Crackdown
Aber, wo wir gerade bei abgedrehter Sandbox-Action sind, dürfen wir eine lange Zeit Xbox-Exklusive-Serie auch nicht vergessen: Crackdown. Der kuriose Twist ist hier ja, dass hinter dem ersten Crackdown von 2007 niemand Geringeres als David Jones steckte, der Mastermind hinter GTA 1 und GTA 2.
Spannend war der erste Teil für viele zunächst aber wohl, weil da ein Zugangscode zur Beta von Halo 3 mit in der Verpackung lag. Dass sich Crackdown dann auch noch als ziemlicher Kracher erwies, war aber natürlich auch eine schöne Überraschung.
Statt das typische Gangster-Narrativ zu bedienen, drehte das Spiel den Spieß mal wieder um, ähnlich wie True Crime oder LEGO City Undercover. Allerdings sind wir hier als genetisch aufgemotzter Super-Cops in der offenen Welt von Pacific City unterwegs.
Je mehr Bandenmitglieder wir ausschalteten, desto stärker wurden wir. Am Ende warfen wir mit Lkw um uns und sprangen hunderte Meter weit über Wolkenkratzer. Doch wie so oft bei potenziellen GTA-Konkurrenten geriet auch diese Serie irgendwann ins Stolpern. Genau genommen bei Teil 3.
Die Ankündigung klang zunächst noch nach einer Revolution: Dank der Power von »Cloud Computing« sollte die gesamte Open-World-Stadt detailliert zerstörbar sein. Doch der Release wurde immer wieder verschoben.
Als Crackdown 3 dann endlich erschien – begleitet von einer großen Marketing-Kampagne mit Hauptdarsteller und Hollywood-Star Terry Crews –, war die Ernüchterung groß. Die revolutionäre Cloud-Zerstörung gab es nur in einem separaten, schnell vergessenen Multiplayer-Modus. Die Kampagne selbst wirkte aus der Zeit gefallen. Crackdown war tot.
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Crackdown 3 - Test-Video zur Open World-Enttäuschung
Watch Dogs
Wenn es einen Publisher gab, der Rockstar tatsächlich auf seinem eigenen Feld mal hätte systematisch gefährlich werden können, dann war es wahrscheinlich Ubisoft. Und auch nur zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte, nämlich vor rund 15 Jahren.
Damals wurde kurz vor dem Release von GTA 4 auf PS3 und Xbox 360 das erste Watch Dogs angekündigt und das zeigte ähnlich wie Saints Row eine Generation zuvor, wie Open-World-Spiele der nächsten Generation aussehen könnten.
Nämlich verdammt beeindruckend, so beeindruckend sogar, dass das fertige Spiel dann beim Release 2014 nicht mehr an die Qualität der Demo heranreichen konnte und lange Zeit vor allem durch sein Grafik-Downgrade für Schlagzeilen sorgte. Dieser Makel haftete tatsächlich der ganzen Serie und Ubisoft allgemein ziemlich lange an, wobei man fairerweise auch mal sagen muss, dass Watch Dogs 1 selbst mit Grafik-Downgrade noch irre gut aussah.
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Watch Dogs - Grafikvergleich: Trailer von 2012 gegen finale PC-Grafik
Aber Ubisoft hatte geschummelt und das Publikum war dem Publisher ohnehin schon ein bisschen negativ gegenüber eingestellt, weil die berühmte Ubisoft-Formel die Open-World-Spiele immer ähnlicher machte.
Dass auch andere Entwickler bei ihren Demos davor und danach immer mal wieder zu viel versprochen haben, ob nun mit voller Absicht oder einfach aus Selbstüberschätzung was beispielsweise die nächste Hardware-Generation oder auch die eigenen Fähigkeiten angeht, spielte für den Skandal keine große Rolle. Er war handfest und die Stimmung verdorben.
Als Spiel ging Watch Dogs aber durchaus interessante Wege und ließ uns die Umgebung per Hacking manipulieren. In einem windigen und oft auch sehr regnerischen Chicago konnten wir als Aiden Pearce nicht nur Autos klauen, Gauner über den Haufen ballern und der nächsten Überwachungsphantasie einen Strich durch die Rechnung machen, wir konnten auch Ampeln manipulieren, Brücken hochfahren und Bankkonten im Vorbeigehen leer räumen.
Und trotz Downgrade-Debatte fand Watch Dogs bis Ende 2014 schon über 10 Millionen Käufer. Grund genug für einen Nachfolger. Mit Watch Dogs 2 ging es 2016 ins sonnige San Francisco. Weg vom düsteren Rachefeldzug, hin zu einer flippigen Hacker-Truppe rund um DedSec, die sich mit Waffen aus dem 3D-Drucker gegen den Überwachungsstaat auflehnte.
Die Prise Fortnite war dem ein oder anderen dann aber dann doch eine Ecke zu viel, also fuhr Ubisoft in Watch Dogs Legion von 2020 einen Gang zurück und kam stattdessen mit einem Marketing-Stunt, der nur leider spielerisch nicht so ganz aufging.
Die Idee war auf dem Papier revolutionär: Es gab keinen festen Hauptcharakter mehr. Jeder NPC im futuristischen London konnte rekrutiert und gespielt werden – von der rüstigen Rentnerin mit Schock-Pistole bis zum knallharten Spion. Das Problem dabei? Ohne eine feste, charismatische Hauptfigur fehlte der Story der emotionale Anker.
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Watch Dogs: Legion im Testvideo - Neue Technik und gute Ideen
Die Serie hat sich letztlich zwar durchaus wacker geschlagen, besonders mit den ersten beiden Serienteilen, aber an die popkulturelle Relevanz von GTA kam auch die coolste Hacker-Oma nicht ran.
Aktuell scheint Ubisoft kein Interesse an neuen Watch-Dogs-Spielen zu haben. Ob wir jemand eine Fortsetzung sehen, ist ungewiss, weil diese Art von Open-World-Spielen inzwischen so teuer in der Produktion sind und Ubisoft an allen Ecken sparen muss
Vielleicht ist es auch besser so, denn gerade Legion war auch an vielen Stellen eine Verschwendung einer unglaublich schönen Spielwelt, die wegen ihrer Design-Schwächen wirklich weh tat. Aktuell muss sich Watch Dogs auf jeden Fall in die Riege der gescheiterten GTA-Konkurrenten einreihen, denn diese Serie hatte Ubisoft tatsächlich als direkten Angriff auf den Rockstar-Platzhirsch angelegt und na ja, schauen wir mal wer noch steht und wer langsam schon wieder in Vergessenheit gerät.

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