50% aufs erste Jahr – nur für kurze Zeit!

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»Ein zweiter Freundeskreis« - Wie das GameStar-Forum Usern hilft, ihre mentale Gesundheit zu stärken und mit welchen Hürden besonders Männer zu kämpfen haben

Der Men's Mental Health Monat ist schon eine Weile her, trotzdem wollen wir auch unabhängig von Aktionsmonaten auf Themen aufmerksam machen, die viele von uns umtreiben.

Ihr wisst gar nicht, wie glücklich uns das macht, wenn ihr bei uns Freunde und Hilfe in schwierigen Zeiten findet. Ihr wisst gar nicht, wie glücklich uns das macht, wenn ihr bei uns Freunde und Hilfe in schwierigen Zeiten findet.

Lange wurde psychische Gesundheit zu wenig beachtet und erforscht. Seit einigen Jahren ändern sich das. Nicht nur in der Arbeitswelt, wo Themen wie Burnout immer weniger stigmatisiert werden. Auch in unserem sozialen Umfeld trauen sich immer mehr Menschen, über ihre mentale Gesundheit und die damit verbundenen Problematiken zu sprechen. 

Für viele Männer scheint allerdings das Thema mentale Gesundheit oder Depression noch immer ein Tabu-Thema zu sein. Einem Artikel des Verbands amerikanisch medizinischer Hochschulen (AAMC) zufolge leiden Männer häufig an undiagnostizierten oder falsch behandelten mentalen Problemen. Als Gründe nennt der Artikel unter anderem soziale Stigmata, Angst vor Ausgrenzung, und das Problem, Depression und Stress nicht auseinanderhalten zu können.

Auch in Deutschland leiden viele Männer an psychischen Problemen. Wie das aktuelle Dashboard des Robert Koch Instituts zu Mental Health zeigt, sind depressive Symptome bei Männern und Frauen auf einer ähnlichen Flughöhe. Laut der Initiative Toleranz im Netz sind 75 Prozent aller Suizide in Deutschland Männer. 

Wenn es mir schlecht geht, denke ich an Total War

Gaming ist daher für viele – egal ob Männer oder Frauen – ein Ort, an dem sie über ihre Probleme sprechen können, Gleichgesinnte treffen oder Wege finden, ihre mentale Gesundheit zusätzlich zu professioneller Hilfsangeboten zu steigen. Auch in der GameStar-Community gibt es viele, die mit ihrer mentalen Gesundheit kämpfen. 

Wir haben mit einem der Betroffenen gesprochen. Wie sieht er das Thema Men's Mental Health und wie geht er als Videospieler damit um? 

GameStar: Kannst du uns eine kurze Einordnung geben, was das Thema Men’s Mental Health Month für dich bedeutet und warum es für dich persönlich so wichtig ist?

Stereomud: In meinen Freundeskreis und auch bei mir selber habe ich gesehen, wie schnell sich mentale Probleme auf das Leben, den Alltag, einfach auf alles auswirken können. Ich habe gestandene Männer zerbrechen sehen, weil sie über ihre Sorgen nicht mit anderen sprechen wollten.

Auch ich selber habe sehr lange gehadert, offen mit meinen Problemen umzugehen. Deswegen freut es mich, dass das Thema mentale Probleme bei Männern immer mehr in die Öffentlichkeit gezogen wird. Gerade weil diese alte verkrustete Denkweise, dass Männer nicht über Gefühle sprechen, nicht weinen oder nicht schwach sein sollen, noch immer vorherrscht.

Das ist auch der Grund, warum viele nicht offen über ihre Probleme reden. Dem steht jetzt ein ganzer Monat gegenüber, in dem wir diese Geschichten beleuchten, zeigen, wo es Hilfe gibt und dass man mit diesen Emotionen nicht alleine ist.

Men’s Mental Health Month

Der Monat für mentale Männergesundheit findet jedes Jahr im Juni statt und soll einen Monat den Fokus auf Probleme, Lösungen und Entstigmatisierung von Mental Health bei Männern legen. Parallel dazu gibt es noch den Aktionsmonat Movember (Moustache November), bei dem sich Männer einen Schnurrbart wachsen lassen, um ebenfalls auf eine Verbesserung von Männergesundheit aufmerksam zu machen. Dabei geht es allerdings nicht nur um die mentale Gesundheit, sondern auch allgemein um Suizidprävention, sowie die Aufklärung über Prostata- und Hodenkrebs.

GameStar: Was ist/war, gerade für dich als Mann, die größte Hürde, über Mental Health zu sprechen?

Stereomud: Ich bin in den 80ern geboren und somit galt auch bei mir auf dem Bolzplatz: Männer weinen nicht, das machen nur die Mädchen! Auch wenn ich sehr offene Eltern hatte, die mir beigebracht haben, mich für meine schwachen Seiten nicht zu schämen, bin ich trotzdem in einer Gesellschaft groß geworden, in der vom Mann erwartet wurde, stark zu sein, der Ernährer zu sein, die Familie zusammenzuhalten, Karriere zu machen. Kurz: Leistung zu bringen und keine Schwäche zu zeigen.

Man(n) muss erstmal lernen , dass dies zwar noble Ziele, aber keine dogmatischen Gesetze sind. Es ist überlebenswichtig in einem gewissen Rahmen (Safespace) Schwäche zu zeigen. Sei es beim besten Freund, dem Partner oder vielleicht der Familie. Man(n) muss lernen, dass Sorgen und Ängste ok sind und man diese teilen muss, sonst fressen sie einen am Ende auf.

Im Grunde verhält man sich hier konträr zum gängigen Gesellschaftsbild und das bringt zwangsläufig auch Probleme mit sich. Sei es der Freund/die Freundin, die unempathisch reagiert, oder der Kumpel, der sich über deine Tränen lustig macht.

GameStar: Was denkst du, ist gerade für Männer generell eine so große Hürde, über Mental Health zu sprechen?

Stereomud: Als Mann hat es einen gewissen Wert »stark« zu sein. Dieser Wert kann der Job, die Familie, der Ruf oder etwas anderes sein. Gefühle und Emotionen werden in unserer Gesellschaft bei Männern oft noch mit etwas Schwachem assoziiert. Dadurch entsteht ein persönlicher und gesellschaftlicher Druck, stark zu sein. Über Gefühle reden gehört da nicht zu.

GameStar: Wie hat sich Gaming auf deine mentale Gesundheit ausgewirkt? Gibt es Spiele, die dir helfen oder zu denen du immer wieder zurückkehrst, wenn du merkst, dass es dir nicht gut geht?

Stereomud: Gaming oder allgemein Prokrastination kann ein Segen oder Fluch zugleich sein. In gewissen Dosen ist es ein wirklich wunderbares Hobby um abzuschalten oder um fremde Welten zu erkunden. Diese fremden Welten können aber auch abhängig machen, weil die Realität zurzeit einfach unangenehmer ist.

Wenn es mir schlecht geht, denke ich an Total War. Aktuell hilft mir Total War: Warhammer 3. Dieses nur noch eine Runde gepaart mit den historischen oder fantastischen Welten ist einfach Balsam für meine Seele. Hier vergesse ich, was mich sonst im Alltag immer wieder foltert.

GameStar: Gibt es Momente, in denen dir Gaming geholfen hat, mit Stress, Ängsten, Depressionen oder anderen Herausforderungen umzugehen? Wenn ja, wie?

Stereomud: Wenn ich stark depressive Phasen habe, fällt es mir schwer, überhaupt etwas zu finden, woran ich Freude habe. Gaming hilft mir dabei nicht in diese Phasen zu kommen. Abstand von der Realität zu finden, meinem Gehirn eine Auszeit vom Grübeln und den Sorgen zu verschaffen.

Es tut gut, sich gelegentlich mal den Kopf darüber zu zerbrechen, wie man das Imperium zu großem Glanz führt und die Völker des Chaos zurück in die Schranken weist.

GameStar: Und gab es auch Zeiten, in denen du das Gefühl hattest, Gaming könnte negative Auswirkungen haben, zum Beispiel wenn es um Schlaf, soziale Kontakte außerhalb des Gamings oder die Stimmung geht? Wie bist du damit umgegangen?

Stereomud: Wie ich schon andeutete, kann Gaming auch schnell zur Sucht werden. Diese Realitätsflucht kann abhängig machen und es ist verführerisch, sich eher in diese Welten zu stürzen, anstatt sich in der Realität mit den echten Problemen auseinander zu setzen.

Hier muss man eine gewisse Disziplin entwickeln, auch wenn es einem in depressiven Phasen extra schwerfällt. Es ist wichtig, dass man seine Pflichten erledigt und nicht versumpft. Arbeit und ein geregelter Alltag sind hier sehr hilfreich. Durch diese ergeben sich automatische feste Zeiten für Pflicht und Vergnügen.

GameStar: Denkst du, dass Gaming-Communitys sich positiv oder negativ auf die mentale Gesundheit auswirken?

Stereomud: Ein ganz klares Jein. Es hängt davon ab, wie diese Community aufgebaut ist. Es gibt jede Menge schöne Communitys, in denen man eine gute Zeit haben kann und dann gibt es da auch die Communitys von League of Legends oder Rocket League, die mir nicht guttun.

GameStar: Du bist ein aktiver Teil der GameStar-Community. Was macht für dich den Reiz dieser Gemeinschaft aus, gerade in Bezug auf Mental Health?

Stereomud: Ich habe im GameStar Forum einen kleinen Kreis aus Menschen gefunden, die sich täglich unwichtige und manchmal auch wichtige Dinge erzählen. Wir scherzen, wir blödeln, aber wir hören uns auch zu, wenn es uns mal nicht gut geht. Man klopft sich auf die Schulter oder hilft sich auch mal, wenn es machbar ist.

Es ist wie ein zweiter Freundeskreis, nur etwas anonymer und im Internet (obwohl man sich hier und da mittlerweile auch beim Namen kennt oder getroffen hat).

GameStar: Hast du in der GameStar-Community oder in anderen Gaming-Communities schon mal Unterstützung oder Verständnis gefunden, wenn es dir mental nicht so gut ging? Oder hast du vielleicht selbst anderen geholfen?

Stereomud: Ob ich schon mal wem geholfen habe? So vermessen möchte ich nicht sein, das zu sagen, aber ich habe natürlich schon einigen mein Ohr geliehen oder Tipps gegeben. Ich würde mir natürlich wünschen, dass etwas davon dazu beigetragen hat, dass es jemandem besser geht.

Ich selber habe viele gute Ratschläge oder auch einfach nur Verständnis bekommen, oft reicht das ja schon. Ein lieb gemeintes Wort im richtigen Moment kann manchmal so viel ausmachen.

GameStar. Gibt es Dinge, die Gaming-Communitys wie GameStar.de noch besser machen könnten, um ein unterstützendes Umfeld für die mentale Gesundheit ihrer Mitglieder zu sein?

Stereomud: Aufklären, Räume schaffen und Aufmerksamkeit generieren. Gamer sind zu einem Großteil immer noch Männer und diese müssen lernen, dass es niemals etwas Falsches ist, Gefühle zu zeigen.

GameStar: Welche Rolle siehst du für Medien wie GameStar.de, wenn es darum geht, Bewusstsein für mentale Gesundheit in der Gaming-Welt zu schaffen?

Stereomud: Ich denke, es hilft bereits, durch Artikel wie diese auf das Thema hinzuweisen. Das Thema sollte in regelmäßigen Abständen immer wieder behandelt werden, sodass es kein Tabuthema bleibt. Je mehr große Medien oder Medienschaffenden darüber sprechen, umso normaler wird das Ganze.

GameStar: Was würdest du anderen Spielerinnen und Spielern mit auf den Weg geben, wenn es um das Thema mentale Gesundheit geht?

Stereomud: Redet! Redet über euch und redet mit anderen. Wenn es eurem Freund/eurer Freundin schlecht geht, sprecht sie drauf an. Wenn es euch schlecht geht, sprecht mit jemandem, dem ihr vertraut. Sollte es euch wirklich schlecht gehen, sucht euch unbedingt professionelle Hilfe!

Es ist keine Schande, zum Therapeuten zu gehen oder eine Zeit lang stationär behandelt zu werden. All das ist besser als der Moment, in dem deine Eltern und Freunde erfahren, dass du mit deinen Problemen nicht mehr zurechtgekommen bist und einen endgültigen Ausweg genommen hast. Lasst es einfach nicht so weit kommen und redet! Redet so lange es noch die Zeit dafür gibt.

Was sind eure Gedanken zu dem Thema? Was würdet ihr euch von uns als GameStar wünschen und wie geht ihr selbst mit dem Thema um? Schreibt es uns gerne in die Kommentare. Tut uns nur bitte einen Gefallen und bleibt sachlich und beim Thema, damit ein respektvoller Austausch auf Augenhöhe möglich ist. 

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