde.

Die Zeit war reif für einen Neustart. Luke Skywalker hatte sich in den Büchern zu einem nahezu unzerstörbaren Machtgott entwickelt, das Expanded Universe war genug expandiert - dass Disney hier nicht andockt, sondern etwas Neues probiert, hielt und halte ich für den richtigen Weg. Doch der Traum vom großen, neuen transmedialen Star-Wars-Paradies, das Kinofilme, Bücher, Comics und Spiele harmonisch vereint, ist zumindest für mich erstmal geplatzt.

Korsett statt Kreativität

Denn die neue Maxime, dass alle Star-Wars-Spiele in den offiziellen Story-Kanon passen müssen, entpuppt sich als Korsett. Die neuen Comics, Bücher und Spiele wagen nur noch kleine Babyschritte. Dass ein Buch Luke Skywalkers Verlobte einführt und ein Spiel sie später zur Hauptfigur macht (wie damals Jedi Knight: Mysteries of the Sith) scheint heute undenkbar.

So sehr ich die Story von Star Wars Jedi: Fallen Order auch mochte: Für das große Ganze ist sie völlig belanglos. Cal Kestis' Bestrebungen sind ein Tröpfchen auf dem heißen Stein, an den Säulen von Star Wars wird nicht mal ein Millimeterlein gerüttelt. Vergleicht das mit einem Jedi Knight 2, wo eine Horde dunkler Jedi Lukes Jedi-Akademie überfällt. Oder eben mit The Force Unleashed.

Star Wars Jedi: Fallen Order erzählt eine herzerwärmende kleine Nebengeschichte. Aber eben nur das. Star Wars Jedi: Fallen Order erzählt eine herzerwärmende kleine Nebengeschichte. Aber eben nur das.

The Force Unleashed bricht in so vielen Punkten mit der Star-Wars-Lore, lässt die Skywalkers im Vergleich zu Starkiller wie Jedi-Gurkenschneider aussehen. Die Hauptfigur zieht nicht nur Sternenzerstörer mit der Macht aus dem Orbit, sondern besiegt auch Darth Vader und den Imperator im Alleingang und gründet mal nebenbei die Rebellenallianz. Im offiziellen Kanon hat so eine Story natürlich nichts verloren.

Aber The Force Unleashed illustriert eben auch, dass Lucasarts damals keine Angst hatte, die Lore mal Lore sein zu lassen, wenn man dafür Spielspaß und Spektakel auf ein neues Level hieven kann. Konsequenzen gab es schließlich keine, weil offizielle Filme und Serien das Expanded Universe fast ausnahmslos ignorierten.

Was Star Wars heute fehlt

Und genau das fehlt mir heute! Das neue Expanded Universe ist so unfassbar brav, weil Disney große Veränderungen scheut. Sie könnten ja mit künftigen Plänen kollidieren. Erst nach Episode 9 erleben wir in den Comics mal im Ansatz, wie die Ausbildung von Kylo Ren aussah. Das hätte ich so gerne früher gewusst!

Bücher zu Solo, Star Wars 8 oder Rogue One (Catalyst) erzählen zwar häufig gut geschriebene, aber ermüdend egale Geschichten. Was machten Jyn Ersos Eltern, bevor sie ins Exil gingen? Wie sah Han Solos Jugend auf den Straßen Corellias aus? Und was passiert sonst so auf Canto Bight? Das alles sind kleine Fragen, auf die kleine Geschichten kleine Antworten formulieren. Meh.

Natürlich können Spiele wie Star Wars: Battlefront 2 und Fallen Order auch im Kleinen tolle Geschichten erzählen. Aber ich bin überzeugt, dass Star-Wars-Spiele wieder das ganz grobe Kaliber brauchen. Eine Story von der Kragenweite eines Jedi Knight, wo wir erstmals Lukes Akademie sahen, oder The Force Unleashed oder eben The Old Republic, wo ein Videospiel eine komplett neue Ära erschuf, die bis heute den gesamten Krieg der Sterne prägt.

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Videospiele waren einst eines der kreativen Zugpferde der Star-Wars-Landschaft. In Tie Fighter, Jedi Knight, Republic Commando und Co. wurden Fantasien erweckt, die Kids der 80er, 90er und 00er bis heute beflügeln. Ich würde mir wünschen, dass EA diese Strahlkraft für sich entdeckt. Ich würde mir wünschen, dass ein The Force Unleashed 3 Realität wird. Die Chancen stehen derzeit schlecht, doch wer weiß: Selbst Weltraum-Hase Jaxxon ist seit 2018 wieder offizieller Teil des Kanons. Und das ist doch ... gut?

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