Schon weicher, aber immer noch hart
Zur finalen Veröffentlichung ist Hunt: Showdown deutlich einsteigerfreundlicher geworden. Eure Jäger können während der ersten zehn Level eurer Blutlinie, dem spielübergreifenden Progressions-System, nicht endgültig sterben, bevor das gnadenlose Permadeath-Reglement greift. Das Spiel stellt euch gegen Teams mit ähnlich weit vorangeschrittenen Spielern auf. Übrigens funktioniert das Matchmaking reibungslos und wir finden schnell Mitspieler sowie eine passende Partie.
Zahlreiche Balance-Anpassungen haben zudem das Campen deutlich erschwert und insgesamt für belohnende Runden gesorgt. Übermächtige Waffen wie die Endgame-Pistole »Dolch« wurden generft, wobei das mit dem Wechsel auf Spezial-Munition ein gefühlt zu harter Nerf-Hammer war. Aber auch hier muss ja das letzte Wort noch nicht gecodet worden sein.
Zum Start der Early-Access-Phase war Hunt noch viel roher und unbarmherziger, aber Crytek hat wie versprochen ständig mit der Community kommuniziert und beim Feedback genau hingehört. Das merkt man heute deutlich an der Spielbalance. Super!
Grafik & Spielwelt
Aber ein Sumpfgebiet? Ja, doch langweilig sieht das »Bayou« Louisianas trotzdem nicht aus. Hier ein kleiner Wald, da Gebäudekomplexe wie Fabriken oder Kirchen, dort ein riesiges Militär-Fort, alles schick ausgeleuchtet - und in der Nacht- und Tagversion ganz anders im Erleben und Bespielen.
Hinzu kommen detaillierte Waffen- und Hunter-Modelle, die sich gut in das düstere Artdesign von Hunt: Showdown einfügen. Ein Kritikpunkt dagegen betrifft die Animationen der Spielfiguren und Monster, die in allen Situationen zu steif und simpel wirken. Hier wäre ein flüssigerer Bewegungsablauf schön gewesen.
Entwarnung von der Performance-Seite: Nach einem wortwörtlich holprigen Early-Access-Start läuft Hunt inzwischen tadellos, bei unserem Test gab es keine Spur mehr von instabilen Bildraten.
Negativ aufgefallen sind uns die teilweise falschen und spät wechselnden LOD-Einstellungen bei einigen Umgebungselementen wie Bäumen. Das Phänomen trat bei mittleren und hohen Grafikoptionen auf und war komischerweise mit Ultra-Einstellungen nicht mehr festzustellen.
Zwei Karten sind zudem nicht wirklich viel, wir hätten uns zumindest eine dritte Map gewünscht. Hier ist nach dem Release also noch Luft nach oben, wobei in der Post-Release-Roadmap bis dato kein Hinweis auf weitere geplante Karten zu finden ist.
Also, Meisterwerk oder Massen-Schreck?
Hunt: Showdown kann für manche Spieler grandios sein und für andere immer ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Es ist ein Meisterwerk für engagierte Shooter-Spieler, die sowohl eine große Einstiegshürde nehmen können als auch ein unheimlich schwer zu meisterndes Endgame begrüßen.
Alle anderen, die vielleicht eher abends gemütlich eine Stunde spielen und tagsüber bei der Arbeit mehr an den Job und weniger an neue Kampfstrategien denken, ist Hunt womöglich einfach zu viel des Guten.
Auch mögen das Western-Setting und der starke Horror-Einschlag nicht jedem Spieler gefallen. Hunt verschreckt also möglicherweise einige Fans von Multiplayer-Shootern mit seinem für das Genre sehr speziellen Konzept.
Wer aber leidenschaftlich gerne versagt, aus Fehlern lernt und schließlich als Spieler daran wächst, der könnte in Hunt: Showdown sein neues Lieblingsspiel finden.
13:08
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