GameStar Plus Logo
Weiter mit GameStar Plus

Wenn dir gute Spiele wichtig sind.

Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe für Rollenspiel-Helden, Hobbygeneräle und Singleplayer-Fans – von Experten, die wissen, was gespielt wird. Deine Vorteile:

Alle Artikel, Videos & Podcasts von GameStar
Frei von Banner- und Video-Werbung
Jederzeit online kündbar

Seite 2: Hitman im Test - Der richtige Weg?

Der Connaisseur-Killer

Das mit dem Mehrfach-Spielen ist nämlich genau der Punkt, den Außenstehende häufig schwer erfassen können, wenn sie Leute wie mich über ihre Hitman-Erfahrungen reden hören. Sobald man das Ziel einmal um die Ecke gelegt hat, gibt's ja eigentlich keinen Grund, es zu wiederholen - oder?

Oh, doch! Die Attentate von Agent 47 sind seit jeher dafür gemacht, immer und immer wieder ausprobiert zu werden, damit man neue Strategien entwickelt, seine eigene Leistung verbessert oder mal was völlig Verrücktes versucht. Beispielsweise alle Wachen auszuknocken und nur die Zivilisten übrig zu lassen.

Der Nahkampf aus Absolution kehrt zurück. Wer schnell die Knöpfchen drückt, kann die Wache ausknocken. Der Nahkampf aus Absolution kehrt zurück. Wer schnell die Knöpfchen drückt, kann die Wache ausknocken.

Das gilt mehr denn je für das »Intro Pack«. Wer linear durch die drei Missionen hastet und danach abschaltet, wird sich mit gutem Grund über die 15 Euro ärgern, die er dafür ausgegeben hat. Allerdings verpasst man so auch die größte Stärke des Spiels, nämlich das herrlich offene Leveldesign. Die grundlegende Spielmechanik bleibt dabei den Wurzeln der Serie treu: Ich schaue 47 über die Schulter, während ich die weitläufigen Szenarien erkunde.

In jedem Gebiet muss ich eine Zielperson ausschalten. Dabei kann ich natürlich jederzeit meine Waffe zücken und Radau veranstalten - wirklich clever ist das aber nie. Mit Ballerei kommt man in Hitman viel seltener zum Ziel als in Absolution. Dafür sorgt (zum Glück) der knackige Schwierigkeitsgrad. Stattdessen setzt 47 aufs Leisetreten, schlägt Gegner bewusstlos, klaut ihre Klamotten und verkleidet sich als Bediensteter.

Im ersten Prolog-Abschnitt infiltriere ich beispielsweise eine Yacht, auf der gerade gefeiert wird, um einen Terroristen zu erledigen. Der Kerl wird schwer bewacht, hat stets einen Bodyguard an seiner Seite, und überall stehen Dutzende von Partygästen als unliebsame Zeugen. Bereits in dieser Tutorial-Mission gibt es zig Wege zum Ziel. Ich kann mich zum Beispiel als Mechaniker verkleiden und während meiner »Reparaturarbeiten« eine Bombe platzieren.

Nicht ins Gesicht!

Oder ich lasse ein Beiboot auf den Kerl stürzen, nachdem ich mich heimlich aufs Dach geschlichen habe. Beim nächsten Versuch verabreiche ich ihm als Kellner verkleidet Brechmittel und ertränke ihn danach auf dem Klo. Und ja, ich geb's zu: Einmal habe ich ihm auch einfach ins Gesicht geschossen.

Allerdings wurde ich danach selbst über den Haufen geballert. Das liegt allerdings nicht nur am Schwierigkeitsgrad, sondern auch an dem fummeligen Waffenhandling - das ist sperriger als in Absolution, es fehlt an Trefferfeedback. Hitman sollte man wirklich nicht als Shooter spielen.

Wir können eine der Zielpersonen direkt erschießen. Danach wird der Rest der Mission aber fast unschaffbar. Wir können eine der Zielpersonen direkt erschießen. Danach wird der Rest der Mission aber fast unschaffbar.

Im zweiten Auftrag muss ich einen Schachspieler erledigen, der als Spion zu den Sowjets überlaufen will. Doof nur, dass der Kerl sich in einer Militäranlage versteckt und von Dutzenden KGB-Soldaten bewacht wird. Hier wird 47s Problemlösungskompetenz noch ein Stück kreativer als auf der Yacht: Ich verkleide mich als Wartungsmitarbeiter und erzähle dem Schachprofi, dass er an einer Sicherheitsübung teilnehmen muss.

Mit dieser Lüge bugsiere ich ihn auf einen Kampfjet-Schleudersitz, den ich kurz zuvor manipuliert habe. Und siehe da: Meine Zielperson fliegt durch die Decke. Auftrag erledigt.

Anders als in früheren Teilen kann ich jetzt jederzeit eine umfangreiche Hilfefunktion aktivieren, um mir genau solche Kill-Gelegenheiten anzeigen zu lassen. Wenn ich an einer interessanten Möglichkeit vorbeilaufe, fragt mich das Spiel, ob ich Markierungen aktivieren will. Danach bewege ich mich von Checkpoint zu Checkpoint bis zum Attentat - beispielsweise werde ich so zum Schraubenzieher geführt, den ich beim Manipulieren des Schleudersitzes brauche.

Diese Wegmarker sind gerade für Einsteiger extrem nützlich, um sich in den großen Gebieten zu orientieren - für die optimale Hitman-Erfahrung sollte man die Hilfestellung aber abschalten. Mir macht das Entdecken von coolen Gelegenheiten fast genauso viel Spaß wie das eigentliche Ausführen.

Das Highlight des »Intro Packs«: Paris

Das Highlight des »Intro Packs« ist aber eindeutig Paris. Hier zeigen die Entwickler eindrucksvoll, wie groß die neuen Sandbox-Missionen ausfallen können. In der gewaltigen Anlage durchquere ich Dinner-Säle, die Modenschau, einen Club, Weinkeller, eine geheime Auktion, diverse Dachgeschosse, Grasflächen, Irrgärten.

Um meine Zielpersonen auszuschalten, kann ich mich als Scheich verkleiden und in die Auktion schleichen. Oder ich klettere eine gewaltige Lichtinstallation hinauf, um sie herabstürzen zu lassen. Agent 47 kann sich sogar als Model ausgeben, über den Catwalk spazieren und dann eine Privataudienz mit dem Opfer erbitten.

Im Planungsmenü wählen wir Waffen, versteckte Gadgets und unseren Einstiegspunkt. Im Planungsmenü wählen wir Waffen, versteckte Gadgets und unseren Einstiegspunkt.

Wer diese leicht geskripteten »Signature Kills« nicht mag, darf sich natürlich auch ganz klassisch durch das Level schleichen, Wachen ausschalten und heimlich die Zielpersonen erledigen. Die Gegner-KI ist übrigens ein klein bisschen cleverer als früher, gewinnt aber noch immer keinen IQ-Preis: Sie versucht zumindest, mich zu umlaufen, allerdings suchen die Kerle nach wie vor nicht wirklich nach Deckung - eine traditionelles Manko der Serie, das auch im neuen Hitman bestehen bleibt.

Trotzdem ist Paris eine der beeindruckendsten Hitman-Missionen, die ich je gespielt habe. Die schiere Menge an Interaktionsmöglichkeiten gibt dem Perfektionisten in mir Futter für Dutzende Durchgänge. Da brauche ich eigentlich gar nicht die unzähligen Herausforderungen, die ich optional erledigen kann.

Die hängen mit dem Fortschrittssystem zusammen, mit dem Hitman Langlebigkeit sicherstellen will: Durch diverse Aktionen, beispielsweise das Vergiften eines Cocktails, erledige ich Challenges und schalte so neue Startpunkte, Ausrüstungsgegenstände und Gadgets frei. Ein nettes Extra, allerdings hat mir die Waffen-Customization in Blood Money besser gefallen. Da hat man nämlich tatsächlich Geld mit seinen Attentaten verdient, was im Szenariokontext einfach glaubwürdiger wirkt.

Die größte Schwäche

Mit dem »Intro Pack« zeigen die Entwickler, dass sie auf das Feedback der Fans gehört haben. Von anderen Spielern erstellte Aufträge konnte ich bisher zwar noch genauso wenig testen wie die sogenannten »Live Targets«, die nach Release erscheinen sollen. Aber allein die Paris-Location bringt alles auf den Punkt, was ich an der Hitman-Serie mag. Wäre die Technik des Spiels doch nur auch so gut.

Die Modenschau können wir als Gast besuchen – oder wir starten als Kellner verkleidet in der Küche. Die Modenschau können wir als Gast besuchen – oder wir starten als Kellner verkleidet in der Küche.

Woran auch immer es liegen mag: Hitman fehlt in der Testversion an einigen Ecken der Feinschliff. Icons in den Menüs werden nicht richtig angezeigt, die Ladezeiten sind unterm Strich unangenehm lang und auch die Framerate gerät auf Konsolen gelegentlich ins Stocken.

Klar, die meisten dieser Probleme werden sich mit Patches regeln lassen. Und abseits davon geht die Optik voll in Ordnung, obwohl sie an keiner Stelle neue Maßstäbe setzt. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass IO Interactive einfach nicht genug Zeit für die Entwicklung hatte - schließlich war Hitman ursprünglich ja auch nicht als Episodenspiel konzipiert.

Dass es sich am Ende trotzdem nach einem runden Paket anfühlt und nicht wie die zerstückelte Version eines eigentlich größeren Spiels, spricht eindeutig für das neue Hitman. Ich habe viel Spaß mit den drei Startmissionen, freue mich bereits auf den kommenden Sapienza-Auftrag und halte die 13 Euro für einen angemessenen Preis.

Auf der anderen Seite kann ich auch all die anderen Spieler verstehen, die auf das volle Paket für 60 Euro warten wollen, weil ihnen die einmonatigen Wartezeiten auf den Keks gehen. So oder so: Sollten alle sieben Episoden so ausfallen wie das »Intro Pack« und die Rahmenhandlung in eine weiterhin spannende Richtung entwickeln, dann hat Hitman die Chance, der bislang beste Serienteil zu werden.

Hitman - Opening-Cinematic »Legacy« des Stealth-Actionspiels 2:32 Hitman - Opening-Cinematic »Legacy« des Stealth-Actionspiels

2 von 3

nächste Seite


zu den Kommentaren (73)

Kommentare(73)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.