In GTA 5 gibt es viele Orte, an denen man kurz denkt: »Okay, Rockstar, was genau soll das jetzt wieder?« Der Altruisten-Kult oben in den Bergen gehört für mich ziemlich weit nach oben auf diese Liste.
Beim ersten Mal wirkt das Ganze fast wie ein typischer GTA-Witz. Irgendwelche halbnackten alten Männer, ein abgelegenes Camp, ein paar wirre Sprüche über die moderne Welt und junge Menschen. Absurd, unangenehm, aber eben auch so überdreht, dass man es leicht als reine Satire abtut.
Nur ist der Altruisten-Kult deutlich verstörender, wenn man genauer hinsieht!
Wo ihr den Altruisten-Kult in GTA 5 findet
Das Altruisten-Camp liegt in der Chiliad Mountain State Wilderness, also weit im Norden von San Andreas, westlich des Mount Chiliad und abseits der großen Straßen. Wer es selbst finden will, sollte auf der Karte nach dem abgelegenen Lager nördlich von Raton Canyon suchen.
Schon der Ort erzählt viel über diese Gruppe: Das Camp wirkt fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, ist von Mauern umgeben und besteht aus einfachen Holzbauten, Wachtürmen, verlassen wirkenden Gebäuden und alten Versorgungsanlegen.
Was steckt hinter dem Kult? Offiziell erklärt GTA 5 den Kult nur über Andeutungen. Einen klaren Ursprung oder eine große Hintergrundmission gibt es nicht. Sicher ist nur: Die Altruisten verachten Jugend, Konsum, moderne Technik und die Gesellschaft außerhalb ihres Camps. Ihr genaues Ziel bleibt vage, und gerade diese Lücke macht den Ort so unangenehm.
Besonders absurd ist, dass ausgerechnet diese Sekte, die gegen fast alles Moderne wettert, ihre Ideologie über eine eigene Website verbreitet. Das ist kein Logikfehler, sondern vermutlich einer der besten Rockstar-Gags an der ganzen Gruppe: Auch Weltuntergangsfanatiker brauchen offenbar Reichweite.
Das Internet ist natürlich furchtbar, außer, man braucht es gerade selbst für die eigene Propaganda. Wirkt auch in der heutigen Zeit noch fast erschreckend passend, oder?
Das Camp ist zwar grundsätzlich Teil der Spielwelt, aber nicht einfach ein normaler Ort, an dem man gemütlich vorbeischaut. Das Tor ist in der Regel geschlossen, und wer sich als Michael oder Franklin Zugang verschafft, wird von den Altruisten nicht gerade freundlich empfangen. Trevor ist der entscheidende Sonderfall.
Mit Trevor könnt ihr bestimmte Zufallsbegegnungen nicht einfach nur nach Hause oder an ihr eigentliches Ziel bringen, sondern direkt ins Altruisten-Camp fahren. Dazu gehören etwa betrunkene, ahnungslose oder hilflose NPCs, die euch unterwegs um Hilfe bitten.
Spielmechanisch bekommt Trevor dafür Geld. Pro abgelieferter Person gibt es 1.000 GTA-Dollar. Rein praktisch ist das also kein besonders lukrativer Nebenverdienst, zumal ihr damit alternative Ausgänge einzelner Zufallsereignisse verpasst. Der eigentliche Reiz liegt eher darin, dass GTA 5 euch diese düstere Option überhaupt anbietet.
Nach vier abgelieferten Personen kippt die Situation: Die Altruisten verraten Trevor, greifen ihn an und lösen damit eine eigene Schießerei im Camp aus. Danach könnt ihr dort unter anderem Geld und Waffen finden.
Ein besonders starkes Detail: Wenn Trevor mit einem Opfer zum Camp fährt, schaltet sich das Autoradio automatisch aus und eine unheimliche Hintergrundmusik setzt ein. Das Spiel sagt damit nicht direkt: »Das hier ist falsch.« Aber es sorgt dafür, dass man es spürt.
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Und je länger man darüber nachdenkt, desto unangenehmer wird es.
Denn GTA 5 deutet ziemlich klar an, dass diese Menschen dort nicht einfach nur aufgenommen werden. Das Camp ist aggressiv, feindselig und voller verstörender Hinweise. Vieles spricht dafür, dass Rockstar hier eine kannibalistische Sekte andeutet. Ausformuliert wird das aber nie, und genau diese Lücke macht den Ort so beklemmend.
Sogar Ursula kann dort landen
Besonders bitter finde ich, dass Trevor sogar Ursula dorthin bringen kann. Also ausgerechnet jene mysteriöse Anhalterin, über die ich schon einmal einen eigenen Artikel geschrieben habe, weil sie zu den seltsamsten (aber auch irgendwie spannendsten) Nebenfiguren in GTA 5 gehört.
Ursula wirkt ohnehin wie jemand, bei dem Rockstar nie ganz auflösen will, ob sie einfach nur schräg, gefährlich oder tragisch ist. Normalerweise bringt man sie nach Hause und bleibt mit diesem unguten Gefühl zurück, gerade einer Figur begegnet zu sein, die mehr Geschichte in sich trägt, als GTA 5 offen ausspricht.
Mit Trevor kann dieser Moment aber noch dunkler werden. Dann ist Ursula keine kuriose Begegnung mehr, sondern potenziell ein weiteres Opfer, das man bewusst einer Sekte ausliefert. Gerade weil GTA 5 daraus keine große Zwischensequenz macht, sondern es fast beiläufig erlaubt, ist es so unangenehm.
Warum ausgerechnet Trevor so gut in diese Nebenhandlung passt
Das Bittere daran ist, dass ausgerechnet Trevor erschreckend gut in dieses System passt. Er ist brutal, unberechenbar und moralisch längst weit jenseits jeder Grenze. (So hoch fällt übrigens sein virtuelles Kopfgeld aus!) Dass ausgerechnet er Menschen an diese Sekte verkaufen kann, wirkt deshalb nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie eine besonders finstere Trevor-Nebenbeschäftigung.
Es steckt in dem Moment davor.
In der Entscheidung, jemanden mitzunehmen, falsch abzubiegen und zu merken: GTA 5 hat mir gerade nicht nur eine absurde Nebenmission gegeben. Es hat mich an etwas beteiligt, das viel abartiger ist, als es auf den ersten Blick aussieht.
Genau das macht den Altruisten-Kult für mich so stark. Der Witz ist laut, dreckig und typisch Rockstar. Aber darunter liegt plötzlich ein Horror, der gar nicht mehr lustig ist.
Viele Spieler erinnern sich an den Altruisten-Kult vielleicht nur als kuriose Sekte aus GTA 5. Für mich ist er einer dieser Momente, in denen das Spiel kurz die Maske fallen lässt. Dann merkt man: Hinter der Satire steckt manchmal etwas viel Unangenehmeres als jeder Geist oder jedes Monster.

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