Seite 2: Halo: Campaign Evolved im Test – Ich möchte das Shooter-Remake lieben, aber ohne rosarote Nostalgie-Brille fällt's mir schwer

GameStar Plus Logo

Artikel auf einer Seite lesen

25% Rabatt auf euer erstes Jahr GameStar Plus

GameStar Plus ist das Online-Abo für Gamer, denen gute Spiele wichtig sind. Schon ab 5,99€ im Monat. Deine Vorteile:

Zugriff auf alle exklusiven Tests, Guides, Videos und Reportagen von GameStar
Jede Woche ein exklusiver Podcast und zwei exklusive Newsletter
Von Experten, die wissen, was gespielt wird
Keine Banner und viel weniger Werbespots
Jederzeit online kündbar

Du hast bereits GameStar Plus? Hier einloggen.

Was taugen die neuen Missionen?

Ironischerweise bleiben von diesem Backtracking nicht einmal die neuen Missionen verschont, bei denen es Microsoft doch ganz bewusst hätte anders machen können. Doch gleich zwei der neuen Einsätze schicken mich ebenfalls - wer hätte es gedacht - in die Gänge eines Allianz-Kreuzers.

Auf dem Forschungsschiff soll ich gemeinsam mit meinem treuen Sidekick Sergeant Johnson Informationen für den Nachrichtendienst der Menschen sammeln - da die Bonusmissionen vor der Kampagne von Halo 1 spielen, gibts Cortana hier noch nicht und so muss ich mit Avery Johnsons altklugen 2000er-Sprüchen vorliebnehmen.

In solchen Situationen hilft nur rückwärts laufen und ballern was das Zeug hält. Die Energieschwerter der Eliten können wir im Remake endlich aufheben. In solchen Situationen hilft nur rückwärts laufen und ballern was das Zeug hält. Die Energieschwerter der Eliten können wir im Remake endlich aufheben.

Insgesamt sind die Bonusmissionen nett, wirklich gebraucht hätte ich sie allerdings nicht. Denn die Mini-Kampagne rund um den fiesen neuen Propheten der Harmonie schafft es zu keinem Zeitpunkt, eine ähnliche Faszination aufzubauen wie die Erkundung des ersten Halo-Rings. Die neuen menschlichen Figuren wachsen mir in den drei Stunden kaum ans Herz; die Raumschlacht im Finale ist zu statisch und ein echter Ersatz für die schnippische Schiffs-KI Cortana ist Johnson zumindest für mich schon dreimal nicht.

Ebenfalls ärgerlich: In unserem Koop-Durchgang hatten die neuen Missionen noch einige Bugs, die etwa verhinderten, dass Johnson Türen richtig öffnete, sodass wir einen früheren Checkpoint laden mussten. Dafür werde ich hier mit neuen Gegnern konfrontiert: Der Möchtegern-Prophet züchtet auf seinem Schiff mutierte Brutes, die ordentlich austeilen können. Ein gezielter Schuss mit dem Allianz-Sniper knipst den Viechern aber ebenfalls schnell das Licht aus.

Durchschlagende Argumente

Und damit komme ich auch schon zum Kern von Halo; den Waffen und Kämpfen. Rein mengenmäßig fährt das Remake ein beachtliches Arsenal auf. Neben dem klassischen Sturmgewehr und der Magnum-Pistole gesellen sich nun auch Nadelgewehr, Maschinenpistole und das ikonische Energieschwert aus späteren Halos ins feste Repertoire von Teil 1. Dazu kommen Ausrüstungs-Pick-ups wie der aus Halo 3 bekannte Blasenschild.

Der Warthog hinterlässt jetzt deutlich sichtbare, dynamische Spuren im Sand. Er steuert sich allerdings immer noch wie ein Backstein. Der Warthog hinterlässt jetzt deutlich sichtbare, dynamische Spuren im Sand. Er steuert sich allerdings immer noch wie ein Backstein.

Der Schwierigkeitsgrad ist mit dem Original vergleichbar, dafür schraubt das Remake ein wenig an der Balance: Die Waffen haben mehr Munition zur Verfügung, allerdings rücken mir jetzt auch deutlich mehr Allianzler auf die Pelle. In Innenräumen sorgt das stellenweise für Chaos, weil die Kämpfe etwas weniger lesbar werden.

Generell scheint das Remake an vielen Stellen eher mit Gegner-Masse zu arbeiten als mit deren Klugheit. Zwar arbeiten die Feinde ordentlich zusammen; Eliten hechten dynamisch in Deckung und reagieren glaubhaft auf meine Granatenwürfe. Insgesamt fühlt sich die KI aber einen Ticken dümmer an als vor 25 Jahren. Nachdem die Aliens aus ihrem Dropship klettern, bleiben sie erstmal schön im Kreis stehen - eine gut gezielte Granate erledigt alle auf einmal. Auf höheren Schwierigkeitsgraden hetzt mir das Spiel einfach noch mehr Gegner auf den Hals. 

Dafür sind die Checkpoints nun deutlich fairer gesetzt als im Original. Zwar gibt es gerade in den Bonusmissionen und bei der Rettung von Captain Keyes ein paar Flaschenhälse, grundsätzlich spielen sich die Schießereien von Campaign Evolved aber wunderbar flüssig. Die Alien-Horden wegzuballern, macht mir noch genau so einen Heidenspaß wie damals.

Die Schießereien machen auch in Campaign Evolved noch einen Heidenspaß. Plasma-Schüsse und Energieschilde kommen im Dunkeln farblich schön zur Geltung. Die Schießereien machen auch in Campaign Evolved noch einen Heidenspaß. Plasma-Schüsse und Energieschilde kommen im Dunkeln farblich schön zur Geltung.

Beim Sound hinkt Campaign Evolved anderen Halo-Teilen hingegen hinterher. Das Scharfschützengewehr und andere Waffen klingen blechern und flach. Generell wirkt die Sound-Abmischung (der Mix aus Musik, Effekten und Stimmen) an vielen Stellen nicht rund.

Die Texte der deutschen Sprachausgabe wurden für das Remake an einigen Stellen spürbar umgeschrieben, zu hören bekomme ich aber weiterhin die alten Stimmen. Ob hier per Computer nachgeholfen wurde oder nicht; die Betonung wirkt seltsam seelenlos. Obendrein haben sich ein paar Übersetzungsfehler eingeschlichen. 

Die Tücken der Unreal Engine

Ein echtes Highlight von Campaign Evolved ist dagegen die Grafik, denn rein optisch macht das Spiel dank der Unreal Engine 5 einiges her. Die sonnigen Strände und die satt grüne Umwelt des Rings wecken in mir den dringenden Wunsch nach einem längst überfälligen Sommerurlaub. Gelungen ist vor allem die Lichtdarstellung. Gerade in dunklen Gängen kommen die leuchtenden Energieschwerter, Schilde der Schakale und bunte Plasma-Schüsse richtig schön knackig zur Geltung.

Dafür patzt das Spiel bei der Performance. Abstürze hatte ich im Test zwar keine zu verzeichnen; gerade in Szenen mit viel Bewegung und Action ging die Framerate aber zwischendurch immer wieder merklich in den Keller - ein häufiges Symptom der Unreal Engine. Ein wirklich butterweiches Spielerlebnis in WQHD kann Campaign Evolved auf einer RTX 4080 selbst auf mittleren Einstellungen nicht liefern. GamePro-Kollege Tobi berichtet von ähnlichen Problemen auf der Xbox.

Die standardmäßig eingeschaltete chromatische Aberration lässt die Konturen manchmal unschön verwaschen aussehen. Die standardmäßig eingeschaltete chromatische Aberration lässt die Konturen manchmal unschön verwaschen aussehen.

Und apropos Einstellungen: Ein weiterer Minuspunkt sind die nicht vorhandenen grafischen Einstellungsmöglichkeiten. Bewegungsunschärfe und Screen-Shake-Effekte lassen sich zwar glücklicherweise abschalten; Filmkörnung und chromatische Aberration allerdings nicht. Vor allem letztere sorgt bei schnellerer Bewegung für ein unschönes, schummriges Kantenflimmern. Die mangelnden Optionen sind für einen Shooter im Jahr 2026 enttäuschend.

Durch die Effekte geht auch der klassische, elegante Halo-Look ein wenig kaputt; die Umgebungen erinnern zum Teil ans Oblivion Remastered, Avowed oder andere Microsoft-UE5-Titel. Insgesamt setzt das Remake die Halo-eigene Bildsprache mit ihren klaren Linien und bunten Farben aber sehr stilsicher um.

Tolles Feeling, wenig Inhalt

Trotz alledem entfaltet Halo 1 auch in seiner mittlerweile dritten Auflage beim Spielen noch dieselbe Faszination in mir wie damals. Der zeitlose Dreiklang aus Schießen, Nahkampf und Granaten werfen funktioniert als Gameplay-Fundament hervorragend. Dass ich die Story und die Levels schon kenne, stört mich nicht im Geringsten. Mit ein paar der kleinen Detail-Änderungen haben mich die Entwickler sogar positiv überrascht.

Video starten 29:45 Halo Campaign Evolved: Geniales Remake, aber mit einem riesigen Versäumnis

Obendrein sieht das Spiel dank der überarbeiteten Grafik auch noch verflixt gut aus. Insgesamt bietet Campaign Evolved allerdings viel zu wenig Inhalt, um wirklich als die versprochene Weiterentwicklung von Halo 1 durchzugehen, sondern belässt es beim optischen Evolutiönchen.

Die Kernmechaniken spielen sich zwar immer noch gut; das Grundspiel ist auch 2026 noch für Shooter-Fans empfehlenswert. Allerdings bekomme ich hier »nur« die (Koop-)Kampagne von damals mit drei neuen Missionen. Einen richtigen Multiplayer gibt es nicht. Ein dünnes Paket, wenn man bedenkt, dass Microsoft hierfür einen Preis von 50 Euro abruft.

Immerhin: Der Koop funktioniert jetzt endlich über die Plattformgrenzen hinweg. Und mit Freunden ist Halo bekanntlich am besten.

2 von 4

nächste Seite



Kommentare(41)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.