Eve Online - Heimliche Invasion zerstört nach über einem Jahr Planung unantastbare Raumstation

Raumstationen in Wurmlöchern galten in Eve Online bisher als unantastbar. Nach über einem Jahr Planung zerstörte eine Corporation dieses Bild zusammen mit einem Keepstar.

von Mathias Dietrich,
11.01.2019 09:53 Uhr

Eine länger als ein Jahr lang geplante Invasion zerstörte den ersten jemals in Eve Online gebauten Keepstar.Eine länger als ein Jahr lang geplante Invasion zerstörte den ersten jemals in Eve Online gebauten Keepstar.

Viele Spieler träumen davon, sich in den Onlinewelten ihres Lieblingstitels einen Namen zu machen. Doch nur in wenigen Spielen ist das wirklich möglich. Eve Online gehört dazu.

Denn Eve Online ist eine einzige Spielwelt, die sich nicht in kleinere Server unterteilt, wie viele seiner Artgenossen. Dadurch war vielen Spielern eins klar: Der erste jemals im Spiel gebaute Keepstar ist unzerstörbar. Eine Legende, die im Dezember 2018 nach mehr als einem Jahr Planung widerlegt wurde.

Doch erstmal ganz von vorne. Keepstars sind für Eve Online, was der Todesstern für Star Wars ist: Riesige und schwer bewaffnete Raumstationen mit genug Feuerkraft, um alleine ganze Flotten zu vernichten. Seit 2016 erlaubt CCP den Spielern diese Kampfplattformen zu bauen. Sie sind ein sicherer Hafen für die Besitzer. Denn einen zu zerstören, benötigt eine große Flotte. Unmöglich ist das aber nicht: Im Laufe der letzten zwei Jahre verwandelten sich mehr als 30 der Stationen in spektakuläre Feuerbälle.

Der erste seiner Art

Der erste jemals gebaute Keepstar entging diesem Schicksal bisher. Das verdankt er vor allem seiner besonderen Lage: Er steht in einem Wurmloch. Und die könnt ihr nicht einfach gezielt per Sprungtor anreisen.

Stattdessen muss erst einmal ein Zugang gefunden werden. Und auch der hält nicht ewig, sondern zerfällt in sich, sobald zu viele Schiffe hindurchgesprungen sind oder genügend Zeit vergangen ist. Dazu kommt noch, dass nicht jedes Schiff durch jedes Wurmloch passt. Es ist also fast unmöglich, mit einer Armada in ein Wurmloch zu reisen und genug Feuerkraft mitzubringen, um einen Keepstar in diesem zu zerstören.

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Die Eve-Gilde (Corporation genannt) Hard Knocks nutzte das zu ihrem Vorteil und baute in so einem System den ersten Keepstar des gesamten Spiels - passenderweise Fort Knocks genannt. Das Gebiet in dem er steht, wird von den Spielern kurz als »Rage« bezeichnet. Der Bau selbst dauerte Monate und verschlang Milliarden der Ingame-Währung ISK. CCP würdigt dieses Ereignis mit einem »The Scope«-Video, einem In-Universe Nachrichtenkanal.

Heimliche Invasion

In Eve Online hält allerdings nichts ewig. Wenn hier jemand etwas hat, dann will ein anderer Spieler es zerstören. Im Fall von Fort Knocks fiel diese Aufgabe Riven Avaren sowie Pandoralica von der Corporation The Initiative zu.

Die Idee, einen Keepstar in einem Wurmloch anzugreifen begann im Dezember 2017 ursprünglich als Scherz. Doch Riven ließ die Idee nicht los und er begann mit einem kleinen getarnten Späher in dem Wurmloch-System von Hard Knocks auszukundschaften, welche Wurmlöcher offen sind.

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Dabei kam es ihm zugute, dass Wurmlöcher keinen Chatkanal wie die anderen Systeme von Eve Online besitzen. Das bedeutet, dass neue Spieler nicht sofort auffallen, wenn sie das Gebiet betreten. Und so begannen Riven Avaren und seine Freunde nach und nach Schlachtschiffe in Frachter zu stecken und mit diesen in das Wurmloch zu reisen. Kam einer durch, zerfiel das Wurmloch bereits wieder. Und über den Zeitraum von Monaten verlegten sie so unbemerkt eine Armada in das System von Hard Knocks.

Zum Schluss hatten sie eine Flotte von 46 Frachtern, 750 Raven Schlachtschiffen und 800 Support-Schiffen vor Ort und auch noch einige Außenposten. Der Materialwert beläuft sich auf etwa 600 Milliarden ISK, mit denen man sich Spielzeiterweiterungen im Wert von ungefähr 7.000 Euro hätte kaufen können.

Unwissende Angreifer

Am 8. Dezember 2018 war es soweit: The Initiative nutzte ihre Kommunikationskanäle außerhalb des Spiels, um ihre Mitglieder auf eine Operation vorzubereiten. Alles unterlag der strengsten Geheimhaltung und keiner der Teilnehmer wusste, worum sich die Operation dreht. Sie folgten einfach den Anweisungen und begaben sich durch eine Reihe von Sprüngen durch diverse Wurmlöcher nach Rage.

Auch die Verbündeten der Initiative, The Imperium und Snuffed Out, mobilisierten sich. Am Ende hatte man fast 1000 Spieler für den Angriff beisammen. Erst als sie in dem Wurmloch ankamen, war das Ziel für alle Anwesenden klar. Die Geheimhaltung hat seine Gründe: Spione sind in Eve Alltag. Und man wollte sichergehen, dass Hard Knocks nichts von diesen Plänen erfahren.

Zuerst errichtete man hier die eigenen Raumstationen. Danach loggten sich die Frachtpiloten ein und flogen in die Sicherheit der Außenposten, wo dann die Logistikschiffe anfingen, die Invasionsflotte vor Ort aus den Einzelteilen zusammenzubauen.

Einwöchige Belagerung

Die darauf folgende Belagerung dauerte eine ganze Woche. In dieser Zeit mussten die Angreifer nicht nur den Keepstar selbst belagern, sondern auch die Zugänge zu Rage absichern, um zu verhindern, dass die Verteidiger Verstärkung erhalten. Kein einfaches Unterfangen, wenn die Eingänge regelmäßig in sich zusammenfallen und sich an einer neuen, unbekannten Stelle wieder öffnen.

Die Wurmlochallianzen legten in dieser Zeit ihre eigenen Streitigkeiten beiseite und hielten zusammen. Ehemalige Feinde von Hard Knocks eilten ihnen zu Hilfe, um gegen die Bedrohung von Außen standzuhalten. Doch all das ist vergebens: Fort Knocks explodiert in einem spektakulären Feuerball.

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Für die Angreifer ist das mehr als profitabel: Denn mit der Explosion der Raumstation verteilen sich dessen Inhalte im System und The Initiative können diese zusammen mit ihren Verbündeten aufsammeln.

Die Wurmlochallianzen sind von diesem Angriff scheinbar erschüttert. Ihre Besitztümer hielten sie stets für unantastbar. Berichten zufolge machen sich diese nun auf und versuchen, ihre Wertsachen anderweitig zu lagern. In den Hochsicherheitsgebieten des Spiels sollen bereits mehrere Frachter gesichtet und zerstört worden sein, deren Ladung scheinbar aus Wurmlochsystemen stammt.

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