Wie Gaming-PCs auch ohne Grafikkarte laufen und ihr so viel Geld spart

Grafikkarten für Spieler sind extrem teuer. Es kann sich deshalb gerade jetzt besonders lohnen, bei einem neuen Spiele-PC auf eine Gaming-Grafikkarte zu verzichten.

von Nils Raettig,
24.08.2021 19:42 Uhr

Als Gaming-Webseite, die sich auch mit passender Hardware auseinandersetzt, sind Spieler-Grafikkarten ein sehr wichtiges Thema auf GameStar.de. Gerade in den aktuellen Zeiten extremer Preise kann es aber eine gute Idee sein, um Grafikkarten einen Bogen zu machen.

Wir klären, warum das so ist und mit welcher neuen, zukunftssicheren Hardware ihr viel Geld sparen und dennoch ordentlich zocken könnt - wenn auch mit deutlich gesenkten Ansprüchen an Grafikqualität und Performance. Falls ihr bereits einen recht flotten Gaming-PC besitzt und/oder höhere Ansprüche habt, ist dieser Ansatz also nichts für euch.

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Grafikkarte vs. iGPU: Vorab noch eine Begriffsklärung. Mit »Grafikkarte« meinen wir separate Grafik-Chips auf einer eigenen Platine für PCI-Express-Slots samt passendem Speicher und eigener Kühllösung wie Nvidias aktuelle RTX-3000-Modelle oder AMDs RX-6000-Karten (im Bild unten links zu sehen).

Die Berechnung der Spielegrafik können aber auch Grafik-Chips übernehmen, die direkt im Prozessor integriert sind (iGPU) und die keinen eigenen Speicher besitzen. Entsprechende Modelle heißen bei AMD »Accelerated Processing Unit« beziehungsweise »APU« (im Bild rechts zu sehen).

Dedizierte Grafikkarten wie das Modell links können deutlich mehr Leistung bieten als GPUs, die in Prozessoren wie dem Modell rechts integriert sind. Dafür fallen sie aber auch wesentlich teurer aus, gerade in den aktuellen Zeiten. Dedizierte Grafikkarten wie das Modell links können deutlich mehr Leistung bieten als GPUs, die in Prozessoren wie dem Modell rechts integriert sind. Dafür fallen sie aber auch wesentlich teurer aus, gerade in den aktuellen Zeiten.

Für welchen Gaming-Typ eignet sich ein PC ohne Grafikkarte?

Die Hardware, um die es hier geht, lohnt sich primär dann, wenn ihr noch keinen Gaming-PC besitzt oder nur eine sehr alte Grafikkarte habt (ca. sieben Jahre oder älter). Falls ihr euch nicht sicher seid, welche GPU ihr besitzt, erfahrt ihr das im Artikel »Welche Grafikkarte habe ich genau? Wie du es ganz schnell herausfindest«.

Da die Leistung eines Spiele-PCs ohne dedizierte Grafikkarte vergleichsweise gering ausfällt (dazu später mehr), ist es außerdem hilfreich, wenn ihr eher weniger Hardware-hungrige Titel wie Fortnite, League of Legends oder Counter-Strike: Global Offensive spielen wollt und ihr kein Problem damit habt, fordernde Titel in niedriger Detailstufe und/oder Auflösung zu spielen.

Kommt das Zocken ohne Grafikkarte für euch dagegen nicht in Frage und wollt ihr wissen, wann sich der Wechsel zu einer schnelleren GPU wirklich lohnt, erfahrt ihr das im folgenden Artikel:

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Um welche Hardware geht es genau?

AMD hat vor kurzem neue APUs veröffentlicht, genauer gesagt geht es um den Ryzen 7 5700G mit acht Kernen und den Ryzen 5 5600G mit sechs Kernen. Das Besondere daran: Sie besitzen nicht nur die aktuell schnellste iGPU, sondern auch vergleichsweise viele und flotte CPU-Kerne.

Deutlich besser als die Vorgänger: Während die kaum noch erhältlichen Vorgänger Ryzen 5 3400G und Ryzen 3 3200G nur vier ältere Kerne mit »Zen+«-Architektur zu bieten haben, setzen die neuen Modelle auf bis zu acht Kerne mit der aktuellen und wesentlich flotteren Zen-3-Architektur.

Das macht die neuen APUs von AMD zu einer sehr guten Wahl für einen neuen Gaming-PC ohne Grafikkarte. Gleiches gilt für das Aufrüsten eines PCs, dessen CPU ungefähr vier Jahre alt oder älter ist und mit einer Grafikkarte, die nur sehr wenig Leistung bietet (siehe auch den Kasten »Die meisten dedizierten Grafikkarten sind schneller« weiter unten), zumal GPUs aktuell so teuer sind wie noch nie.

Wann sich die Preise normalisieren, ist unklar. Die Zeichen stehen gleichzeitig eher schlecht. Es stellt aber durchaus eine Option dar, vorerst auf den Kauf einer dedizierten GPU zu verzichten und stattdessen eine APU zu nutzen. Wie das einem Spieler jahrelang unfreiwillig passiert ist, erfahrt ihr hier:

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Vorschlag für einen Gaming-PC für etwa 700 Euro

Soll der Gaming-PC besonders günstig sein, fällt unsere Wahl auf den Ryzen 5 5600G. An die Leistung der integrierten Grafikeinheit kommt aktuell neben dem 5700G keine andere iGPU heran. Genauere Angaben zur Performance findet ihr im Abschnitt »Wie schnell ist ein PC ohne Grafikkarte in Spielen?«.

Alle Hardware, die ihr braucht, ist in Kombination mit dem 5600G derzeit für ungefähr 700 Euro zu haben. Zum Vergleich: Nvidias »günstigstes« Modell der aktuellen RTX-3000-Generation in Form der Geforce RTX 3060 kostet alleine bereits mindestens 500 und eher etwa 600 Euro.

Unsere beispielhafte Zusammensetzung unten setzt bewusst auf etwas teureren RAM und ein üppiger dimensioniertes Netzteil. Die Gründe: Von hohen RAM-Taktraten profitiert nicht nur die Ryzen-CPU, sondern insbesondere auch die integrierte GPU, weil sie sich Speicher mit dem Prozessor teilt. Ein Netzteil mit höherer Gesamtleistung empfiehlt sich gleichzeitig vor allem dann, wenn ihr den PC später mit einer schnellen Grafikkarte aufrüsten wollt.

AMD Ryzen 5 5600G (Kühler wird mitgeliefert)

ca. 270 Euro

16,0 GByte Crucial Ballistix DDDR4-3600

ca. 90 Euro

MSI B450-A Pro Max

ca. 50 Euro

Crucial P5 SSD 1,0 Terabyte

ca. 110 Euro

be quiet! Straight Power 11 750 Watt

ca. 110 Euro

Corsair 400D Airflow

ca. 90 Euro

Gesamtpreis

ca. 720 Euro

Unserer Einschätzung nach werden weder die Speichermenge noch die Kernzahl in Zukunft in Spielen ein Problem darstellen. Passende Benchmarks zu diesen Aspekten findet ihr in den folgenden beiden Artikeln:

Wie schnell ist ein PC ohne Grafikkarte in Spielen?

Bislang haben wir die neuen APUs von AMD nicht selbst getestet (was wir noch nachholen wollen), unsere Benchmarks der Vorgänger und Tests von Kollegen zeichnen aber ein klares Bild.

Da die integrierte Grafikeinheit wie schon bei den APUs der älteren Generationen Ryzen 3000 und Ryzen 2000 auf die Vega-Architektur setzt, ist der Leistungssprung deutlich geringer als bei den CPU-Kernen. Dennoch haben die aktuellen APUs die schnellste iGPU auf dem Markt zu bieten.

Die meisten dedizierten Grafikkarten sind schneller: Auch wenn die neuen APUs von AMD eine sehr schnelle integrierte Grafikeinheit besitzen, sind selbst ältere und langsamere dedizierte Grafikkarten meist klar schneller. So konnte sich in unserem Test des Ryzen 5 2400G sogar eine GTX 1050 ohne »Ti«-Zusatz problemlos weit vor der Vega-11-GPU des 2400G platzieren.

An diesem grundsätzlichen Verhältnis ändert sich auch mit dem Ryzen 7 5700G und dem Ryzen 5 5600G nichts. Falls ihr bereits eine halbwegs aktuelle dedizierte Grafikkarte besitzt, lohnt sich das Spielen mit der neuen iGPU für euch also nicht. Das betrifft unter anderem alle Modelle, die wir in unserer großen Übersicht von GPU-Leistungsklassen unter dem folgenden Link aufführen.

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Auf niedrigster Detailstufe sind mit AMDs aktuellen Vega-iGPUs teils auch aktuelle Titel in Full HD spielbar, zur Not bleibt immer noch die Möglichkeit, zusätzlich die Auflösung zu reduzieren. Weniger anspruchsvolle Spiele können dagegen auch mit hohen FPS-Werten und bei besserer Grafikqualität gut laufen, wie unsere Spiele-Benchmarks zur iGPU des Ryzen 5 3400G zeigen.

Ryzen 5 3400G - Vega 11 Performance
1920x1080

  • Minimale Details
  • Mittlere Details
  • Hohe Details
117,7
66,2
24,4
62,2
39,1
28,2
42,8
36,7
34,3
29,3
23,9
20,4
28,3
22,3
19,1
25,2
21,6
17,0
  • 0,0
  • 24,0
  • 48,0
  • 72,0
  • 96,0
  • 120,0

Ein PC ohne Grafikkarte ist damit vor allem dann eine gute Option, wenn ihr es nicht schlimm findet, auf die neuesten Titel beziehungsweise auf hohe Grafikdetails zu verzichten und wenn es für euch keine Option darstellt, die aktuell extrem hohen Preise für eine flotte Gaming-Grafikkarte zu bezahlen.

Was haltet ihr von AMDs neuen APUs und käme es für euch infrage, bei einem Gaming-PC ganz oder zumindest zeitweise auf die Grafikkarte zu verzichten? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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