In den Filmen zu Der Herr der Ringe kommt eine tragische Begebenheit nur sehr am Rande vor – eher zwischen den Zeilen. Denn was der Film nie konkret ausspricht, ist, dass die Ents keine Frauen mehr haben. Baumbart und seine borkigen Freunde gehören zu einem uralten Volk, das aber dabei ist, auszusterben. Denn sie haben sich seit Jahrhunderten nicht mehr fortgepflanzt.
In den Büchern erzählt Baumbart Merry und Pippin davon, dass sie ihre Entfrauen verloren haben. Er weiß schlicht nicht, wo sie sind. Und auch Tolkien hat sich darüber meist nur mutmaßend geäußert, als wüsste er es selber nicht.
Bis heute rätseln Fans daher, warum die Entfrauen eigentlich verschwunden sind. Wir gehen diesem Mysterium heute ein wenig auf die Spur.
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Die Ents und ihre Frauen
Wer die Ents aus den Filmen kennt, hat sich vielleicht auch nie groß darüber Gedanken gemacht. Immerhin hört man hier vor allem Baumbart sprechen, die restlichen Ents kommen kaum zu Wort und sehen eben aus wie Bäume. Da ist nicht unbedingt zu erkennen, dass alle Ents eigentlich Männer sind.
Es gibt aber, oder besser gesagt, gab auch mal Entfrauen. Entmänner und Entfrauen gehören zu den ältesten Wesen in Mittelerde und erwachten noch lange vor den ersten Elben oder Zwergen, um die Natur zu hüten. Allerdings entwickelten die Entfrauen über Jahrtausende eine etwas andere Vorliebe für Natur als die Entmänner.
Die Frauen liebten kleine, ordentliche Gärten. Sie hegten Wiesen, Obstbäume, Felder, Blumen und dergleichen. Die Ents hingegen fühlten sich bei großen Bäumen und in der Nähe der Berge wohl. Daher zogen die Entfrauen irgendwann nach Osten, über den Fluss, und ließen dort ihr eigenes Land erblühen.
Gegen Ende des Zweiten Zeitalters, als Sauron Krieg gegen das letzte Bündnis aus Menschen und Elben führte, verheerte der dunkle Herrscher das Land der Entfrauen. Er wollte damit den Vorstoß der Feinde ausbremsen und ihnen nur braches Land überlassen. Die ehemaligen Entlande werden seither Braune Lande genannt und liegen zwischen Düsterwald und dem Emyn Muil.
Seitdem haben die Entmänner nichts mehr von den Entfrauen gehört oder gesehen. Sie sind verschwunden.
Wo sind die Entfrauen?
Was ist also genau passiert? Man könnte natürlich davon ausgehen, dass Sauron die Entfrauen bei der Zerstörung ihrer Gärten alle ermordet hat – aber dem widerspricht Baumbart in Die zwei Türme aktiv. Er besteht darauf, dass sie die Entfrauen verloren haben. Das könnte natürlich reine Selbsttäuschung sein, aber es wirkt trotzdem mysteriös.
Auf der Suche nach der Antwort schauen viele natürlich auf die weiteren Schriftwerke von Tolkien, wie etwa seine vielen Briefe. Nur gibt der Autor nie eine definitive Antwort. Er spricht oft davon, was er glaubt oder denkt. Er sagt nie, was in seiner Vorstellung tatsächlich passiert ist. So heißt es etwa in einem seiner Briefe (Nr. 144) an Naomi Mitchison:
Ich glaube, dass die Entfrauen tatsächlich für immer verschwunden sind, da sie zusammen mit ihren Gärten im Krieg des Letzten Bündnisses (Zweites Zeitalter 3429–3441) vernichtet wurden, als Sauron eine Politik der verbrannten Erde verfolgte und ihr Land niederbrannte, um den Vormarsch der Verbündeten entlang des Anduin aufzuhalten (Band II, S. 79, verweist darauf). Sie überlebten nur in der Landwirtschaft, die an die Menschen (und Hobbits) weitergegeben wurde. Einige mögen natürlich nach Osten geflohen oder gar versklavt worden sein.
Demnach ist die Chance hoch, dass die Entfrauen durchaus vernichtet wurden, wenn auch es sein kann, dass einige von ihnen noch irgendwo leben. In einem späteren Brief (Nr. 338) sagt Tolkien jedoch geradeheraus, dass er »nicht weiß, was mit den Entfrauen ist«. Er ist sich nur sicher, dass Ents und Entfrauen nie wieder zusammenfinden. Lediglich auf spiritueller Ebene sollen die Ents mit ihren Frauen vermutlich in einer Art Paradies wieder zueinanderfinden.
Diese unklaren Ansagen lassen Fans aber natürlich seit jeher eigene Ideen spinnen, wo sich die Frauen befinden könnten. Ein paar interessante Gedanken dazu gefällig:
- Sie sind im Auenland: Viele Fans glauben oder hoffen, dass die letzten Entfrauen inzwischen im Auenland leben. Baumbart selbst räumt ein, dass die Entfrauen es dort gemocht hätten, und viele glauben, dass sie die Grundlage für das geruhsame Leben der Hobbits gelegt haben. Ein Cousin von Sam glaubt sogar, im Auenland mal einen laufenden Baum gesehen zu haben. Allerdings kann es sich bei der Sichtung von Sams Cousin auch um einen Hourn gehandelt haben oder er spinnt Seemannsgarn.
- Sie sind im Alten Wald: Einige glauben, dass die Entfrauen im Alten Wald leben. Der Wald ist ähnlich mysteriös wie Fangorn und gehörte auch zum selben Ur-Wald von Mittelerde. Außerdem machen die Hobbits hier Bekanntschaft mit dem Alten Weidemann – wobei es sich aber nicht um einen Ent und auch um keine Frau handelt. Außerdem sind die Frauen ja gegangen, um auf Feldern und in Gärten zu leben. Da würden sie wohl kaum in einen derart urtümlichen Wald zurückkehren.
- Verstreut: Manche Fans denken, dass die wenigen Entfrauen verstreut leben. So gibt es etwa die Theorie, dass es sich bei einem Baum, an dem Sam und Frodo ihr Elbenseil binden, in Wahrheit um eine Entfrau handelt. Immerhin löst sich das Seil auf mysteriöse Weise.
- Weit weg: Da die Entfrauen nach Osten gegangen sind, sind sie womöglich auch einfach in weiten, fernen Ländern, die nicht kartografiert wurden und nicht zu Mittelerde zählen.
Wir hoffen zumindest sehr, dass die Entfrauen nicht einfach nur versklavt und ermordet wurden. Gemessen an den männlichen Ents, waren sie sicherlich recht angenehme Gesellschaft. Baumbart beschreibt sie obendrein als sehr friedliebend. Traurig ist es aber schon, dass die Ents für immer von ihren Frauen getrennt wurden.
Letztlich ist das Geheimnis der Entfrauen nicht dazu ersehen, gelöst zu werden. Tolkien selbst hat viele Fragen rund um Mittelerde bewusst nie beantwortet, etwa auch diverse Fragen rund um Tom Bombadil. Diese Mysterien sind dazu da, eine dauerhafte Faszination rund um Mittelerde am Leben zu erhalten.
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