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Seite 2: Die Gilde 3 Early Access im Test - Das gildet nicht!

Suche KI, bitte melden

Denn von der angekündigten EHE getauften KI (Evolutive Human Emulator) fehlt bisher jede Spur. An deren Stelle vegetieren simple Verhaltensmuster vor sich hin, die selbst mobile Strategiespiele traurig machen würden. Die Folge ist, dass keine Handelsrouten eingerichtet werden können. Die KI ist schlicht zu simpel, um umfangreiche Aufgaben zu übernehmen.

Wer sein Wirtschaftsimperium aufbauen möchte, muss also manuell nachhelfen und jeden Verkauf, jeden Ankauf und jede Produktion händisch eingeben. Wenn man dann noch zwei Angestellte und einen Fuhrmann beschäftigt, glüht die linke Maustaste. Aufgrund der aktuell schwierig zu bedienen Menüs wird die Karriere als Handwerker so zur Tour de Force.

Allerdings haben findige Fans schon einen Trick herausgefunden, wie sie der KI doch einen Handelsweg entlocken können. Indem man Marktplatz-Menü und sein Geschäft gleichzeitig öffnet, bekommt man (vermutlich ungewollt) Zugriff auf Handelsrouten.

Die verschwinden aber nach jedem Neustart wieder und müssen erneut eingetragen werden. Dazu leidet die provisorische Lösung unter vielen Wegfindungsschwierigkeiten und muss manchmal neugestartet werden.

Die Gilde 3 - Video-Fazit: Was ändert sich im dritten Teil? 03:35 Die Gilde 3 - Video-Fazit: Was ändert sich im dritten Teil?

Bisher keine Wirtschaftssimulation

Nach mehreren Spielstunden herrscht auch irgendwann gähnende Leere auf dem Marktplatzstand, da die KI keine Waren von den Produktionsstätten zum Umschlagsplatz bringt. Betriebe wie die Holzfällerhütten oder die Minen bleiben so auf ihren Gütern sitzen.

Abhilfe schafft nur ein persönlicher Gang zu den meist weit entfernten Betrieben, natürlich jedes Mal händisch oder per umständlichem Selfmade-Handelsroutenmodus. Wenigstens lassen sich Hotkeys einstellen, damit die Charaktere automatisch zu bestimmten Gebäuden laufen.

Die Marktplätze ergeben im Moment auch noch wenig Sinn, da jeder Markt auf der Karte der gleiche ist und die gleichen Produkte, in der gleichen Stückzahl und für die gleichen Preise anbietet. Raffiniert eine Nachfragelücke in einem bestimmten Stadtviertel ausnutzen, fällt damit flach.

Trostlose Interaktionen

Den Weg zum reichen Schmiedemogul lassen wir so lieber links liegen. Also raus aus der müffelnden Bude, die in der Innenansicht im Gegensatz zu der Gilde 2 nur ein Standbild zu bieten hat. Im Dialog mit den Bewohnern bleiben uns bis auf minimalste Gesprächsoptionen (die allerdings mit steigendem Level mehr werden) wenige Rollenspiel-Möglichkeiten.

Nachdem uns Laura nach mehreren wunderschön formulierten Komplimenten nur mit leeren Tooltipp-Fenstern belohnt hat, reicht es uns. Wir greifen zum Dolch und setzen dieser Farce mitsamt ihren Knochen ein Ende. Nachdem uns Laura nach mehreren wunderschön formulierten Komplimenten nur mit leeren Tooltipp-Fenstern belohnt hat, reicht es uns. Wir greifen zum Dolch und setzen dieser Farce mitsamt ihren Knochen ein Ende.

Es ist auch völlig unklar, welche Auswirkungen Komplimente haben, da sich kein Wert sichtbar steigert oder angezeigt wird. Benachrichtigungen über mögliche Konsequenzen erscheinen zwar, bleiben manchmal aber einfach leer und damit unlesbar. Dafür plappert der Hauptcharakter bei fast jeder Gelegenheit einen seiner drei Standardsätze nach, darunter natürlich die Erwähnung des Käsetoasts - ein alter Runnig Gag in der Gilde-Reihe.

Der Schiffsmultiplikator

Wer bis hier durchgehalten hat, den wird es wenig wundern, dass auch die Technik bisher sehr unterdurchschnittlich performt. Das Spiel sinkt auch bei stärker Hardware unter 20 Frames, sobald man weiter herauszoomt und bietet dafür ein maximal altbackenes Grafikgewand mit unschönen Charaktermodellen.

Im Gegenzug überzeugte uns das authentisch aussehende Stadtbild mit seinen vielen mehrstöckigen Fachwerkhäusern, das uns in eine mittelalterliche Stimmung versetzen könnte, wenn nicht die vielen Ecken und Kanten der Technik wären. Auf unserer Testkarte Augsburg vermehrten sich nach einer gewissen Spielzeit auch die Handelsschiffe am nahegelegenen Fluss. Die Framerate zerrte das natürlich weiter in den Keller.

Stau auf dem Lech in Augsburg. Die Schiffe nehmen mit der Zeit immer weiter zu. Anders als die Framerate. Stau auf dem Lech in Augsburg. Die Schiffe nehmen mit der Zeit immer weiter zu. Anders als die Framerate.

Das ewige Leid mit Early-Access

Die Liste der Fehler ließe sich noch lange fortsetzen. Zum Beispiel, dass die Diebes-Klasse bisher viel zu profitabel ist und gerne mal Beute im Wert von zwei kleinen Betrieben aus den Taschen seiner Opfer zieht. Oder die vielen Kleinigkeiten wie häufige Abstürze, Kameraprobleme, fehlende Sounds und Charakterporträts oder noch andere Balancing-Schwierigkeiten.

Aber das geht ja einher mit einem Early-Access-Release. Doch nach drei bis vier Jahren Entwicklungszeit ist die aktuelle Version nur ein mit heißer Nadel zusammengestricktes Konzept - eines das so ziemlich alle Features der Vorgänger bietet, aber auch kaum mehr. Und das verwundert dann schon. Besonders frech liest sich da die Steam-Seite, die von einem »fast fertigen Spiel« redet, dem der »letzte Feinschliff« fehlt. Nein, hier muss das ganz grobe Sandpapier ran. Entwickler GolemLabs hat aber immerhin schon kleinere Patches veröffentlicht und weitere angekündigt. Die werden auch bitter nötig sein.

Als Dieb wird das Spiel auch nur unwesentlich besser. Man muss den roten Sichtkreisen der Wachen ausweichen und Passanten ausrauben. Klingt spannender als es ist, da die Wegfindung und die Kamera immer wieder dazwischenfunken. Als Dieb wird das Spiel auch nur unwesentlich besser. Man muss den roten Sichtkreisen der Wachen ausweichen und Passanten ausrauben. Klingt spannender als es ist, da die Wegfindung und die Kamera immer wieder dazwischenfunken.

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