Ich begleite die Diablo-Reihe nun schon seit vielen Jahren für GameStar, doch meine Liebe zur Serie ist schon deutlich älter. Noch zu Schulzeiten habe ich mit meinem besten Freund Severin viele, viele Monate lang nur Diablo 2 gezockt.
Jeden Tag huschten wir nach dem Unterricht an den Rechner, klemmten uns zum Unmut unserer Eltern für etliche Stunden das heimische Telefon ans Ohr und befreiten Sanktuario von Dämonen. Was uns damals sofort gefesselt hat, war das Setting.
Diablo schafft den perfekten Spagat zwischen einer eigenen spannenden Hintergrundgeschichte und antiken bis biblischen Figuren sowie Motiven, die uns in unseren westlichen und nahöstlichen Kulturen praktisch schon in die Wiege gelegt werden.
Lilith findet als dämonische Verführerin schon auf sumerischen Steintafeln Erwähnung, und die Erschaffung der Nephalem/Menschen als Gegenpol zu Dämonen und Engeln weist einige Parallelen zum Gilgamesch-Epos auf (Enkidu), mit 20.000 Jahren eine der ältesten Erzählungen überhaupt.
Solche Motive wiegen so schwer wie ganze Zeitalter der Menschheitsgeschichte, und Diablo schafft es, dieses Gewicht in seine Atmosphäre aufzunehmen. Wenn ein Erzdämon oder -engel die Bühne betritt, ist das ein epochales Ereignis von beispielloser Tragweite.
Oder zumindest war es das, denn in der mittlerweile elften Saison von Diablo 4 fühlt es sich fast schon wie normales Tagesgeschäft an. Die vier niederen Übel Azmodan, Andariel, Belial und Duriel kreuchen inzwischen überall in Sanktuario herum, teilweise sogar an mehreren Orten gleichzeitig. Und dank des Cosmetic-Shops laufen mehr Menschen mit Engelsflügeln herum, als es Engel in den Himmeln gibt.
Das Ganze nimmt dermaßen Überhand, dass in mir die Befürchtung wächst, Blizzard verschiebe seinen Fokus langsam auf neue Projekte. Wenn in der kommenden Erweiterung Lord of Hatred schließlich auch Oberstratege Mephisto abgefrühstückt wird … Was bleibt dann noch?
Wie will man den zwei verbliebenen Höllenfürsten Diablo und Baal einen gebührenden Auftritt bescheren, wenn der Weltuntergang längst Alltag geworden ist? Oder spart man sich die beiden gleich für Diablo 5 auf? Ich bin ganz ehrlich: Ich mache mir Sorgen um die Zukunft von Diablo.
2:16
Diablo 4: Das macht den neuen, alten Paladin in Lord of Hatred so besonders
Tyrael schreibt Geschichte
Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen: An einem verregneten Nachmittag starte ich den Rechner, die Hände vor Vorfreude beinahe am Zittern. Tags zuvor hatte ich mit Müh und Not Andariel, die Herrin der Qualen, in der Kathedrale besiegt. Jetzt wartet die Karawane nach Lut Golein auf mich.
In der einleitenden Zwischensequenz des zweiten Aktes von Diablo 2 zieht der Dunkle Wanderer mit seinem nicht ganz freiwilligen Begleiter Marius durch die Wüste. In dieser Nacht hat Marius einen Traum, der ihm wie eine Erinnerung seines Begleiters erscheint.

Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.