Frodo, der Hobbit aus dem Auenland, muss sich auf seiner Reise nach Mordor vielen finsteren Schrecken stellen. Die meisten davon werden ihm direkt vom Dunklen Herrscher Sauron gesandt, wie natürlich die Ringgeister oder Horden an Orks. Doch es gibt auch einige schreckliche Begegnungen, mit denen Sauron wenig zu tun hat.
Man denke allein an den furchtbaren Balrog in Moria oder auch den Torwächter vor Moria. Moria ist schon ein ziemliches Höllenloch. Doch noch schlimmer trifft es Frodo erst, als er von Gollum in eine grausame Falle gelockt wird! Am Pass von Cirith Ungol begegnet der kleine Hobbit zusammen mit seinem Freund Sam einem uralten Monstrum.
Wer die Filme kennt, weiß, dass es hier um Kankra geht. Doch wer aufgrund der Filme das Monstrum einfach nur für eine große Spinne hält, begeht einen Fehler. Kankra ist etwas viel Schlimmeres und das hängt komplett mit dem Ursprung dieses Wesens zusammen.
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Der Herr der Ringe: The Hunt for Gollum - Im ersten Teaser gibt's einen motivierten Andy Serkis und eine erste Kulisse zu sehen
Warum Kankra nicht nur eine große Spinne ist
In der Romanvorlage zu Der Herr der Ringe wird Kankra nie konkret einfach nur als Spinne bezeichnet. Stattdessen nennt sie Tolkien hier ein »böses Geschöpf in Spinnengestalt«. Konkreter wird Kankra in der deutschen Übersetzung von Margaret Carroux folgendermaßen umrissen:
»Fast wie eine Spinne war sie, aber größer als die großen Raubtiere [...]. Große Hörner hatte sie, und hinter ihrem kurzen, stielartigen Hals war ihr riesiger, geschwollener Leib, ein gewaltiger aufgeblähter Sack, zwischen ihren Beinen schaukelnd und durchhängend. Ihr Rumpf war schwarz, mit bläulichen Malen bedeckt, aber die Unterseite des Bauches war fahl und leuchtend und strömte einen Gestank aus. Ihre Beine waren angezogen, die großen, knotigen Gelenke ragten hoch über ihren Rücken hinaus, und sie hatte Haare, die wie Stahlstacheln herausstanden, und an jedem Bein saß eine Klaue.«
Tolkien war es offenbar ein Bedürfnis, den Leserinnen und Lesern klarzumachen, dass Gollum die beiden Hobbits nicht nur in das Netz eines übergroßen Weberknechts gelockt hatte. Kankra weist viel monströsere Züge auf. Was übrigens Sams Sieg über die Bestie noch mal in ein ganz anderes Licht rückt. Zumal Kankra obendrein durchaus über höhere Intelligenz verfügt und stellenweise gar als nahezu unverwundbar bezeichnet wird.
Denn Kankra stammt von einem gewaltigen Ungetüm ab, dämonischer Ausmaße. Auch Kankra selbst gilt damit mindestens als halbdämonisch. Ihre Mutter war immerhin eines der schrecklichsten Wesen, die je in Mittelerde existiert haben: Ungoliant.
Warum heißt Kankra eigentlich Kankra?
In der ersten deutschen Übersetzung entschied sich die Übersetzerin Margaret Carroux dafür, den englischen Namen des Spinnenmonstrums sinngemäß zu übersetzen. Auf Englisch wird Kankra immerhin Shelob genannt. Das ist eine Wortschöpfung Tolkiens, aus »She« für »Sie« und »Lob«, was ein altenglisches Wort für Spinne ist. Shelob bedeutet also einfach nur weibliche Spinne.
Fürs Deutsche zog Carroux daher das Wort »Kanker« zur Rate, das ebenfalls kaum noch in Gebrauch ist und Spinner, Weberknecht oder auch Krebs bedeutet. Dem gab Carroux mit »-ra« noch ein typisch feminines Suffix. Geboren war Kankra.
Kankras Ursprung
Ungoliant ist ein monströses Wesen, das in Der Herr der Ringe nicht länger existiert und das ähnlich mysteriös erscheint wie beispielsweise auch Tom Bombadil. Ihr Ursprung ist ein komplettes Mysterium. Manche halten sie ähnlich wie Tom Bombadil womöglich für einen verdorbenen Maiar. Damit wäre Ungoliant gleichen Ursprungs wie Gandalf, Sauron oder die Balrogs. Doch eindeutig geklärt wurde das von Tolkien nie.
Ungoliant kann genau so gut aus dem Nichts selbst entstanden sein oder ein schrecklicher Geist sein, der durch unbekannte Umstände in die Welt geboren wurde. Fest steht, dass Ungoliant im Ersten Zeitalter existierte und gewaltigen Schaden angerichtet hat. Sie war ein Monstrum aus purer Dunkelheit, wenn auch ebenfalls spinnenartig. Jedoch noch viel monströser als selbst Kankra. Ein Monster, das Licht verschlang.
Diese Fähigkeit machte sich schließlich der bösartige, gottgleiche Morgoth zunutze. Der Valar wollte sich an seinen Geschwistern rächen und hatte es auf ihre schönste Schöpfung abgesehen. Den zwei Bäumen von Valinor, die der Welt damals das Licht gaben (Sonne und Mond sind in Mittelerde nur Überreste des Lichts der zwei Bäume).
Ungoliant wurde von Morgoth zu den Bäumen gebracht, wo sie ihr Licht auffraß, die Bäume vergiftete und damit zerstörte. Die ganze Welt tauchte die dämonische Spinne dadurch in Dunkelheit. Obendrein wuchs Ungoliant noch weiter an und wurde noch mächtiger, noch unersättlicher. Sie hätte sogar beinahe Morgoth selbst gefressen, als dieser ihr nicht die geraubten Silmaril (Edelsteine, in denen ebenfalls das Licht der Bäume aufbewahrt wurde) aushändigen wollte. Nur eine Horde Balrogs konnte den schwarzen Valar davor bewahren.
Danach zog sich Ungoliant über ein Gebirge in ein Tal zurück, wo sie ein Reich des Todes und des Verfalls gründete. Dort paarte sie sich mit »anderen eklen Geschöpfen in Spinnengestalt«, die sie danach einfach auffraß. Doch daraus gingen eben viele Nachkommen hervor. Kankra ist die letzte lebende Erbin Ungoliants, der Weberin der Düsternis.
Ungoliants Schicksal ist übrigens ebenfalls komplett unklar. Es heißt nur, dass sie sich in ihrer Gier irgendwann einfach selbst verschlang.
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