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Fatal Fury: City of the Wolves - So ein Spiel hielt ich nach 26 Jahren für unmöglich

Dass eine obskure Marke wie Fatal Fury nach fast 30 Jahren einen Nachfolger bekommt, ist für sich genommen schon kurios. Aber City of the Wolves strebt außerdem in eine sehr ungewöhnliche Richtung.

Fatal Fury: City of the Wolves bringt eine totgeglaubte Serie nach 26 Jahren zurück. Fatal Fury: City of the Wolves bringt eine totgeglaubte Serie nach 26 Jahren zurück.

Über 30.000 Menschen schauen mich gleichzeitig mit großen, fragenden Augen an. Zumindest stelle ich sie mir so vor, als Kollege Maurice mich auf dem Summer Game Fest 2024 mitten in Los Angeles vor die Kamera zerrt, um Gronkhs Live-Publikum von meinen Highlights der Geoff-Keighley-Show vorzuschwärmen. Und naja, mein Highlight heißt Fatal Fury: City of the Wolves.

Wer kennt heutzutage schon noch Fatal Fury? Oder generell: Wer kannte jemals Fatal Fury? In den deutschen Kinderstuben der frühen 90er regierte Street Fighter und Street Fighter allein als Primus aller Fighting Games. Erst in der 3D-Ära würzten Tekken, Soul Calibur, Virtua Fighter und Co. den ryu- und ken-farbenen Einheitsbrei.

Fatal Fury von 1991 war hingegen selbst diesem einen Hipster-Kind zu obskur, das sonst mit seinem Sega Game Gear über die Dorfstraße stolzierte, um allen zu erzählen, wie lahm doch der Game Boy mit seinen zwei Farben sei. Gut, dieses Kind sah man selten draußen, weil es permanent seine sechs Game-Gear-Batterien laden musste, hehe.

Aber Fatal Fury war klasse – und qualitativ ein würdiger Konkurrent zu Street Fighter. Es katapultierte Entwickler SNK auf die Landkarte der großen Fighting-Game-Publisher, etablierte große Namen, die bis heute überdauern, allen voran The King of Fighters (ursprünglich ein Spin-Off von Fatal Fury). Doch die Fatal-Fury-Serie selbst ist seit 1999 ausgestorben. Mit Garou: Mark of the Wolves erschien kurz vor der Jahrtausendwende ein letzter fantastischer Nachfolger, der auch heute noch großartig aussieht. Doch seither: tote Hose.

Bis jetzt!

Was bitte ist Fatal Fury: City of the Wolves?

Auf den ersten Blick wirkt Fatal Fury: City of the Wolves wie jeder andere Fighter. 17 Charaktere hauen sich vor malerischen Kulissen mit fetziger Musik gegenseitig aufs Fressbrett, es regnet Hiebe, Tritte und Feuerbälle, bis idealerweise die Gegenseite frustriert ihr Gamepad zerkaut. Aber es gibt zwei große Besonderheiten:

  • Die Charaktere kennen Veteranen nicht nur aus dem 1999er Garou: Mark of the Wolves, sondern sie gehören auch heute noch zur absoluten Spitzenklasse. Jeder Fighter in City of the Wolves hat eine klare Silhouette, eine coole Persönlichkeit, fetzige Manöver – mit Ausnahme von Christiano Ronaldo, meine Güte, was zum Ballack denken sich Publisher immer bei diesen Kooperationen? Eine der größten Plagen moderner Service Games:

Video starten 1:27 Moment, Cristiano Ronaldo ist ein neuer Kämpfer in einem heiß erwarteten Fighting Game?

  • Unter der Haube ist Fatal Fury ein ziemlicher Gegenentwurf zu dem, was zuletzt das großartige Street Fighter 6 versucht hat.

Erst zu den Charakteren: Ihr alle habt schon mal Spiele gespielt, in denen man sich die Charaktere einfach nicht so richtig merken kann, als würde der eigene Verstand daran abgleiten. Mal sind sie zu generisch, mal zu sehr Abziehbild von der Konkurrenz. Die Fighter von Fatal Fury sind das Gegenteil: Ihr seht sie einmal und sie bleiben sofort im Gedächtnis.

Zum Beispiel B. Jenet, eine prunkvolle Diva in wallendem Kleid, die jeden unter ihren Hacken zerbröselt. Oder Terry Bogart, den gealterten Helden des allerersten Fatal Fury, der das Spät-80er-Basecap gegen eine Mentoren-Fliegerjacke eingetauscht hat. Oder Vox Reaper, einen Profikiller mit tätowiertem Schädel. Oder Kevin, einen SWAT-Captain. Oder Kane, einen aristokratischen Gangster-Boss in weißem Frack, der – wie es sich für gute Anime-Bösewichte gehört – alle seine Angriffe auf Deutsch ankündigt. Schwarze Flamme und so.

Und jetzt zu der ganzen Sache mit dem Gegenentwurf zu Street Fighter.

Der perfekte Einstieg in anspruchsvolle Fighting Games

Das klingt jetzt paradox: Fatal Fury ist ein perfekter Einstieg in die Welt der komplexen Fighting Games, weil es so verflucht einsteigerfeindlich ist.

Lasst mich das kurz erklären.

Viele moderne Fighter machen es Anfängerinnen und Anfängern möglichst leicht. In Street Fighter 6 bekommt ihr zum Beispiel eine üppige Open-World-Kampagne auf seichtem Niveau, eine vereinfachte Steuerung, wildes Button Mashing bringt euch erstaunlich weit und so weiter. Klar, wer tiefer gräbt und sich in den Ranked Multiplayer begibt, findet trotzdem ein komplexes Kampfspiel, das ihr selbst nach Hunderten Spielstunden nicht meistern könnt. Aber Street Fighter 6 überfordert zu Beginn nicht.

Fatal Fury: City of the Wolves sieht unheimlich »crisp« aus: Sämtliche Angriffe und Effekte sind gut lesbar. Fatal Fury: City of the Wolves sieht unheimlich »crisp« aus: Sämtliche Angriffe und Effekte sind gut lesbar.

Fatal Fury schon. Auf dem Papier gibt's hier zwar ebenfalls ein optionales Steuerungsschema, aber City of the Wolves legt unglaublich viel wert auf mechanische Präzision. Heißt konkret: Schon die ersten Gegner im Arcade-Modus prügeln euch die Rübe weich, wenn ihr nicht versteht, was ihr tut.

Die Singleplayer-Optionen sind ebenfalls deutlich ... trockener als in Street Fighter und Tekken. Im Arcade-Modus kloppt ihr euch wie üblich durch ein paar Kämpfe und fällt am Ende einen Boss, im umfangreicheren Episodes of South Down grindet ihr euch durch Dutzende Kämpfe, um einen Charakter hochzuleveln und immer mehr Firlefanz freizuschalten.

Aber dieses bisschen Brimborium lenkt nicht vom eigentlichen Kern der Sache ab: Ihr müsst dieses Kampfsystem meistern. Ihr müsst verstehen, dass ihr euch in diesem Spiel nach einem Sturz nicht einfach abrollt, sondern auf vier Arten abrollen könnt. Ihr müsst checken, dass es kurze Sprünge, weite Sprünge und richtig weite Sprünge gibt. Ihr müsst lernen, was es mit dem ominösen Rev-Button auf sich hat, hinter dem sich fünf unterschiedliche Funktionen verbergen.

In umfangreichen Tutorials bekommt ihr alles erklärt, was ihr über das Spiel wissen müsst. Und viel davon lässt sich auf andere Fighting Games übertragen. In umfangreichen Tutorials bekommt ihr alles erklärt, was ihr über das Spiel wissen müsst. Und viel davon lässt sich auf andere Fighting Games übertragen.

Das klingt wahrscheinlich stramm – und fühlt sich auch so an –, doch diese Medaille hat eine Kehrseite: Fatal Fury mag komplex sein, aber es ist auch deutlich langsamer und lesbarer als andere Kampfspiele. Falls ihr online Fighting-Game-Matches verfolgt, dann fliegen euch alle möglichen Begriffe um die Ohren: Whiff-Punishes, Okizeme, Meatys, Pokes, Reversals und so weiter.

Street Fighter 6 kaschiert mit seiner Einsteigerfreundlichkeit, dass ihr all diesen Bumms am Ende des Weges trotzdem lernen müsst. Fatal Fury stubst euch im Vergleich erstmal ins kalte Wasser, lässt euch diese Techniken dann aber sehr anschaulich lernen. Es gibt umfangreiche Tutorials, Übungsmodi und so weiter. Anders als bei vielen Konkurrenzspielen variieren die Fähigkeiten der einzelnen Fighter in Fatal Fury auch nicht so sehr. Das heißt: Sobald ihr einmal verstanden habt, wie das Spiel selbst tickt, könnt ihr alle Charaktere gut spielen.

Fatal Fury: City of the Wolves ist also ein sehr ungewöhnliches Spiel. Ich hätte nach 26 Jahren generell mit keinem neuen Fatal Fury mehr gerechnet, aber es bricht auch mit dem, was die Konkurrenz händeringend versucht: Statt zu kaschieren, wie gnadenlos Fighting Games nun mal sind, lässt es mich ordentlich auflaufen. Es gibt mir alle Werkzeuge in die Hand, um mich mal richtig anschaulich in die Welt der anspruchsvollen Prügler reinzufuchsen – aber die Motivation dazu muss ich selbst mitbringen.

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