Hype um Bloons TD 6: Wieso ich seit Wochen nicht von diesem Spiel loskomme

Meinung: Comic-Grafik? Affen? Ballons? Bloons TD 6 macht auf den ersten Blick nicht viel her. Doch wer Tower Defense mag, könnte hier sein Eldorado finden.

von Dennis Zirkler,
04.03.2021 17:45 Uhr

Der Affenpionier in Bloons TD 6 erinnert an den Engineer aus Team Fortress 2, denn er stellt kleine Wachtürme auf. Der Affenpionier in Bloons TD 6 erinnert an den Engineer aus Team Fortress 2, denn er stellt kleine Wachtürme auf.

Ich hab's echt satt. Vor rund 15 Jahren habe ich mit meinen Schulkameraden unzählige Stunden damit verbracht, kleine LAN-Parties im Gartenhaus der Eltern eines Freundes abzuhalten. Neben Eistee, Pizza und nächtlichen Scherzanrufen bei 0190er-Nummern gab's da natürlich auch Spiele, die bis in die Morgenstunden gezockt wurden: Quake 3, Medal of Honor und natürlich die ein oder andere Tower-Defense-Karte in Warcraft 3.

Auch heute zocken wir noch zusammen. Doch wenn ich bei unseren abendlichen League-of-Legends-Runden davon erzähle, wie viel Spaß ich seit Monaten mit Bloons TD 6 habe, werde ich einfach nicht ernstgenommen. Irgendwie will mir niemand glauben, dass sich hinter dem Tower-Defense-Spiel mit der Kindergrafik ein grandioser Zeitfresser versteckt.

Obwohl sich in dem Spiel auf Steam seit Wochen immer wieder 15.000 Spieler gleichzeitig tummeln und sogar reichweitenstarke Twitch-Streamer aufsatteln. Aber meine Freunde sind da ganz sicher nicht die einzigen mit Vorurteilen. Das muss sich ändern!


Über den Autor
Dennis spielt seit über 15 Jahren alle möglichen Arten von Tower-Defense-Spielen, am liebsten PVP-Varianten wie Legion TD 2. Doch sein Herz hat er kürzlich an Bloons TD 6 verloren, das für ihn überraschend zum besten Tower-Defense-Spiel wurde, das er je gespielt hat.

Darum geht's in Bloons TD 6

Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich bei Bloons TD 6 um ein klassisches Tower-Defense-Spiel: Gegner erscheinen am Anfang der Karte und folgen einer vorgegebenen Strecke. Damit diese ihr Ziel nicht erreichen können, müsst ihr sie zerstören, indem ihr am Wegesrand Türme platziert. Also alles wie gewohnt? Fast.

Die Türme sind hier nämlich Affen und die Gegner Ballons. Was hinter diesem absurden Szenario steckt und was für ein Problem die Affen mit den Ballons haben, erklärt euch das Spiel nicht. Aber das ist auch überhaupt nicht wichtig, denn Bloons TD 6 überzeugt bei den Spielmechaniken.

Was Bloons von der Konkurrenz abhebt, ist die riesige Auswahl an Affen beziehungsweise Türmen, die euch hier zur Verfügung stehen. Denn mit dem aktuellen Patch 23.0 gibt's ganze 24 verschiedene Verteidiger zur Auswahl - und jeder davon hat nochmal drei verschiedene Spezialisierungen, die fast immer komplett andere Taktiken ermöglichen.

Den Alchemisten könnt ihr beispielsweise so entwickeln, dass er eure anderen Türme mit Tränken stärkt. Erforscht ihr stattdessen das »transformierende Tonikum«, verwandelt er sich auf Knopfdruck in ein mächtiges Angriffsmonster. Oder ihr macht ihn zum Meisteralchemisten, der Ballons in Gold verwandelt und euch so zusätzliches Geld in die Kassen spült.

Die Affen lassen sich in drei verschiedenen Pfaden aufwerten. Die Affen lassen sich in drei verschiedenen Pfaden aufwerten.

Die Taktikmöglichkeiten sind geradezu endlos: Zauberer, Druiden, Ninjas, Scharfschützen und sogar U-Boote und Angriffshelikopter müssen von euch perfekt aufeinander abgestimmt werden, denn sonst ist das Spiel schneller vorbei, als man dreimal »Das drogendealende Kapuzineräffchen aus Hangover 2« sagen kann.

Jeder Affe hat nämlich seine eigenen Spezialgebiete. Der Zauberaffe kann mit dem richtigen Update getarnte Bloons aufdecken, während der Eisaffe Feinde für kurze Zeit einfriert - so lassen sich auch sogenannte Kill Zones errichten, in denen die Synergien zwischen euren Türmen für maximale Zerstörungskraft zusammenspielen. Dazu gesellen sich elf ziemlich unterschiedliche Helden, von denen ihr immer nur einen mit in die Runde nehmen könnt.

Wer neue Helden in Bloons TD 6 freischalten will, muss dafür viel Affengeld farmen - oder zum Geldbeutel greifen. Wer neue Helden in Bloons TD 6 freischalten will, muss dafür viel Affengeld farmen - oder zum Geldbeutel greifen.

Alles andere als anspruchslos

Und Nicht nur müssen die Stärken der Affen kombiniert werden, es gibt auch noch über 50 verschiedene Karten, die in vier Schwierigkeitsgrade unterteilt sind. Dazu gibt's auf jeder Karte zig verschiedene Modi.

Die Königsklasse bildet die Herausforderung »Schimpansen«: Jegliche Talentpunkte, Boni und was man sonst noch alles so freischalten kann, sind hier deaktiviert. Es zählt nur noch, wo und in welcher Reihenfolge ich meine Affen aufstelle und ob ich auf die richtige Kombo gesetzt habe. Und das ist gar nicht mal so einfach.

Doch wenn mich der Ehrgeiz voll im Griff hat und ich nach etlichen Versuchen eine Karte auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad doch noch meister, ist die Freude riesig. In etwa so, als hätte ich gerade zum ersten Mal einen schweren Bossgegner in Dark Souls erlegt.

Doch nicht alles ist perfekt: Obwohl Bloons TD 6 kein Free2Play-Spiel ist, gibt es einen Echtgeld-Shop im Spiel. Die Ingame-Käufe fallen in die Kategorie Pay2Progress, denn das Spiel ist durchaus ein richtiges Grind-Fest. Ständig hält euch das Spiel irgendwelche Karotten vor die Nase, die sich nur mit viel Spielzeit ergattern lassen. Neue Helden? Kosten Ingame-Geld. Neue Talente? Kosten Talentpunkte. Wer hier zuschlägt, bekommt handfeste Vorteile und spart viel Zeit - aber macht sich auch den Spielspaß kaputt.

Bloons TD 6 - Screenshots ansehen

Warum ich nicht mehr davon loskomme

Natürlich ist so ein Tower-Defense-Spiel perfekt als kleiner Snack zwischendurch. Entweder um 20 Minuten meiner Mittagspause zu füllen oder um nach einem anstrengenden League-of-Legends-Abend voller Niederlagen wieder runterzukommen. Zumindest war das meine Idee, als ich mir das Spiel für 80 Cent im Steam Winter Sale gekauft habe.

Laut Steam habe ich aber mittlerweile 63 Stunden damit verbracht. Obwohl ich weiß, dass das mich das Spiel mit den billigsten Free2Play-Mechanik überhaupt immer wieder zurück ins Spiel zieht: Dem Freischalten von ständig neuem Kram. Aber das ist nicht der einzige Grund.

Ich liebe Bloons TD 6, weil es sich auf das Wesentliche reduziert und mir die Möglichkeit gibt, es so zu spielen, wie ich gerade will. Eine entspannte Runde für fünf Minuten zwischendurch? Das ist problemlos möglich, wenn ich keine schwierige Karte wähle. Eine richtige Herausforderung, bei der ich mehrere Stunden und Versuche brauche, um sie zu knacken? Geht auch, wenn ich eine »Extrem«-Karte im Schimpansen-Modus spiele.

In Bloons TD 6 passiert immer sehr viel: Nekromanten reanimieren Bloons und Kampfflugzeuge feuern aus allen Rohren. In Bloons TD 6 passiert immer sehr viel: Nekromanten reanimieren Bloons und Kampfflugzeuge feuern aus allen Rohren.

Klar, Mikrotransaktionen und Echtgeld-Shops sind nie geil. Besonders, wenn man sich damit irgendwelche spielerischen Vorteile verschaffen kann. Aber vertraut mir: Ihr müsst dort keinen einzigen Cent ausgeben, wenn ihr Spaß haben wollt. Das Ausprobieren von neuen Taktiken und dabei auch mal knallhart zu verlieren macht nämlich einen großen Teil des Spiels aus. Und Bloons bietet mit seiner riesigen Anzahl an Affen, Helden und Karten - die dank monatlicher Updates immer größer wird - in dieser Hinsicht einfach viel mehr Möglichkeiten, als jeder andere Konkurrent auf dem Markt.

Falls ihr nur ein kleines Bisschen was mit Tower-Defense-Spiele anfangen könnt, solltet ihr Bloons TD unbedingt auf dem Schirm haben. Vielleicht nicht zum Vollpreis von 8 Euro, aber spätestens im nächsten Steam Sale, wo es regelmäßig für unter einen Euro angeboten wird. Es macht wirklich viel, viel mehr Spaß, als die Screenshots mit der kindlichen Comicgrafik erahnen lassen.

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