3 nervige Probleme, die ESO in den Griff kriegen muss

Expertin Gloria spielt The Elder Scrolls Online seit 2014 regelmäßig und hat viel Spaß mit dem MMO. Aber diese drei Probleme treiben sie bis heute zur Weißglut.

von Gloria H. Manderfeld,
27.11.2020 13:19 Uhr

Die drei Probleme muss ESO 2021 endlich angehen! Die drei Probleme muss ESO 2021 endlich angehen!

Seit Release begeistert mich The Elder Scrolls Online durch seine tollen Quests und die faszinierende, detailreiche Welt. Es könnte so schön sein! Wären da nicht diese drei Baustellen, die mir auch nach sechs Jahren immer noch den letzten Nerv rauben. Hier müssen die Entwickler unbedingt nachbessern, wenn ESO 2021 ein zugänglicheres und vor allem besseres MMO werden soll.


Die Autorin:
Mit über zwanzig Jahren Reiseerfahrung in den unterschiedlichsten Welten von MMO(RPG)s hat Gloria schon viele Bugs, Höhen und Tiefen erlebt. Trotz viel Geduld und Verständnis für so manche seltsame Designentscheidung gibt es auch für sie Dinge in den verschiedenen Spielen, die ihr richtig auf die Nerven gehen und die sie am liebsten ändern würde, wenn sie es könnte.

Problem Eins: Miese Serverperformance

Es gibt ein Problem, dem man egal bei welcher Aktivität im Spiel einfach nicht entkommt: Die teilweise unterirdische Serverperformance. Auch wenn die Entwickler seit Jahren Besserung geloben, kommen sie damit einfach nicht voran. Zuletzt ist mir das beim Test für den aktuellen DLC Markath richtig negativ aufgefallen. Immer wieder lösen Skills mit einer Verzögerung von mehreren Sekunden aus oder meine Figur reagiert zäh wie alter Kaugummi auf meine verzweifelten Versuche, gegnerischen Angriffen auszuweichen.

Ob der aktuelle ESO-DLC Markarth als Abschluss des Jahresarbenteuers »Das schwarze Herz von Skyrim« zumindest abseits davon überzeugt, lest ihr in Glorias Test:

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Gerade beim Kampf gegen die mies gelaunte Vampirfürstin wurde mir das mehrfach zum Verhängnis: Hier muss man regelmäßig per Teleport vor einem ihrer fiesen Angriffe flüchten. Blöd, dass man nur teleportieren kann, indem man auf stationäre Portale im Kampfareal klickt. Wenn ich dann mehrfach auf die passende Taste hämmere und nichts passiert, während der Boss meinen Charakter aus den Latschen haut, heißt es schnell: Nochmal von vorn!

Nach dem achten Mal habe ich dann eine Pause eingelegt, um nicht irgendwas an die Wand zu werfen. Ein wenig später hatten sich die Server wieder berappelt und ich den Kampf dann doch geschafft - sonst wäre der Test wohl ins Wasser gefallen!

Das Problem bleibt aber, es tritt mit ätzender Regelmäßigkeit immer wieder auf. Gerade im PvP oder im Effektgewitter von Raidbossen wirkt sich das besonders negativ aus. Auch beim Shoppen im Handelsmarkt habe ich mir wegen Serverhaklern schon öfter mal Zeug angeschafft, das ich gar nicht haben wollte. Für mich ist diese Dauerbaustelle die dringlichste und wichtigste Aufgabe der Entwickler, für die ich auch gerne eine Weile auf neue Inhalte verzichten würde.

Ob die Inhalte des neuen Addons Greymoor zumindest etwas dafür entschädigen, erfahrt ihr hier in Glorias ausführlichem Testvideo:

ESO: Greymoor im Test - Die Skyrim-Rückkehr unserer Träume? 14:03 ESO: Greymoor im Test - Die Skyrim-Rückkehr unserer Träume?

Problem Zwei: Umständliches Handelssystem

Der Handel bei The Elder Scrolls Online funktioniert so: Suche ich einen bestimmten Gegenstand, gehe ich in irgendeine Siedlung in der Spielwelt und stöbere im Verkaufsinventar der dort aufgestellten Gildenhändler. Das klingt umständlich? Ist es auch!

Da diese Händler-NPCs immer nur anbieten, was Gildenmitglieder in den Verkauf geben, klappere ich im Zweifel einen Händler nach dem anderen ab. Es gibt zwar mit dem »Tamriel Trade Centre« eine externe Website, auf der ich das Angebot aller Shops gleichzeitig durchsuchen kann. Aber selbst wenn ich damit erfahre, bei welchem Händler der Gegenstand geradezu haben ist, kann es sein, dass andere Spieler mir das Wunschitem vor der Nase weggekauft haben, bis ich am Händler-Standort eingetroffen bin. Dann geht die Suche von vorne los, ich reise zum nächsten Standort - und so weiter.

Gilden können Händler zudem nur mieten und müssen für einen gewünschten Standort jede Woche aufs Neue ein Gold-Gebot abgeben (und nach Gewinn bezahlen). Beliebte, weil von vielen möglichen Kunden belebte, Standorte treiben die Kosten ziemlich in die Höhe - solche Kosten geben Handelsgilden für gewöhnlich durch eine wöchentliche Goldgebühr an die Mitglieder weiter. Ohne Zugang zu einem Gildenverkäufer gibt es keine Möglichkeit, Gegenstände an andere Spieler zu verkaufen, wenn ihr nicht gerade über den Ingame-Chat euer Angebot an andere macht.

Viel Spaß beim Scrollen durch endlose Item-Listen, um euer Wunschobjekt dann doch nicht zu bekommen! Screenshot: Tamriel Trade Centre Viel Spaß beim Scrollen durch endlose Item-Listen, um euer Wunschobjekt dann doch nicht zu bekommen! Screenshot: Tamriel Trade Centre

Auch wenn ich verstehen kann, dass die Entwickler den Wirtschaftskreislauf im Spiel nicht mit zu viel kursierendem Gold belasten wollen, ist das System an sich viel zu aufgeblasen. Gerade für Neuspieler ist der Handelsmarkt nicht intuitiv zu nutzen und macht den Spielerhandel unnötig komplex. Ich mache für mich das Beste aus der lausigen Situation und stöbere nach Gegenständen, wenn ich spätnachs beim Questen Siedlungen mit Händlern erreiche. Inzwischen habe ich mich damit arrangiert und kann beim Shoppen entspannen, stöhne aber immer wieder genervt, wenn ich sehe, wie viel besser es die MMO-Konkurrenz hinbekommt.

MMORPGs wie World of Warcraft, Guild Wars 2, Star Wars: The Old Republic und andere haben in großen Siedlungen Handelsmarktzugänge, in denen man bequem das gesamte Angebot abrufen kann. Der ESO-Sonderweg stieß da schon zum Release auf berechtigte Spieler-Kritik und ist auch heute nicht sonderlich beliebt: Kein Wunder, wenn man fürs Verkaufen Gildenmitglied sein muss, zusätzliche Miet-Gebühren bezahlt und für den Einkauf quer über die ganze Map reisen »darf«.

Nehmt ihr bei so konfusen Tauschgeschäften lieber schreiend Reißaus, hilft euch ja vielleicht unsere Liste mit den besten aktuellen MMOs eine Alternative zu finden:

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Problem drei: Langweilige Story-Bosskämpfe

Lässt euch die Zahl drei genervt mit den Augen rollen, habt ihr wahrscheinlich auch schon so manchen Boss aus den DLCs und Kapiteln auf den Boden gekloppt. Inzwischen kann ich diese Kämpfe in ihrer gähnend langweiligen Gleichförmigkeit schon vor der Ankündigung neuer Inhalte vorhersagen: Insgesamt warten stets drei Runden mit einem Phasen-Zwischenspiel aus Zusatzgegnern oder Bossfähigkeiten auf mich, denen ich durch ein Gadget, die Hilfe eines NPC oder wilden Ausweichrollen entgehen muss. Dazu noch ein Bösewicht-Lebensbalken mit äquatorialen Ausmaßen, fertig ist der Lack - spannender wird's nicht.

Dabei bietet ESO an anderen Ecken wirklich kreative Ideen: Teleport-Mechaniken mit Drachengarde-Armbrust oder Portalen, spannende Schiebe- und Druckplattenrätsel, einsammelbare Boni und hilfreiche Effekte gestalten Solo-Arenen, Verliese und Raids abwechslungsreicher. Nur bei den Story-Bosskämpfen scheint den Entwicklern seit einigen Kapiteln nichts Neues mehr einzufallen.

Vielleicht fällt der Abstand zwischen neuen Inhalten zu gering aus oder man will Casual-Spieler nicht überfordern. Aber ein bisschen mehr Abwechslung wäre dringend nötig, damit bei den Bosskämpfen nicht nur schnelle Reaktionen zählen, sondern diese Begegnungen auch interessant bleiben.

Coole Monster wie Vampire hin oder her, die Story-Bosse von ESO bekämpfen sich viel zu monton. Coole Monster wie Vampire hin oder her, die Story-Bosse von ESO bekämpfen sich viel zu monton.

Das geht besser!

Was bedeutet das denn nun konkret für ESO-Spieler? Gerade für PvP-Fans und Leute im Endgame ist die miese Serverperformance ein negativer Dauerbrenner. Selbst als Casual-Spieler ist dieses Problem unausweichlich, während man sich sowohl mit dem antiquierten Handelssystem wie auch den lahmen Bosskämpfen irgendwie arrangieren kann.

Insgesamt zeigt The Elder Scrolls Online sich mit Performance-Problemen, Komfort-Mangel beim Handel und gleichförmigen Kämpfen nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Angesichts technisch besser gealterter Konkurrenz und neuen Herausforderern müssen die Entwickler ihr Versprechen zur Performance-Verbesserung endlich einlösen und sich auch in anderen Bereichen weiterentwickeln, statt immer nur neue Inhalte draufzuschaufeln. Warum Gloria trotzdem immer wieder zu ESO zurückkehrt, erfahrt ihr übrigens einer anderen Kolumne.

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