Schon nett hier
- war mein erster Gedanke nach der Ankunft im malerischen Städtchen Gruyères inmitten der französischen Schweiz. Die majestätischen Bergketten, das melodische Gebimmel von Kuhglocken und die Vorfreude auf mein erstes Schweizer Käsefondue bereiteten mich nicht ansatzweise auf die alptraumhaften Eindrücke vor, denen ich mich an demselben Tag noch stellen würde.
Lediglich der Strom an schwarz gekleideten und tätowierten Menschen, in den ich mich nahtlos einfügen kann, gibt einen Hinweis darauf, welches finstere Herz inmitten der beschaulichen Gemeinde schlägt: Das HR Giger Museum, welches von oben bis unten mit verstörenden Bildern, Skulpturen und sogar Filmkulissen bestückt ist.
Als großer Alien-Fan dachte ich zu wissen, auf was ich mich einlasse. Doch im Museum angekommen, belehrte mich das schiere Ausmaß an bizarren Kunstwerken eines Besseren. Über vier Stockwerke hinweg strotzt das Haus in der Rue du Chateau geradezu vor Gemälden, Skulpturen und Requisiten.
Was ich hier für Einblicke in das Leben und Schaffen eines einzigartigen Künstlers bekomme, hat in mir eine völlig neue Wertschätzung für eine meiner liebsten Sci-Fi-Reihen entfacht.
Für Alien: Earth ins Giger-Museum
Doch was hat mich überhaupt ins Giger-Museum in der Schweiz geführt? Ich würde ja gerne behaupten, dass einzig und allein meine Leidenschaft für Alien und abgefahrene Kunst dafür verantwortlich ist, aber ich möchte natürlich nicht mogeln.
Zum Release der neuen TV-Serie Alien: Earth von Noah Hawley (Fargo, Legion) am 13. August 2025 wurde ich von Disney auf den knapp zweitägigen Ausflug eingeladen. Kosten für die Anreise, Unterkunft und Verpflegung hat Disney gestellt, ohne dabei Einfluss auf meine redaktionelle Berichterstattung zu haben.
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Alien: Earth - Der erste Trailer der Horror-Thriller-Serie deutet ein wahres Xenomorph-Spektakel an
Auf Alien: Earth hat mich mit der Besuch von Museum und Bar fairerweise aber mehr als gebührend eingestimmt. Schon den Eingang zieren abstrakte Skulpturen, die einen Vorgeschmack darauf geben, was für Monstrositäten im Inneren schlummern.
So könnte hinter dem prächtigen Kassenschalter ein gigantischer Spacejockey die knapp 13 Schweizer Franken für den Eintritt kassieren und wäre nicht mal das Erste, was einem ins Auge sticht. Denn sogar die Wände und Böden werden von einer sogenannten biomechanischen Matrix
geziert, die sich durch das gesamte Gebäude zieht. Ganz schön unheimlich und ganz schön atmosphärisch!
Kontext vom Fachmann
Der Odyssey durch die künstlerischen Vergangenheit von HR Giger muss ich mich allerdings nicht alleine stellen, sondern darf auf die Führung von Marco Witzig vertrauen - seines Zeichens Museumskurator, Kunstkenner und ein Wegbegleiter Gigers, der ihm vor dessen Tod 2014 jahrelang als Assistent unter die Arme griff.
Ich bekomme also gleich mal Kontext und Hintergründe zu all den Monstrositäten von jemandem, der nicht nur richtig Ahnung von der Materie hat, sondern auch mit Giger persönlich zusammenarbeitete. Marco macht dabei seinem Nachnamen alle Ehre, denn seine trockenen und ehrlichen Kommentare auf Giger samt dessen Schaffen sind oft ziemlich ... naja, witzig.
So meint Witzig zum Beispiel recht pragmatisch, dass Giger in seiner Karriere als Künstler durchaus die ein oder andere strategisch unkluge Entscheidung
getroffen hat. So zum Beispiel, indem er einen befreundeten Nachtclubbesitzer zwischenzeitlich zu seinem Manager ernannt hätte. Das hätte ihm als aufstrebender Künstler in der Szene keinen Gefallen getan, da Giger aufgrund seines eigenwilligen Stils und seiner obszönen Motive ohnehin einen schwierigen Stand hatte. Irgendwo nachvollziehbar.
Solche Anekdoten findet man vielleicht auch in Büchern, Dokumentationen oder im Netz. Sie persönlich von einem Weggefährten Gigers zu hören, ist aber nochmal eine ganz andere Hausnummer. Die Person, die hinter dem legendären Xenomorph-Design und all den prächtigen Kunstwerken in diesem Museum steht, wird für mich gleich viel greifbarer.
Witzig (sowie Gigers Ex-Frau Mia Bonzanigo, mit der ich während meines Trips ebenfalls quatschen durfte) vermittelt mir zum Beispiel auch, dass Giger ein sehr einfühlsamer Mensch
war, der stets den Schmerz der Welt auf seinen Schultern trug. Ich muss zugeben: Das hätte ich mir beim ersten Blick auf seine Kunst nicht unbedingt gedacht!
Manchmal weiß man im HR Giger Museum gar nicht, wo man zuerst hinschauen muss.
In Anbetracht seiner Gemälde aus den 60ern macht es aber schnell Klick
: Entstellte Kreaturen inmitten metallischer, kalter Räume blicken von Melancholie übermannt durch ein kleines Fenster in eine menschenfeindliche Welt hinaus. Witzig erklärt, dass Giger hier seine riesige Angst vor einem Atomkrieg und dem, was danach kommt, verarbeitet hat.
Mich erinnern diese unangenehmen, aber auch fesselnden Szenerien an Fallout oder Silo, der Vergleich liegt natürlich auf der Hand. Und wenn man bedenkt, wie sehr sich die Schweiz schon zum Zweiten Weltkrieg und davor gegen Angriffe von außen gewappnet hat und omnipräsent die Anspannung während des Kalten Kriegs gewesen sein muss, liegt die direkte Inspiration nahe.
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