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Gothic bei Wish bestellt: Ich habe einen kostenlosen Klon gespielt und jetzt bereue ich jede Sekunde

Ein kostenloses Open-World-Rollenspiel, das von Gothic inspiriert wurde? Das klingt zu schön, um wahr zu sein, und das ist es auch.

Na, erkennt ihr euren alten Freund Diego wieder? Na, erkennt ihr euren alten Freund Diego wieder?

Es gibt viele Gründe, Gothic zu lieben: Der Charme der ruppigen NPCs, der beschwerliche Aufstieg vom Schwächling zum unbesiegbaren Helden oder die atmosphärische Open World, die wir ganz ohne Händchenhalten erkunden. Kein Wunder, dass es inzwischen auch einige Rollenspiele gibt, die Gothic nacheifern. Das deutsche Indie-Spiel Drova kommt mir etwa sofort in den Sinn, oder Of Ash and Steel.

Tja, und dann gibt es da noch Gothic Exile: Das verspricht ein düsteres, storygetriebenes Open-World-Rollenspiel, inspiriert von Gothic. Wer sich vorher ein paar Bilder von dem Mobile-Spiel anschaut, kann den Braten schon riechen. Bei mir siegte dann aber doch die Neugier und jetzt muss ich euch unbedingt erzählen, was ich erlebt habe.

Diego ist eine Stimme in meinem Kopf

Ich starte also Gothic Exile und soll erst einmal einen Namen für meinen Helden wählen, hmm ...

Namenloser Held

Ja, das klingt doch gut. Los geht's. Plötzlich stehe ich in einem Teich im Minental und Diego spricht mit mir. Allerdings nicht als richtiger NPC sondern eher als eine Art Tutorial-Erzähler, der nur in einem Overlay erscheint. Im Hintergrund erklingt ein Soundtrack, der verdächtig der originalen Gothic-Musik ähnelt.

Wo muss ich nur hin? Wenn es nur einen dezenten Hinweis gäbe! Wo muss ich nur hin? Wenn es nur einen dezenten Hinweis gäbe!

Diego weist mir nicht nur die Richtung zum Alten Lager, er schickt mich auch gleich auf eine Mission: Ich soll mit einem Typen sprechen, der etwa 20 Meter entfernt steht. Über seinem Kopf prangt ein gelbes Ausrufezeichen. Damit ich mich auch nicht verirre, erscheinen mitten auf dem Bildschirm blinkende Richtungspfeile wie bei einer Autobahnbaustelle, die mich aggressiv in Richtung der Quest schubsen. Ich will das Spiel beenden, aber die Neugier zwingt mich, weiterzumachen.

Video starten 11:37 Gothic 2 ist noch so viel besser, als ich gedacht habe!

Der Typ schickt mich los, ich soll drei Wölfe bei einem Mineneingang erledigen. Das Questziel habe ich nach der Hälfte des Wegs schon wieder vergessen, weil mein Gehirn sich automatisch darauf konzentriert, den riesigen gelben Pfeilen zu folgen. Als ich die drei Wölfe sehe, denke ich an meinen ersten Kampf gegen eine Molerat im Gothic Remake zurück und schlucke: Gleich drei Viecher erledigen und das mit einem Schwert, das kaum gefährlicher aussieht als ein Küchenmesser?

Glücklicherweise sind die Wölfe weder besonders intelligent, noch gefährlich. Sie beißen nur ganz zart zu und ich kann sie nach und nach mit meinem Küchenmesser kaputthauen. Blocken und Ausweichen ist weder notwendig, noch möglich.

Sumpfkraut wächst überall, vermutlich, damit man sich diese Version des Minentals schönrauchen kann. Sumpfkraut wächst überall, vermutlich, damit man sich diese Version des Minentals schönrauchen kann.

Kaum sind die Wölfe erledigt, wird mir wieder SEHR DEUTLICH angezeigt, in welche Richtung es zurück zum Questgeber geht. Allerdings schwebt mein Gesprächspartner gerade mitten in ein weiteres Rudel Wölfe (Bug oder dramatischer Plottwist?), die ihn jedoch als einen von ihnen akzeptieren und nicht angreifen. Zu mir sind sie leider nicht so freundlich, weshalb noch mehr Fellnasen dran glauben müssen. Als Belohnung gibt es dann ein bisschen Geld (ja, wirklich Geld und kein Erz) sowie genug Erfahrungspunkte für ein neues Level!

Im Skillmenü kann ich einfach Punkte auf Grundwerte und Fähigkeiten verteilen, anstatt einen Berg von Erz bei einem Trainer zu lassen. Das finde ich eigentlich ganz gut, bis ich entdecke, dass ich mir auch Skillpunkte kaufen kann, indem ich mir Werbung angucke, seufz. Das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs bei der Monetarisierung: Es gibt auch einen Shop und ich kann ständig Lebenszeit an Ads verschwenden, um Belohnungen einzusacken.

Doch nicht jetzt, Diego! Doch nicht jetzt, Diego!

Zu diesem Zeitpunkt hat das Spiel wohl schon Mitleid und bereitet mir ein schnelles Ende. Ich habe schon mehrmals den Löffel abgegeben, etwa durch ungünstig gelegte Bildschirmpausen oder weil ich jemandem mein Messer versehentlich ins Gesicht gehalten habe (sehr originalgetreu!). Dann spricht plötzlich Diego mitten in einem Kampf gegen Goblins zu mir und ich verliere die Übersicht.

Anstatt nach dem Bildschirmtod zu respawnen konfrontiert mich Gothic Exile mit der Nachricht, dass ich keine Leben mehr übrig habe. Da es meine Internetverbindung nicht finden kann, darf ich weder neue Leben mit Echtgeld kaufen, noch Werbung gucken. Es bleibt nur noch, das Spiel komplett von vorn zu beginnen. Das gibt mir endlich die Gelegenheit, das Handy aufs Sofa zu schleudern und Gothic Exile nie wieder anzufassen. Dann schlürfe ich doch lieber im echten Minental Fleischwanzeneintopf und lasse mich von Scavengern vermöbeln.


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