Entwickler Hexwar genießt keinen sonderlich tollen Ruf. Ihren Strategiespielen fehlt es oft an Tiefe, an Feinschliff, bissige Zungen sprechen sogar von Fließbandware. Und das ist so ein Jammer, denn was für coole Szenarien decken sie bitte ab: vom antiken Rom über den englischen Bürgerkrieg, die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung und Napoleon, bis hin zum Zweiten Weltkrieg – und eben Warhammer.
Und genau dieses Spannungsfeld macht das 2017er Strategiespiel The Horus Heresy: Battle of Tallarn so tragisch. Das Ding hat viele, viele Probleme, die Balance schießt in puncto Schwierigkeit völlig übers Ziel hinaus, die Präsentation ist ... naja, man merkt Tallarn seine damaligen Mobile-Wurzeln und das kleine Budget stark an. Und dann ist das Spiel aktuell auch leider weder auf Steam, noch auf GOG noch verfügbar.
Aber meine Güte, ist die Idee dahinter cool, deshalb will ich es zumindest mal vorstellen!
Was ist The Horus Heresy: Battle of Tallarn?
Battle of Tallarn orientiert sich stark am deutlich besseren Warhammer 40.000: Armageddon und schenkt sich großes Drumherum-Brimborium: Es geht um knallharte rundenbasierte Taktik-Gefechte, in denen ihr Zug um Zug größtenteils Panzer und Kampfläufer aus der Draufsicht über eine Karte bugsiert und Feindeinheiten idealerweise in die Flanke fallt.
Das Alleinstellungsmerkmal von Tallarn ist sein Szenario: Statt Warhammer 40.000 erwartet euch Warhammer 30.000 – die insgesamt drei Kampagnen spielen während der sogenannten Horus-Häresie, einer Prequel-Ära, die mittlerweile in über 60 Büchern zu einem eigenen Tabletop-Szenario aufgebaut wurde. Das heißt fürs Gameplay vor allem eines: Es kämpfen Space Marines gegen Space Marines.
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The Horus Heresy: Battle of Tallarn ist ein verlorenes Warhammer-Spiel
Denn während der Horus Heresy brechen mehrere Space-Marine-Legionen ihren Eid gegenüber dem Imperium und paktieren mit dem Chaos. Es ist der größte Bürgerkrieg, den die Menschheit je gesehen hat; Kriegsherr Horus richtet die Waffen gegen seine eigenen Leute. Und da sprechen wir nicht bloß von Space Marines, sondern Panzerdivisionen, Gardisten, Mechanicus-Artillerie und, und, und.
Dieser große Bruderkrieg ist für viele Fans mindestens genauso spannend wie das spätere 40k, in Videospielen aber sträflich unterrepräsentiert. Abseits einiger Mobile-Ausläufer und bizarrer Kartenspiele finden sich fast keine ernstzunehmenden Videospiel-Möglichkeiten, die Horus-Häresie mal interaktiv zu erleben.
Und hier kommt eben Battle of Tallarn ins Spiel: Zwei Legionen des Chaos, die Iron Hands und Alpha Legion, suchen auf dem Planeten Tallarn nach einem mystischen Warptor der Eldar. Die Loyalisten wiederum springen den Verteidigern kurz darauf mit allen möglichen Legionsfarben zur Seite, es entbrennen gewaltige Bodenschlachten.
Für wen lohnt sich Battle of Tallarn?
Ihr wählt für jede der drei Kampagnen entweder Verräter- oder Loyalistenseite, im Anschluss noch eines von mehreren vorgefertigten Einheiten-Loadouts und schon geht's los. Die Kämpfe laufen wie gesagt rundenbasiert ab, jede Einheit hat eigene Stärken und Schwächen. Ein Leman-Russ-Vanquisher-Panzer eignet sich mit schwerer Frontpanzerung und einer langsamen Haubitze prima für geradlinigen Beschuss, Imperial-Knights-Walker haben wiederum deutlich mobilere Nahkampfmöglichkeiten und so weiter. Und dann gibt's genretypisch noch den Nebel des Krieges. Ihr solltet also behutsam vorgehen.
Wirklich tief schürft Tallarn aber nicht, gerade die vorgefertigten Einheiten limitieren natürlich eure strategischen Möglichkeiten. Und auf der anderen Seite wird das Spiel dadurch auch saumäßig schwierig: Es herrschen strenge Rundenlimits, Gegner halten viel aus, ihr solltet euch darauf einstellen, Einsätze zu wiederholen.
The Horus Heresy: Battle of Tallarn eignet sich also nur für sehr duldsame Strategie-Fans, die wirklich viel Bock auf die Ära der Horus-Häresie mitbringen und unbedingt mal 30k »nachspielen« möchten. Dann macht Tallarn durchaus Spaß.
Leider, leider ist das Spiel weder auf Steam noch auf GOG noch verfügbar – aus Lizenzgründen wurde es schon vor einer ganzen Weile delisted. Aber hey, vielleicht haben wir ja Glück. Erst vor ein paar Wochen brachte die Warhammer Classics Collection jede Menge verlorene Spiele zurück zu aktuellen Vertriebsplattformen, darunter übrigens auch Armageddon. Möglicherweise bekommen wir ja eine Classic Collection Vol. 2. Oder ein paar Devs fassen sich ein Herz und entwickeln »einfach« mehr Spiele zur Horus Heresy!
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