Destiny 2: Forsaken - Warum Bungie jetzt die DLCs verschenken sollte

Mit Destiny 2: Forsaken will Bungie zerstörtes Vertrauen zurückgewinnen - aber für Spieler hat das seinen Preis. Die Entwickler hätten großzügiger sein sollen.

von Maurice Weber,
04.09.2018 19:23 Uhr

Von Forsaken hängt viel für Destiny 2 ab - aber Bungie hätte auch die DLCs Curse of Osiris und Warmind einsetzen können, um ein Signal an die Fans zu schicken. Von Forsaken hängt viel für Destiny 2 ab - aber Bungie hätte auch die DLCs Curse of Osiris und Warmind einsetzen können, um ein Signal an die Fans zu schicken.

Zum Release der Forsaken-Erweiterung bietet Destiny 2 jede Menge toller Deals an - nur nicht für seine treuesten Kunden. Wer das Spiel bislang noch gar nicht besitzt, der kann sich freuen: Besitzer eines Playstation Plus-Abos bekommen's geschenkt, und der Forsaken Legendary Collection liegt das Grundspiel ebenfalls ohne Aufpreis bei.

Nur wer Destiny 2 damals zum Release gekauft hat und im Lauf des ersten Jahres von Bungies Lawine an Fehltritten vergrault wurde - so wie ich - der geht leer aus. Dabei müsste Bungie gerade solche Spieler zurückgewinnen. Und ist ihnen, seien wir ehrlich, auch noch was schuldig.

Der Autor
Maurice Weber (@Froody42) wollte Destiny eigentlich immer mögen, aber Bungie machte es ihm nie leicht. Der erste Teil erschien gar nicht erst für PC, der zweite machte nach einem vielversprechenden Release so ziemlich alles falsch. Bei den Erweiterungen Curse of Osiris und Warmind war für Maurice dann Schluss - die boten zu wenig Inhalt für zu viel Geld, und Bungie behandelte seine Fans zu schlecht. Trotzdem hatte Maurice einigen Spaß mit Destiny 2, fand das grundlegende Shooter-Gameplay klasse und ist sowieso immer leicht zu kriegen, wenn's nur jede Menge cooler Items zu erbeuten gibt. Er hofft daher, mit Forsaken endlich das Destiny zu kriegen, das er sich schon so lange wünscht.

Forsaken hat seinen Preis

Um das mal aufzudröseln: Forsaken kostet 40 Euro. Ein stolzer Preis für eine Erweiterung, aber nicht völlig unerhört - ein richtig gutes Addon könnte das wert sein. Obendrauf brauchen wir aber die beiden bisherigen DLCs Fluch des Osiris und Kriegsgeist. Die schlagen mit 20 Euro im Expansion Pass zu Buche. Wer sie noch nicht besitzt, muss für Forsaken also 60 Euro zahlen - so viel wie für ein Vollpreis-Spiel.

Ebendiese 60 Euro will Bungie auch für die Forsaken Legendary Collection. Die enthält alle DLCs und das Grundspiel - einen Preisvorteil hat hier also nur, wer Destiny 2 noch gar nicht besitzt. Es gibt kein günstigeres Bundle für die, die den Shooter damals zum Release gekauft haben.

Bizarrerweise muss man selbst dann noch 60 hinblättern, wenn man einen der beiden DLCs schon sein Eigen nennt. Dann kostet der zweite allein nämlich immer noch 20 Euro, also genauso viel, wie beide zusammen für Neukäufer im Expansion Pass kosten würden. Kurz gesagt: Je mehr ihr von Bungie bereits gekauft habt, desto weniger profitiert ihr von den Forsaken-Deals.

Destiny 2: Forsaken - Screenshots der Erweiterung ansehen

Großzügigkeit ist die cleverste Marketing-Strategie

Nun ist es freilich schlaues Kalkül, möglichst viele neue Spieler anlocken zu wollen - aber es wäre genauso schlau, auch den Fans ein attraktiveres Rückkehr-Angebot zu machen, die Bungie seit Release verloren hat. Denn schon in den ersten Monaten nach Launch fuhren die Entwickler ihr Verhältnis zur Community komplett gegen die Wand. Wohl ihr dreistestes Bubenstück war die heimliche XP-Drosselung, die uns stetig langsamer Lootboxen verdienen ließ - und als die Fans das aufdeckten, gelobte Bungie im einen Atemzug Besserung und verdoppelte im nächsten einfach mal die XP-Anforderungen für Lootboxen. Wieder heimlich, versteht sich.

Das sagte Maurice damals zum Skandalmarathon: Reißt euch zusammen, Bungie!

Die Krone setzten all dem dann genau die beiden DLCs auf, die wir jetzt für Forsaken brauchen. Curse of Osiris und Warmind entpuppten sich als überteuerte Mogelpackungen, die nicht nur enttäuschend wenig neue Inhalte boten, sondern uns sogar teils alte wegnahmen! Plötzlich konnten Originalspiel-Besitzer keine Prestige-Raids mehr spielen, wenn sie sich nicht Curse of Osiris holten.

In den Bungie-Foren gab es eine Weile lang nichts anderes zu lesen als bergeweise Petitionen, das Lootbox-Everversum aus dem Spiel zu werfen. In den Bungie-Foren gab es eine Weile lang nichts anderes zu lesen als bergeweise Petitionen, das Lootbox-Everversum aus dem Spiel zu werfen.

Kein Wunder, dass nicht nur Spieler, sondern selbst Twitch-Zuschauer und sogar prominente Streamer und Youtuber - also die eingefleischtesten Fans - nach und nach absprangen. Nun soll Forsaken alles wieder gutmachen. Und wer weiß, vielleicht tut es das sogar – noch ist es für eine Einschätzung zu früh. Aber für die Wiedergutmachung müssen abgesprungene Spieler der ersten Stunde nicht nur die neue Erweiterung kaufen - nein, sie müssen nun außerdem noch das Geld für die lahmen Lückenbüßer-DLCs auf den Tisch legen! Genau die, die ihnen das Spiel damals madig gemacht haben! Und die seit damals keinen Deut attraktiver geworden sind.

Nun ist es Teil des MMO-Modells, dass Erweiterungen aufeinander aufbauen. Das will ich nicht grundsätzlich kritisieren. Aber wenn es sich Bungie schon leisten kann, völlig neuen Spielern das komplette Grundspiel zu schenken - wären dann nicht zumindest auch Gratis-DLCs für alte Fans dringewesen? So müssten die tatsächlich nur Forsaken für 40 Euro kaufen, um zurück ins Gefecht zu springen. Bungie würde mehr alte Spieler wiedergewinnen, würde nach dem schwierigen ersten Jahr ein aus meiner Sicht dringend nötiges »Wir haben verstanden«-Signal in Richtung Community senden - und alle wären glücklich.

Wenn Forsaken seine Versprechen hält, versteht sich. Das werden wir euch in den kommenden Tagen auf GameStar.de mitteilen.

Destiny 2: Forsaken - Vorschau-Video: Kommt das Beste aus Destiny 1 zurück? 9:32 Destiny 2: Forsaken - Vorschau-Video: Kommt das Beste aus Destiny 1 zurück?


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