Heute thront Rockstar ja unangetastet auf dem Open-World-Olymp. Allein GTA 5 ging schon über 190 Millionen mal über den Ladetisch, selbst wenn der inzwischen meist nur noch digital ist. GTA ist ein Kulturphänomen. Eine Gelddruck-Maschine, die selbst Dagobert Duck erblassen lassen würde.
Über die Jahre wollten aber natürlich auch andere Spiele-Entwickler und Publisher was vom Open-World-Kuchen abhaben und so tauchten immer mal wieder vermeintliche GTA-Killer auf, besonders nach dem Release von GTA 3.
Spoiler-Alarm: Natürlich kam keiner dieser manchmal selbst ernannten, manchmal von außen dazu erklärten GTA-Killer an den Erfolg des Originals ran, im Gegenteil. GTA hat sie alle überlebt.
Aber schauen wir doch trotzdem mal, welche Spiele und Spiele-Serien da in den letzten 25 Jahren so alle am Thron der Rockstar-Ikone sägen wollten - denn das waren längst keine schlechten Spiele. Manche von ihnen waren sogar richtig gut und sind es wert, nicht in Vergessenheit zu geraten.
Und dann gab es natürlich auch noch GTA-ähnliche Spiele, die sich sicherlich nie als bewusste Konkurrenz wahrgenommen haben, sondern das Erfolgsprinzip einfach nur clever für ihre eigenen Ideen nutzen. Aber fangen wir mal ganz weit hinten an, nämlich noch vor GTA 3.
Driver
Erinnert ihr euch an das erste Driver von 1999? Das kam damals zuerst für die PlayStation 1 raus, später aber auch für den PC. Und es war ein geniales Spiel für seine Zeit! Aber man war halt noch ans Auto gefesselt.
2001 kam GTA 3 raus und plötzlich konnte man aussteigen - in einer lebendigen 3D-Open-World! Okay, es war nicht das erste 3D-Spiel, in dem man in Autos ein- und aussteigen konnte, 1999 ging das zum Beispiel auch im Interstate 76-Nachfolger Interstate 82 und sogar Bethesdas leider etwas vergessener Ego-Shooter Terminator: Skynet ließ uns 1996 in 3D-Jeeps einsteigen und durch die düstere Zukunft brettern. Aber GTA 3 war trotzdem eine ganz andere Hausnummer - auch im Vergleich zu Driver.
Und Rockstar konnte sich auch den einen oder anderen genüsslichen Seitenhieb auf Driver nicht verkneifen. In GTA 3 gab’s direkt eine Mission namens »Two-Faced Tanner« – eine direkte Parodie auf den Driver-Protagonisten John Tanner. Missionsgeber Asuka beschreibt ihn sogar als »nutzlos außerhalb eines Autos«.
Die Driver-Entwickler ließen das natürlich nicht auf sich sitzen und starteten dann mit dem dritten Serienteil den Großangriff auf Rockstar. Der Hype um Driv3r war im Vorfeld der Veröffentlichung 2004 jedenfalls ziemlich groß. Schließlich konnte Serienheld Tanner diesmal sogar aussteigen und mit Miami, Nizza und Istanbul gab es auch bei den Locations viel Abwechslung. Ridley Scotts Produktionsfirma drehte sogar einen Kurzfilm zum Spiel! Und das Entwickler-Studio Reflections Interactive schlug im Easter-Egg-Krieg zurück.
In Driv3r konnte man nämlich gleich mehrere versteckte Charaktere namens »Timmy Vermicelli« finden und abknallen. Die Typen trugen Hawaiihemden und knallgelbe Schwimmflügel. Warum: Na ja, weil die Helden der GTA-Serie erst seit San Andreas schwimmen können. Tommy Vercetti aus GTA Vice City musste hingegen noch elendig ertrinken, sobald er auch nur mit dem großen Zeh ins Wasser tippte.
10:09
Driver: San Francisco ist der bislang letzte Teil der Serie, das hier sind die ersten 10 Minuten
Das Problem war nur: Driv3r war als Spiel eine ziemliche Katastrophe - egal ob im Auto oder zu Fuß. Die Animationen wirkten, als hätte Tanner einen Hexenschuss, das Gunplay war ungenau, und es Bugs bis zum Umfallen.
Anstatt GTA zu killen, lieferte Publisher Atari ein unfertiges Spiel ab, das durch dubiose Vorab-Wertungen in Magazinen – dem sogenannten »Driv3rgate« – eher für einen handfesten Skandal als für feuchte Spielerhände sorgte.
Rockstar antwortete übrigens ein letztes Mal in GTA San Andreas auf die Möchtegern-Konkurrenz: Dort spielt nämlich ein Wachmann Videospiele und flucht darüber, wie furchtbar animiert »dieser Tanner« doch sei. 2:1 für Rockstar.

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