GTA ohne Radiosender: Heute undenkbar, wäre aber fast so passiert

Die Radio-Shows sind ein Highlight in der GTA-Serie. Dabei entstanden sie ursprünglich quasi in der Besenkammer und wären beinahe nie im Spiel gelandet.

von Christian Just,
24.09.2020 19:06 Uhr

Musik, Talkshows und satirische Werbespots sind wichtiger Bestandteil des Worldbuildings in der GTA-Serie. Musik, Talkshows und satirische Werbespots sind wichtiger Bestandteil des Worldbuildings in der GTA-Serie.

Kopfnicker-Rhythmen, bissige Talkshow-Formate und Werbespots, die gesellschaftliche Reizthemen gekonnt satirisch aufs Korn nehmen: Die Radiosender in der GTA-Serie sind eine Instanz. Sie bedudeln uns mit verschiedenen Musik-Genres, bringen uns zum Lachen und tragen mit dazu bei, dass sich das typische GTA-Gefühl einstellt.

Wie der Sound-Designer Colin Anderson gegenüber PC Gamer erklärt, schaffte es dieses Feature um Haaresbreite nicht in das erste Grand Theft Auto von 1997. Das hätte in der Folge dazu führen können, dass dieses Feature sich nie etabliert - und damit auch die folgenden GTA-Ableger beeinflusst.

Geräusche aus der Besenkammer

Einer der Gründe, warum die damaligen Entwickler, das britische Studio DMA Design (heute Rockstar North), das Radio-Feature komplett über Bord werfen wollten, war der N64-Port von GTA. Der hätte es nötig gemacht, für den Sound auf MIDI zu setzen, der Ressourcen wegen über alle Plattformen hinweg.

Erst als der N64-Port auf Eis gelegt wurde, entschloss man, von den Vorzügen der CD-ROM Gebrauch zu machen und Musik in Grand Theft Auto zu integrieren, die richtigen Hits im Radio ähnelte.

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Zunächst schätzten die Verantwortlichen den Audio-Teil von GTA als nicht besonders wichtig ein. Die Abteilung für Soundeffekte und Musik saß in einem kleinen Extra-Bereich des Studios, den Anderson zwar nicht als »Besenkammer«, aber so etwas ähnliches beschreibt. Umso wichtiger war es dem Team, sich etwas mehr Freiheit zu erarbeiten, wie Anderson erklärt:

"Als eine Abteilung innerhalb von DMA Design [wollten wir] eine Visitenkarte haben, ein Schaufenster dafür, was wir mit Ton und Musik in Videospielen machen können. Dann muss man nicht jedes Mal, wenn wir ein Projekt mit einem Produzenten und einem leitenden Programmierer beginnen, dasselbe Argument vorbringen, dass wir kein Speicherbudget, kein Prozessorbudget bekommen und dass wir keinen Speicherplatz belegen dürfen, egal ob auf einem Modul oder auf einer CD oder was auch immer."

Die räumliche Distanz erlaubte es offenbar, ein wenig herumzuexperimentieren. So entstand die Idee, eigene Radiosender in Grand Theft Auto einzubauen, die in den Autos laufen. Dank der neugewonnen CD-Freiheit sogar mit ausreichend Ressourcen-Budget. Alle Songs wurden eigens für das Spiel geschrieben und teils mit Instrumenten eingespielt.

Ein weiter Weg

Das erste GTA setzte auf Handarbeit, was alle Aspekte der Spieleentwicklung betrifft. Wie das Ende der Neunziger Jahre aussah, führt euch dieses Video-Interview vor Augen. Und auch eure Ohren kommen auf ihre Kosten:

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Welchen weiten Weg das Radio in der GTA-Serie zurückgelegt hat, zeigt der Vergleich mit einem der zahlreichen Radiosender im neuesten GTA 5. Hier läuft lizenzierte Musik bekannter Künstler, aber auch eigens produzierte Moderation und Show-Formate:

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