The Saboteur
GTA im Zweiten Weltkrieg, mit Nazis abknallen und Paris als Location. So oder ähnlich sah wahrscheinlich der Pitch aus, mit dem das Entwickler-Studio Pandemic sich die Finanzierung für sein Open-World-Actionspiel The Saboteur von Publisher EA sichern konnte.
Leider war der 2009 veröffentlichte Titel dann aber auch der Sargnagel für das Studio, denn auch wenn The Saboteur heute in manchen Kreisen als kurioser Kultklassiker gilt, waren die Verkaufszahlen enttäuschend und auch das Spiel selbst krankte an Design-Schwächen, technischen Problemen und einer holprigen Erzählung.
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The Saboteur: Testvideo zum historischen Anti-Nazi-GTA
Die Prämisse war aber ziemlich cool: Wir spielen hier Sean Devlin, einen irischen Rennfahrer und Mechaniker, der sich im besetzten Paris des Zweiten Weltkriegs dem Widerstand anschließt.
Das Besondere war der visuelle Stil. Gebiete, die stark von den Besatzern kontrolliert wurden, waren komplett in Schwarz-Weiß gehalten, nur rote Fahnen und Blut stachen hervor. Zerstörten wir feindliche Wachtürme oder Zeppeline, kehrte die Farbe und damit die Hoffnung in die Viertel zurück.
Klettern wie in Assassin's Creed, Fahren und Schießen wie in GTA, dazu ein unverbrauchtes Setting – The Saboteur klang auf dem Papier nach einer ernst zu nehmenden GTA-Alternative, doch GTA 4 hatte die Messlatte in der Zwischenzeit schon wieder eine ganze Ecke höher gelegt.
Saints Row
Zwei Jahre vor GTA 4 brachten der vor Jahren bereits aufgelöste und dann aber wieder neu gegründete Publisher THQ und das Entwicklerstudio Volition ein Open-World-Spiel raus, das rückblickend wahrscheinlich am ehesten den Namen GTA-Killer verdient hätte.
Saints Row startete 2006 exklusiv auf der brandneuen Xbox 360 und bediente sich nicht zu knapp an GTA San Andreas: Bandenkriege, Autos klauen und ein basslastiger Hip-Hop-Soundtrack, Schießereien mit den Cops, viele Nebenaktivitäten, einige schon ganz schön abgedreht, andere noch recht bodenständig.
Besonders der erste Serienteil ist halt noch sehr viel GTA und recht wenig von dem, was Saints Row später so besonders machte - nämlich vor allem die Eskalation bis ins völlig Absurde. Aber allein die neue Technik macht das Gangster-Abenteuer schon spannend, schließlich versprach sie einen Ausblick auf das, was später in GTA 4 möglich sein könnte.
Und tatsächlich war das Spiel erfolgreich, auch ohne PlayStation oder PC-Version. Erfolgreich genug sogar, um eine ganze Open-World-Serie aus der Taufe zu heben. Und Saints Row war sehr lange auch die einzige Serie, die trotz ihrer starken Ähnlichkeit zu GTA, auch tatsächlich überlebte - zumindest bis der 2022er-Reboot plötzlich noch näher an GTA ran wollte, seine über die Jahre aufgebauten, ganz eigenen Stärken vergaß und sich die Flügel verbrannte.
Ob Saints Row jemals zurückkehren wird, wissen wir nicht. Aber es war eine erstaunliche Serie. Saints Row hat vielleicht als GTA-Klon begonnen, doch spätestens mit Teil 2 verknüpften die Entwickler das GTA-typische Sandbox-Versprechen mit so viel Over-the-Top-Blödsinn, dass die einstige Kopie trotz GTA-4 und GTA-5-Konkurrenz lange eine Daseinsberechtigung hatte, die sich auch in Verkaufszahlen widerspiegelte.
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Das Testvideo z Saints Row: The Third zeigt, wie abstrus die Serie sein konnte
Dabei sollte Saints Row ja eigentlich was ganz anderes werden, es war nämlich mal als Prequel zu Volitions Science-Fiction-Serie Red Faction angedacht, nur mal so als Fun Fact am Rande. Red Faction wiederum bekam mit dem dritten Serienteil, also mit Guerrilla seinen eigenen Open-World-Ableger, so eine Art GTA auf dem Mars mit eindrucksvoller Zerstörung und zu vielen 08/15-Aufträgen. Sah cool aus, war aber schnell die Luft raus.
Aber zurück zu Saints Row: Spannend war die Serie spätestens ab dem zweiten Teil auch, weil es als Gegenstück zu GTA funktionierte. Während besonders GTA 4 ja sehr geerdet rüberkam und fast schon als Drama funktionierte, dachte sich das Saints Row-Team: »Okay, dann machen wir eben das Gegenteil von ernsthaft.«
Und mit Saints Row: The Third und besonders mit Teil 4 eskalierte die Situation dann völlig. Aus dem Ghetto-Gangster wurde der Präsident der Vereinigten Staaten, der in einer Matrix-Simulation mit Superkräften gegen Aliens kämpft – und das mit einer Waffe, die Dubstep-Musik abfeuert. Saints Row hörte auf, ein GTA-Killer sein zu wollen, und wurde zu einer gigantischen Parodie des gesamten Genres. Wenn nur dieser vermaledeite Reboot nicht gewesen wäre.

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