Kampfsystem
Einen großen Teil von Yotei und Shadows verbringt ihr mit Kämpfen – und auf den ersten Blick sehen die Systeme der beiden Open-World-Abenteuer auch ziemlich ähnlich aus. Beide bieten eine Vielzahl an Waffen, beide schmeißen ihren Helden haufenweise Feinde vor die Brust. Mit Kusarigama, Odachi, Bogen und Katana nutzen Atsu, Naoe und Yasuke sogar teils die exakt gleichen Utensilien. Selbst das Blocken und Ausweichen vor rot markierten Attacken schaut in beiden Spielen sehr ähnlich aus. Die Unterschiede liegen aber im Detail.
Shadows setzt zum einen auf zwei verschiedene Spielfiguren, die beide unterschiedlich im Kampf agieren. Naoe ist flink und setzt auf schnelle Waffen, wie ein Katana oder ein Kusarigama. Yasuke geht mit brutaler Gewalt und ebenso brachialen Waffen vor. Jede Waffe hat dabei ihre eigenen Vor- und Nachteile. Mit einem Speer oder einem Kusarigama haltet ihr Gegner in Schach, teilt aber weniger Schaden aus. Der Kanabo haut hingegen ordentlich rein, ist aber auch sehr langsam. Ihr entscheidet, wie ihr durch die Gegner wirbelt; es gibt kein richtig oder falsch.
Das ist in Ghost of Yotei anders. Hier verlaufen die Kämpfe nach einem klaren Stein, Schere, Papier-Prinzip. Ein Katana ist effektiv gegen andere Katanas. Zwei Katanas bringen Speerträger aus dem Tritt und ein Odachi fällt große Brocken. In Yotei wechselt ihr daher dauernd von einer Waffe zur nächsten und schießt zwischendurch auch gerne mit Bogen oder Gewehr auf weit entfernte Gegner.
Assassin’s Creed setzt damit auf mehr Freiheiten im Kampf, Yotei setzt hingegen alle Waffen sinnvoll ein. Welches System ihr bevorzugt, hängt also ganz klar davon ab, welchen Ansatz ihr lieber mögt.
Stealth-Mechaniken
Wenn ihr eure Feinde nicht sofort zum ehrenhaften Duell fordert, dann könnt ihr in beiden Spielen auch leise vorgehen. Genau wie in den Gefechten gleichen sich die Systeme auf den ersten Blick, offenbaren auf den zweiten aber doch starke Unterschiede.
In Yotei und in Shadows versteckt ihr euch im hohen Gras, lenkt Gegner mit dem gezielten Wurf einer Vase oder ähnlichem ab und schaltet die Feinde per Attentat leise aus. Aber Assassin’s Creed ist in Sachen Stealth deutlich komplexer.
Hier könnt ihr Lampen löschen und so ungesehen durch die Schatten schleichen, dank über-den-Boden-robben auch in niedrigem Gras unsichtbar bleiben und Feinde per Würgegriff ins Gebüsch ziehen. Zudem beeinflusst die Wahl eurer Waffen das Schleichen: Mit dem Katana schaltet Naoe Gegner durch dünne Wände aus, nur mit dem Tanto gibt’s das serientypische Doppelattentat. Weil Naoe zu Spielbeginn nicht jeden Gegner mit einem Pieks ausschalten kann, ist zudem taktisches Vorgehen gefragt.
Da kann Yotei nicht ganz mithalten. Zwar gibt es ebenfalls schwere Gegner, die ihr erst mit einem Upgrade leise ausschalten könnt. Weil das Klettern aber etwas fummeliger als in Shadows ausfällt und ihr beim Schleichen auch einfach nicht so viele Möglichkeiten wie bei der Konkurrenz habt, zieht das Spiel hier klar den kürzeren.
Was taugt die Story?
Als letztes kommen wir zur Handlung der beiden Japan-Spiele, denn bei diesem Aspekt ist ein Vergleich zwischen Yotei und Shadows besonders spannend. Anders als Tsushima setzt der Nachfolger dieses Mal nämlich ebenfalls auf eine eher offene Erzählweise. Genau wie in Shadows bestimmt ihr nun selbst, welchen Handlungsstrang ihr zunächst verfolgt. Die Entwickler wollen euch damit mehr Entscheidungsfreiheit über euer Spielerlebnis geben, nehmen so allerdings der Story einiges an Tempo.
Vor allem Yotei muss sich nach Tsushima daher die Frage gefallen lassen, ob eine lineare Geschichte nicht doch die klügere Idee gewesen wäre; Im Vorgänger hat das schon besser geklappt. Doch auch bei AC Shadows ist das Pacing der Story nicht ohne Makel.
Wo wir schon bei der Story sind: In Yotei geht es um Atsu, die sich an den sogenannten Yotei Six für den Mord an ihrer Familie rächen will. In Shadows geht es um Naoe, die sich an einer geheimnisvollen Organisation für den ... Mord an ihrem Vater rächen will. Ja, das ist nicht nur ein bisschen ähnlich, in beiden Spielen aber ziemlich gut inszeniert.
Beide Spiele zeichnen ihre Figuren zudem nicht einfach nur schwarz und weiß, sondern geben jedem Feind und Verbündeten nachvollziehbare Motive. Der Vorteil von Yotei: Weil die Kampagne deutlich kürzer als die von Shadows ausfällt, zieht sich der Mittelteil auch deutlich weniger. Und Atsus Erlebnisse sind mit dem Ende auch vorbei – während Shadows-Spieler erst Monate später mit dem ersten großen Story-DLC ein richtiges Finale erhalten haben.
In puncto Nebenmissionen hat Yotei ebenfalls leicht die Nase vorn. Zwar wird das Befreien von Dörfern und Camps auch hier schnell gleichförmig, allerdings bemüht sich das Spiel bei den dahinterliegenden Geschichten um Varianz. Und auch das Ergattern von neuen Ausrüstungsgegenständen ist an schick inszenierte Duell-Quests geknüpft. Die Nebenaufträge von Shadows à la Sammle die Vorräte in Lager X
oder Töte 50 Banditen
können da nicht mithalten.
Doch auch Yotei kommt bei den Nebenquests nicht an das Niveau der hervorragend erzählten Lehrer-Geschichten von Tsushima heran, in denen ihr etwa die abtrünnig gewordene Schülerin eines Bogen-Meisters stellt. Sowohl Shadows als auch Yotei lassen sich hier zu sehr zur Formelhaftigkeit hinreißen. Wer sich dagegen rein für die Story interessiert, der macht mit beiden Spielen nichts verkehrt. Beide funktionieren im Kern ähnlich, beide haben ähnliche Stärken und Schwächen.
Fazit
Müsste unser Autor Jesko das Ganze nun auf eine Punktetabelle runterbrechen, dann sähe der direkte Vergleich der beiden Action-Kracher vermutlich so aus:
| Ghost of Yotei | Assassin's Creed Shadows | |
| Story | + kompakt erzählt | - langatmiger und fragmentiert |
| Kampfsystem | + angenehm knackig | - ähnlich, aber weniger tiefgründig |
| Grafik | + ansprechender Artstyle | + bessere technische Umsetzung |
| Schleichen | - rudimentäres System mit einigen Macken | + deutlich mehr Möglichkeiten |
| Open World | - offene Spielwelt lenkt anfangs von der Handlung ab | + authentisches altes Japan mit schickem Jahreszeitenwechsel |
Insgesamt geht der Vergleich zwischen Assassin’s Creed Shadows oder Ghost of Yotei also unentschieden aus – welches der beiden Spiele besser ist, liegt hauptsächlich an eurem Geschmack.
Unterm Strich gleicht sich die Ghost-of-Serie mit dem zweiten Teil deutlich mehr an Ubisofts Open-World-Reihe an. Wer also einfach nur feudale Japan-Action in einer offenen Welt mag, der hat gleich doppelt gewonnen. Denn dann dürften euch beide Titel gefallen.
Welches Spiel trifft euren Nerv mehr? Und warum? Schreibt uns euren Favoriten gerne in die Kommentare!
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